Für mich ist ein Ausritt das schönste gemeinsame Erlebnis, welches ich zusammen mit meinem Pferd haben kann. Viele Reiter und die, die es werden wollen, träumen davon mit dem Pferd im Einklang der Natur durch die Wiesen und Wälder zu streifen, die Seele baumeln zu lassen, seinen Gedanken hinterher zu hängen oder bei einem flotten Galopp das Gefühl der Freiheit zu spüren. Damit der Ausritt ein voller Erfolg wird, gibt es aber einige Dinge zu beachten. Ein paar Punkte erscheinen euch vielleicht selbstverständlich, dennoch trifft man immer wieder auf Reiter, die unvorsichtig oder gar leichtsinnig sind und somit sich und andere in Gefahr bringen. Wer ins Gelände reitet, trägt die Verantwortung für sein Pferd, für sich selbst und vor allem für alle anderen Menschen, seien es Spaziergänger, Radfahrer oder Autofahrer, die uns im Gelände begegnen könnten.

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1. Informiere dich über das Gelände und die geltenden Gesetze

Es ist erschreckend, aber leider wahr, denn die meisten Reiter wissen nicht, auf welchen Wegen sie reiten dürfen und welche Gesetze auf uns Reiter eigentlich zu treffen. Um das Thema nur kurz zu umreißen, Reiter, die mit ihren Pferden im Gelände unterwegs sind, müssen sich an die Straßenverkehrsordnung, an das Bundesnaturschutzgesetz, an das Bundeswaldgesetz und an zahlreiche Vorschriften auf Bundeslandebene halten. Letzteres bedeutet, dass Regelungen die beispielsweise in Bayern gelten, in Niedersachsen ganz anderes sein können. Reiter werden generell als Verkehrsteilnehmer angesehen, was bedeutet, dass Rad- und Fußwege tabu sind.

Neben zahlreichen gesetzlichen Regelungen, muss man sich vorab über das Gelände informieren. Wo kann man gut lang reiten? Wo befinden sich Gefahrenstellen? Welche Wege sind nach viel Regen schlecht bereitbar oder rutschig? Wie sind die Wegverhältnisse im Winter, wenn Schnee liegt?

2. Sorge für ausreichend Bewegung und Auslastung deines Pferdes

Pferde sind Bewegungstiere und sollten entsprechend gehalten werden. Ich will jetzt nicht auf die verschiedenen Haltungsmöglichkeiten und deren Vor- und Nachteile eingehen, aber jedes Pferd sollte die Möglichkeit haben, täglich mehrere Stunden auf der Koppel zu verbringen. Neben der Bewegung auf der Koppel, sollte das Pferd natürlich auch unter dem Sattel bewegt werden. Durch das Reiten wird das Pferd einerseits körperlich ausgelastet und andererseits, lernt es auf die Hilfen des Reiters zu gehorchen und ihm zu vertrauen. Ein sehr wichtiger Punkt für das spätere Geländereiten, denn ein körperlich und geistig ausgelastetes Pferd wird im Gelände entspannter und weniger schreckhaft sein, als ein unausgelastetes Pferd.

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3. Überprüfe vor jedem Ausritt deine eigene Ausrüstung und die deines Pferdes

Egal ob im Gelände, auf dem Reitplatz oder in der Halle, egal ob beim Dressur- oder Springreiten, auf den Kopf des Reiters gehört ein Reithelm, der den gültigen Sicherheitsnormen entspricht. Die Bekleidung sollte zweckmäßig sein, das heißt, dass beispielsweise eine kurze Hose ungeeignet ist. Wie generell beim Reiten, sollten die Schuhe auch beim Ausreiten, über den Knöchel gehen, einen Absatz haben und eine flache, nicht zu breite Sohle, um im Falle eines Sturzes, nicht im Steigbügel hängen zu bleiben.

Das Pferd benötigt für einen Ausritt einen passenden Sattel und eine Trense. Die meisten empfinden das als logisch und selbstverständlich, aber immer häufiger wird ohne Sattel oder sogar nur mit einem Halsring ausgeritten. Ein schwieriger Punkt, bei dem sich die Meinungen spalten und zugegebenermaßen bin ich auch schon ohne Sattel ausgeritten. Fakt ist aber, dass der Halsring im Gelände nicht in die Hände von Reitanfängern gehört und dass diese auch im Sattel, statt auf dem blanken Pferderücken, sitzen sollten. Außerdem sollte man sich vorab bei seiner Versicherung informieren, da viele, im Falle eines Unfalls nicht greifen, wenn keine sachgemäße Ausrüstung benutzt wurde.

Die Verschleißteile an Sattel und Trense, wie Zügel, die Bügelriemen und die Gurtstrupfen, müssen regelmäßig, idealerweise vor jedem Ausritt, kontrolliert werden. Um zu verhindern, dass der Reiter bei einem Sturz im Steigbügel hängen bleibt, sollte das Sattelschloss entweder geöffnet oder so gut geölt sein, dass es sich von alleine öffnet. Eine gute Alternative stellen auch Sicherheitssteigbügel dar. Als Hilfszügel für das Gelände eignet sich nur das Martingal. Alle anderen dürfen nicht verwendet werden, da man an Bäumen, Büschen oder ähnlichem hängen bleiben kann. Als Beinschutz können Gamaschen angelegt werden, während Bandagen tabu sind. Letztere können sich lösen oder bei Regen oder einem Wasserdurchritt vollsaugen, was jetzt endlich eine große Gefahr darstellt.

4. Reite in der Gruppe aus und halte dich an die Regeln

Die wohl sicherste Variante des Ausreitens, ist ein Ausritt in der Gruppe oder wenigstens zu Zweit. Pferde sind nicht nur Bewegungstiere, sondern auch Herden- und Fluchttiere. In der Herde fühlen sie sich sicherer und insbesondere mit unruhigen, unerfahrenen oder jungen Pferden sollte ausschließlich in der Gruppe ausgeritten werden.

Beim Ausreiten in der Gruppe gibt es einige Regeln zu beachten, an die man sich halten muss. Dazu gehört beispielsweise, dass sich am schwächsten Reiter, orientiert wird. Wenn dieser einen Galopp ablehnt, dann muss dies von den anderen Reitern ohne Diskussionen akzeptiert werden. Es wird entweder hintereinander oder zu Zweit nebeneinander geritten, wobei vorne und hinten erfahrene Reiter mit ruhigen Pferden sein müssen. Wenn die Gangarten gewechselt werden, dann ist es sinnvoll, Handzeichen einzusetzen, damit es keine „Aufreitunfälle“ gibt. Galoppiert wird in der Regel hintereinander, damit sich die Pferde nicht gegenseitig motivieren und das Ganze in einem Wettrennen ausartet. Erfahrungsgemäß muss hier aber sehr stark die Individualität der Pferde im Auge behalten werden. Es gibt Pferde, die nicht hinten laufen und im Zweifel an der gesamten Gruppe vorbeiziehen. Solche Pferde müssen dann vorne gehen. Und last but not least, an Spaziergängern wird immer im Schritt vorbeigeritten und gegrüßt.

Bei fortgeschrittenen Reitern mit geländeerfahrenen und verkehrssicheren Pferden, spricht nichts gegen einen Ausritt alleine. Ich selber reite sehr gerne alleine aus, da ich so die Ruhe und die Zweisamkeit mit meinem Pferd voll und ganz genießen kann.

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(c) Lara Meiburg Photographie

5. Reite vorausschauend und verhalte dich richtig bei Unfällen

Als Reiter sind wir, ebenso wie Spaziergänger und Radfahrer, Gast in der Natur. Das bedeutet, man reitet auf den Wegen und nicht quer über die Wiese, durch Schonungen oder über Böschungen. Genauso fragt man den Bauern, ob man auf seinem Stoppelfeld reiten darf und Rapsfelder, auch wenn die Fotos noch so schön sind, sollten nicht betreten werden. Im Übrigen lassen sich auch vom Rand aus, wenn man sich in eine der Spuren stellt, tolle Fotos machen.

Während des gesamten Ausrittes sollte man immer vorausschauend sein, das Tempo den Wegverhältnissen anpassen und mögliche Gefahrenquellen im Blick haben. Wie bereits erwähnt sind Pferde Fluchttiere und auf einem Ausritt wird unser Pferd mit zahlreichen Eindrücken konfrontiert, die es vom heimischen Stall nicht kennt. Der gesamte Ausritt muss immer den vorherrschenden Wetterbedingungen angepasst werden. Sind die Wege sehr aufgeweicht und rutschig, dann wird Schritt geritten. Liegt Schnee, der dazu führt, dass es glatt ist, dann sollte man im Zweifel auf einen Ausritt verzichten.

Trotz guter Planung und vorausschauendem Reiten, können im Gelände auch Unfälle passieren. Im Falle eines Unfalls, ist es zunächst einmal wichtig nicht in Panik auszubrechen, sondern Ruhe zu bewahren und sich einen Überblick zu verschaffen. Jedem Reiter müssen die Grundzüge der Ersten Hilfe bekannt sein, um in solchen Fällen korrekt helfen zu können. Beim Absetzen eines Notrufs gelten auch hier die Regeln der 5 Ws: Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wie viele sind verletzt? Welche Verletzungen? Warten auf Rückfragen.

Im Falle eines Unfalls, muss jeder Reiter in der Lage sein, Hilfe zu holen. Deswegen muss auf jeden Ausritt das Handy mitgenommen werden. Dieses sollte nicht in der Satteltasche verschwinden, sondern am Reiter sein, damit dieser im Falle eines Sturzes und falls das Pferd wegläuft, das Handy auch noch hat, um Hilfe holen zu können. Im Herbst und Winter passt es in die Jackentasche, im Sommer und Frühling in Gürteltaschen, spezielle Ausreittäschen oder Oberarmtaschen.


Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit DJUVA – Just in Case.

Über DJUVA:

Ich gehe sehr oft alleine ausreiten und das schlimmste was passieren kann, ist ein Sturz mit folgender Bewusstlosigkeit. Ich persönlich möchte so etwas zwar nie erleben, aber das es mal passieren könnte, kann ich natürlich nicht ausschließen. Wie schön wäre es dann, wenn derjenige, der mich findet, gleich weiß, wer ich bin und wen er um Hilfe rufen kann. Das dänische Unternehmen DJUVA produziert ID Armbänder, die nicht nur cool aussehen, sondern mit einem Text eurer Wahl graviert werden. Auf meinem ID Armband stehen mein Name, Björns Handynummer sowie der Stall und die Telefonnummer. Das Armband ist keineswegs störend oder belastend beim Ausreiten und auch wenn ich mir wünsche, nie in diese Situation zu kommen, dann trage ich zumindest die wichtigsten Telefonnummern am Handgelenk bei mir.

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