Was heißt das eigentlich? Die Hinterhufe treten mindestens in die Spur der Vorderhufe, es wird vermehrt Last aufgenommen, es erfolgt ein deutliches Abstoßen vom Boden und all das resultiert in einer Bergaufbewegung.

Tritt das Pferd nicht unter, also ist die Hinterhand nicht aktiv, dann kann es auch nicht den Rücken aufwölben. Es läuft folglich ohne Spannung, ohne Schwung und auf der Vorhand. Immer wieder sehe ich Bilder oder Videoaufnahmen von Reitern, die ihr Pferd über den Zügel „nach unten“ ziehen. Mit „rund“ und über den Rücken reiten hat dies reichlich wenig zu tun.

Wird die Hinterhand aktiviert, so wölbt das Pferd von ganz alleine den Rücken auf und durch die vermehrte Lastaufnahme richtet sich das Pferd ganz automatisch auf.IMG_4293

Warum brauchen wir eine aktive Hinterhand?

Rein anatomisch gesehen sind Pferde keine Lastenträger. das bedeutet, dass wir als Reiter eigentlich nicht auf ihren Rücken gehören. Reiten wir unser Pferd über lange Zeit mit weggedrücktem Rücken und „ziehen“ den Hals nach unten, dann kann dies zu Rückenschmerzen beim Pferd führen. Und jeder, der schon mal Rückenschmerzen hatte, weiß, wie unangenehm das ist! Deswegen ist es die Pflicht eines jeden Reiters, an der aktiven Hinterhand zu arbeiten, damit unser Pferd auf lange Sicht gesund bleibt.

Ob ein Pferd korrekt über den Rücken und mit aktiver Hinterhand geritten wird, kann man auch sehr gut an der Bemuskelung sehen. Pferde, die nicht über den Rücken geritten werden, haben oft eine schlecht entwickelte Hals- und Oberschenkelmuskulatur. Die Muskulatur ist bei Pferden mit aktiver Hinterhand in der Regel sehr gut ausgebildet ist.

Außerdem kommt noch dazu, dass viele immer sagen, ich kann mein Pferd so schlecht sitzen. Das gilt vielleicht nicht für alle Pferde, aber die meisten Reiter können ihr Pferd einfach nur nicht richtig sitzen, weil das Pferd nicht im Rücken mitschwingt. Pferde, die über den Rücken gehen, nehmen den Reiter automatisch in der Bewegung mit.

Welche Übungen eignen sich?

Übergänge, sowohl von Gangart zu Gangart, als auch innerhalb dieser, sind unumgänglich und extrem wichtig um die Hinterhand aktiv zu bekommen, da hier das Pferd immer wieder neu antreten muss. Je nach Ausbildungsstand des Pferdes können Schritt-Trab, Trab-Schritt oder auch Schritt-Galopp, Galopp-Schritt Übergänge geritten werden.

Innerhalb einer Gangart, kann man kurz zulegen und das Pferd wieder einfangen. Dabei geht es nicht darum „schneller“ zu werden, sondern die Tritte sollen raumgreifender werden und das Pferd soll an das Gebiss herantreten. Ebenso wird das Pferd nicht wieder eingefangen, in dem man am Zügel zieht, sondern durch ein vermehrtes einsitzen, wobei die Zügelhilfe lediglich unterstützend wirkt. Das Zulegen kann man auch sehr gut im Gelände üben. Besonders eignet sich ein kleiner Berg, an dem das Pferd mal richtig schön antreten muss. Generell ist bergauf und -ab reiten im Gelände sehr förderlich für die Hinterhand.

Sehr gut eignen sich auch jegliche Art von Seitengängen (Schulterherein, Travers, Renvers und Traversalen), weil hier allein durch die Lektion, das Pferd etwas versammelter läuft und dadurch folglich die Hinterhand aktiv ist. Wer jetzt denkt, ach das brauch ich nicht, ich werde eh nie M reiten, der liegt falsch, denn die Seitengänge fördern auch die Durchlässigkeit und das Geraderichten. Natürlich müssen auch diese Übungen dem Ausbildungsstand des Pferdes angepasst sein.

Ebenfalls eine sehr gute Übung ist das Rückwärtsrichten, und daraus wieder anreiten. Auch hier wieder, je nach Ausbildungsstand des Pferdes, kann das Anreiten im Trab oder sogar Galopp erfolgen.

Absolut förderlich sind jegliche Art von Trabstangen und Cavalettis, die meiner Meinung nach sowieso viel zu selten in das Dressurtraining mit eingebaut werden. Durch das „Hindernis“ muss das Pferd automatisch höher abfußen, und folglich mehr Last aufnehmen. Noch besser ist dann die Springgymnastik, wobei es nicht darum geht sehr hoch zu springen, sondern einzelne Sprünge oder Gymnastikreihen, wo sich das Pferd zwangsläufig mit der Hinterhand abstoßen muss, um den Sprung zu überwinden.

Keks und seine aktive Hinterhand

Bei Keks ist es mal so und mal so. Manchmal geht er richtig schön rund, man merkt deutlich die Bergaufbewegung und dann gibt es wieder Tage, wo er den Rücken nicht aufmacht. Ganz generell kann das natürlich mehrere Ursachen haben, wie z.B. ein nicht passender Sattel, Schmerzen, Aufregung oder Angst, aber häufig sind es doch die Fehler des Reiters oder ein störender Reitersitz, was auch bei mir der Fall ist.

Ich nutzte eigentlich alle oben beschriebenen Übungen, wobei das Zulegen am Berg im Gelände mein absoluter Favorit ist. In der Lösungsphase reite ich sehr viele Übergänge und später in der Arbeitsphase auch viele Seitengänge. Mit Trabstangen und Cavalettis arbeite ich total gerne, aber ich muss zugeben, auch ich benutzte sie viel zu selten. Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, dann kann ich aber sagen, dass die Verbesserung auf jeden Fall da ist! Es geht langsam und stetig bergauf! Im wahrsten Sinne des Wortes…

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