Zugegebermaßen stand das Springtraining in diesen Sommer nicht ganz so im Fokus wie noch im vergangenen Jahr. Das hat irgendwo auch damit zu tun, dass ich zwar unheimlich gerne springe, Keks seine Stärken aber eindeutig in der Dressur liegen. Mein Ziel war es ihn auf A-Niveau zu bekommen und das habe ich geschafft. Durch den Wechsel in die LK5 in der Dressur, durfte ich L reiten und das war immer das was ich gerne wollte. Nach vielen Dressurturnieren im Sommer, hatte ich in Massenhausen endlich mal wieder zwei Springprüfungen gemeldet. Springerfahrung im Bereich der WBO Turniere hatten wir bereits, nun ging es das erste Mal auf ein LPO Turnier.

Dressurreiter machen das ohne Parcourbegehung

Um halb acht kamen wir auf dem Turnierplatz an und um acht startete die erste Prüfung. Ich war achter Starter und somit lagen wir gut in der Zeit. Dachte ich. Bis ich realisierte, dass wir nicht bei der Dressur sind und eine Parcourbegehung vielleicht sinnvoll wäre. Gewesen wäre. Denn als ich auf dem Abreiteplatz ankam, war es nicht mehr möglich den Parcour zu besichtigen. So ein Missgeschick, kann auch nur einem Dressurreiter passieren, der sein Viereck nicht besichtigen muss. Da sich das nun ohnehin nicht mehr ändern lies, schaute ich den ersten beiden Reitern zu und versuchte mir den Weg zu merken.

Auf dem Abreiteplatz trabte und galoppierte ich ein bisschen, nahm den Steilsprung von der linken und rechten Hand und dann den Oxer. Keks fand den Oxer aus mir nicht ersichtlichen Gründen blöd und schlug kurz vorher einen Haken um vorbeizulaufen. Ohne zu Zögern und mit dem festen Willen auf der anderen Seite landen zu wollen, ritt ich ein zweites Mal an. Er sprang. Das Thema Oxer war demnach geklärt und kurz darauf waren wir auch schon an der Reihe.

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Die erste Prüfung bin ich geritten

Die erste Prüfung war ein E Stilspringen mit Standardanforderungen. Das bedeutet, man reitet vor oder auch während des Parcours dressurmäßige Aufgaben. In meiner Prüfung musste ich an einem vorgegebenen Punkt Halten und Grüßen, danach antraben und leichttraben, um einen Oxer eine Volte im Aussitzen reiten um dann anzugaloppieren und den Parcour zu reiten. So ging es in einem frischen Galopp auf Sprung 1. Zwischen Sprung 1 und 2 waren wir im Außengalopp, ein an sich nicht schlimmer Fehler, wenn man es korrigiert. Ich war aber so sehr mit mir und meiner Aufregung beschäftigt, dass ich es nicht merkte und demzufolge auch nicht korrigierte. Bis auf diesen Patzer war ich am Ende echt zufrieden und vor allem, ich bin geritten, wodurch die Distanzen und auch die Kombination passte. Das ganze wurde am Ende mit einer 7,8 und einem 2. Platz belohnt.

Kurz vor der Ehrenrunde kam meine Erinnerungen an Au, wo Keks mir durchgegangen ist, zurück und mir rutschte das Herz in die Hose. Da einfach Herausreiten bevor die Ehrenrunde beginnt, für mich keine Option ist, versuchte ich ruhig zu bleiben. Die Musik ertönte, wir galoppierten an und Keks blieb ruhig. Mir fiel die gesamte Anspannung ab und ich genoss es, in vollen Zügen über die Wiese zu galoppieren. Ein zweiter Platz in unserem ersten offiziellen E Springen!

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Bei der zweiten Prüfung war ich auch dabei, nur nicht als Reiter

Unmittelbar danach gab es die Parcourbegehung für das E Stilspringen. Diesmal war ich dabei und lief all den anderen schwarz-weißen Pinguinen fröhlich hinterher. Die einen zählten Schritte, die anderen diskutierten über die Wege und ich ließ mir „profimäßig“ die letzten Tipps von meinem Trainer geben. Und nein, ich fahre nicht mit meinem Trainer auf ein Turnier, sondern wir haben uns hier durch Zufall getroffen, aber wenn ich die Möglichkeit habe Tipps zu bekommen, dann nutzte ich diese natürlich auch.

Aus irgendwelchen Gründen, die mir bis heute nicht ganz klar sind, bin ich in die zweite Prüfung deutlich nervöser eingeritten. Ich hielt, grüßte und ritt los. Zum ersten Sprung wählte ich einen großen Bogen um theoretisch in einem schönen, frischen Galopp anreiten zu können. Den großen Bogen ritt ich, ansonsten tat ich nichts weiter, als im Sattel zu sitzen und Keks machen zu lassen. Keks ist kein Pferd, welches von alleine mit großer Galoppade vorwärts geht und so hoppelten wir in einem gemütlichen Schweinsgalopp auf Sprung 1 zu. Es passte natürlich nicht und Keks machte noch einen Minigaloppsprung bevor er absprang. Das ganze zog sich dann leider so weiter. Das Grundtempo war zu niedrig, dadurch passten die Distanzen nicht, ich wurde unsicher, er wurde unsicher. In der Kombination kam es dann fast zum Dilemma. Wir sind zwar gut reingekommen, aber durch das zu niedrige Grundtempo, passte es natürlich nicht. Keks stockte und rettete uns dann, indem er groß raussprang. Nach der Kombination war ich dann aufgerüttelt und ich ritt wenigstens streckenweise etwas mehr vorwärts. Die letzten Sprünge waren dann passend und aus meiner Sicht, die besten vom ganzen Parcour.

Früher blieb er stehen, heute ist er gesprungen

Am Ende war es eine Grundnote von 7,3 mit 0,5 Abzug für den Abwurf, was eine logische Konsequenz unseres Schweinsgalopps war. Unglaublicherweise reichte das für eine Platzierung. Dennoch hielt sich meine Freude in Grenzen, weil ich einfach nicht gut geritten bin. Alle Fehler in diesem Parcour gehen komplett auf mich. Wenn ich eines in den letzten Jahren gelernt habe, dann das Keks meine Unterstützung braucht und wir nur so als Team stark sein können. In der zweiten Prüfung habe ich ihn komplett im Stich gelassen, weil ich nur oben drauf gesessen bin, aber das Reiten mal wieder vergessen habe. In der Kombination hat er uns gerettet und ich bin unglaublich stolz auf ihn. Früher wäre er stehen geblieben, heute ist er gesprungen, auch ohne meine klare Anweisung.

Kommentierte Prüfungen & Follow me around

Ein riesiges Dankeschön an Lara fürs mitkommen und filmen und an Melanie Sebastian für die schönen Fotos!

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