Nachdem ich im Januar und im Mai die Reitabzeichen gemacht habe, war klar, dass der erste Start in Dressurprüfungen der Klasse L nicht lange auf sich warten lassen wird. Es war immer mein Ziel die Reitabzeichen zu machen und dann schnellstmöglich in der Dressur die Leistungsklasse 5 zu erreichen um in der Klasse L starten zu können. Nach meinem Sieg in Geisenhausen hatte ich schon vor der Prüfung zum RA4 die Voraussetzungen für die LK5 erfüllt und so wechselte ich direkt nach der Prüfung von LK6 in die LK5.

Der Weg in die Klasse L musste erfolgen

Danach überlegte ich wann und wo mein erster Start in der Klasse L stattfinden sollte. Gab es den perfekten Zeitpunkt? Das perfekte Turnier für den Klassenaufstieg? Ich zog es auch in Erwägung dieses Jahr in der Klasse A zu bleiben und dann erst im kommenden Jahr die L in Angriff zu nehmen.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich nach einer erneuten A-Platzierung fast genötigt fühlte in die Klasse L zu wechseln. Aus sportlicher Sicht hatte ich das Gefühl in A „Platz schaffen“ zu müssen. Ich war so oft platziert und habe immer Protokolle bekommen, an denen man nichts aussetzen konnte, warum also anderen Reitern, die sich in A erst noch beweisen müssen den Platz wegnehmen? Ich finde man sollte seinem Können entsprechend starten und so kam ich beispielsweise auch nie auf die Idee eine E-Dressur zu melden. Die einzige E, die ich mit Keks je geritten bin, war die verlangte Dressurreiter E beim Reitabzeichen. Ich würde es den anderen Reitern gegenüber sogar als unfair empfinden, wenn ich in E gestartet wäre, auch wenn es das Reglement erlaubt.

Noch dazu kam meine verloren gegangene Motivation für die Dressur. Die Protokolle aus den A-Dressuren waren weitestgehend positiv und mir fehlte der Anreiz an etwas neuem zu arbeiten. Der Weg in die Klasse L musste also erfolgen, aus rein sportlicher, aber auch persönlicher Sicht!

Obermünchen_3

 

Die erste L-Dressur

Nach langem Überlegen und der Erkenntnis, dass es den perfekten Zeitpunkt nicht gibt, entschied ich meine erste L-Dressur Mitte Juli in Obermünchen zu reiten. Für mich ist das Turnier in Obermünchen etwas ganz besonderes, denn hier ist Keks vor zwei Jahren sein erstes Turnier mit mir gelaufen. Ich werde nie vergessen wie er sich damals noch aufgeführt hat, wir fast nach Hause gefahren wären und ich am Ende Freudentränen vergossen habe.

Ausgeschrieben war die L2, eine offene Prüfung, was bedeutete, dass alle Reiter, inklusive die Profis, zugelassen waren. Im Laufe des Trainings wurde mir immer mehr bewusst, welch großer Schritt es doch ist von A nach L zu kommen. Wir arbeiteten an der Versammlung und am Mitteltrab, ich bekam einen Knoten im Kopf bei der Kurzkehrt und haderte mit meinem Sitz. Eines war klar: Schön aussehen reicht jetzt nicht mehr, da spätestens bei den versammelnden Lektionen sämtliche Schwächen sichtbar wurden.

Ich selber kenne unsere Schwächen natürlich besser als jeder andere. Für das Turnier selber hatte ich nur das Ziel eine angemessene Prüfung zu reiten und die magische 5,0 zu erreichen. Außerdem rechnete ich damit, in der Ergebnisliste irgendwo am Ende zu landen. Schlussendlich gab es für uns eine 5,8, womit wir im Mittelfeld landeten und ich war mehr als zufrieden mit unserer ersten L-Dressur!

Noch viel mehr freute ich mich über das ausführliche Protokoll, welches man in der Klasse L bekommt. Hier standen nun alle unsere Schwächen schwarz auf weiß und ich bin noch nie nach einem Turnier so motiviert nach Hause gefahren. Ich hatte richtig Lust unsere Schwächen in Angriff zu nehmen, an meinem Sitz zu arbeiten, an den Lektionen zu feilen, um dann im nächsten Jahr eine Platzierung in der Klasse L mit nach Hause zu nehmen. Ja, richtig gelesen! Vor zwei Wochen habe ich noch von einer Platzierung im nächsten Jahr gesprochen.

Auf zum zweiten Streich

Da Turniere immer zeitig gemeldet werden müssen, stand die nächste L bereits zwei Wochen später, Ende Juli, an. Es war die L3, die ich anfangs gar nicht so schön zum Reiten fand. Noch dazu kam, dass meine To Do Liste nun sehr lang ist! Wir müssen am Mitteltrab und an der Versammlung arbeiten. Die Hinterhand muss noch viel aktiver werden, die einfachen Galoppwechsel müssen besser werden und mein Sitz viel geschmeidiger. All das sind Dinge, die sich nicht innerhalb von zwei Wochen lösen lassen und ich überlegte sogar nicht zu starten.

Ich ging zwei Wochen lang viel ausreiten, nahm am Springunterricht und Gauditurnier teil und schickte Keks einmal in den Beritt bei meiner Trainerin. Nach der letzten Dressurstunde, entschied ich zu fahren, aber eher um weiter Erfahrungen zu sammeln. Da meine Vorbereitung diesmal gar nicht aus sonderlich viel Dressur reiten bestand, schaute ich mir nochmal das Video meiner ersten L an, las das Protokoll und versuchte die Stellen zu finden, die wir nicht so gut gemacht haben, aber eigentlich besser können.

Ich muss mich verhört haben

Die Prüfung begann um 7:30 Uhr und während der normale Mensch sich am Sonntagmorgen noch einmal umdreht, stand ich um 5:30 Uhr im Stall und flocht Keks ein. Um kurz nach sieben fuhren wir los. Ich war eine der letzten Starter in der Prüfung, so dass wir zeitlich voll im Rahmen lagen. Auf dem Abreiteplatz hatte ich ein ganz gutes Gefühl, mit dem ich dann auch in die Prüfung einritt. In der Prüfung fokussierte ich mich komplett darauf, die Sachen die wir gut können auch dementsprechend zu zeigen. Die Patzer, die in Obermünchen noch passiert waren, konnte ich jetzt beheben und so war beispielsweise der Galopp gerade, die Kehrtvolte nicht traverartig und der Mittlelschritt schön schreitend.

Mit der Hoffnung vielleicht einen Tick besser als 5,8 zu sein, verließ ich das Viereck. Dann ertönte über den Lautsprecher „…7,1…“. Ich muss mich verhört haben, schoss es mir durch den Kopf. „Das kann nicht sein. Die müssen sich versprochen haben!“, sagte ich zu der einen einzelnen Frau am Vorbereitungsplatz. Die verwies mich mit strenger Stimme direkt auf den Abreiteplatz, ihre Tochter muss sich jetzt konzentrieren. Pardon, dachte ich mir, aber nun ja, übermotivierte Eltern trifft man wohl leider auf jedem Turnier.

Zwei Starter kamen noch nach mir und am Ende wurde das unglaubliche wahr! Wir landeten auf dem 3. Platz in unserer gerade mal zweiten L-Dressur. Zum ersten Mal bekam ich Blümchen, Gänsehaut in der Ehrenrunde und ein dickes Grinsen zierte den Rest des Tages mein Gesicht.

War das wirklich passiert?

Ja, es war! Wir haben den Sprung von A nach L erfolgreich gemeistert!


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