Was passiert denn heute? Sie war doch heute morgen schon da und wir waren schön ausreiten. Also ich fand’s schön, sie wohl nicht so. Hat mir vorgeworfen, ich sei so aufgeregt gewesen und habe mich daneben benommen. Dabei hat sie überhaupt nicht verstanden, dass mich das Schaf am Wegesrand beleidigt hat. Es hat gesagt, meine Wolle wäre nicht so schön, meine Ohren zu klein und überhaupt sehe ich ganz komisch aus. Da war ich dann echt sauer. Und bin halt mal kurz gestiegen. Nur kurz. Und nicht hoch. Und nur ein bisschen. Dann war sie allerdings ziemlich sauer auf mich. Dabei hat sie gar nicht verstanden, wie mich dieses Schaf gekränkt hat. Sie hat mich dann mit der Gerte gepiekst und weil ich das ziemlich blöd finde, habe ich mich dann entschlossen weiterzugehen. Den Rest des Weges blieb ich sehr wachsam, man weiß ja nie was noch kommt. Sicherheitshalber bin ich an der ein oder anderen Stelle mal zur Seite gesprungen. Wie gesagt, man kann ja nie wissen! Sie war allerdings der Meinung ich sei hypernervös… Dabei war ich nur wachsam und bereit die Flucht anzutreten. Unter uns gesagt, sie ist nun wirklich nicht in der Lage zu beurteilen, was gefährlich ist und was nicht.

Das war nun unser morgendlicher Ausritt. Danach war ich mit meinen Freunden auf der Koppel. Nun bin ich gerade von der Koppel hereingekommen und wollte ein Nickerchen machen. Und wer steht vor mir? Sie! Sie legt mir ein Halfter an und fängt an mich zu putzen. Oh weia, was hat sie nur vor? Wir waren doch schon ausreiten! Noch bilde ich mir fest ein, dass sie mich nur putzt. Aus Liebe. Oder so.

Aber dann geschieht das unfassbare! Sie kommt mit dem Sattel um die Ecke! Das ist jetzt nicht ihr Ernst? Ich bin müde. Ich will jetzt ein Nickerchen machen. Und danach Heu fressen und nebenbei mit Ifor, der steht gegenüber, den neusten Klatsch und Tratsch austauschen. Boa, sie hat den Sattel echt auf meinen Rücken gelegt und den Gurt fest gemacht. Und noch schlimmer, es ist der Springsattel. Sie will Springen!? Jetzt? Anscheinend. Nun kommt sie auch noch mit der Trense. Ich hab verloren.

Lustlos stapfe ich ihr hinterher. Wir gehen in die Halle. Was ist heute nur los? Nicht nur ich gehe in die Halle, sondern all meine Freunde mit ihren Menschen auch. Was machen wir nur? Jetzt war ich neugierig! Und dann sah ich es. Ein Ungeheuer! In unserer Reithalle. Warum unternahm niemand etwas? Sie zog mich auf das Ding zu und – oh weia. Ich blieb lieber stehen. An mir vorbei ging Whisky. Der muss ja lebensmüde sein. Er steuerte direkt auf das Ungeheuer zu. Er ging sogar drüber, blieb dabei irgendwie hängen und es bewegte sich. Ich hab’s gewusst – es ist lebensgefährlich. Ich entschied mich kurz für den Rückwärtsgang. Sie an meinen Zügel, zog ich einfach hinterher. „Ach Keks, stell dich nicht so an.“, meinte sie. Wie bitte? Ich soll mich nicht so anstellen? Das ist wieder mal typisch sie. Sie kann in solchen Situationen die Gefahr überhaupt nicht einschätzen. Ich aber schon!

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Dann liefen wir hinter Whisky her, im Kreis. Ich beruhigte mich und das war nicht gut. Das Ding war plötzlich vor mir. Wo war Whisky hin? Auf der anderen Seite. Das Ding zwischen uns. Na toll. Sie redete auf mich ein. Also, gut. Ich nahm mein Pferdeherz in die Hufe und ging drüber. Sie freute sich danach ganz arg und daraufhin freute ich mich. So einfach kann man Menschen glücklich machen.

Kurz darauf saß sie im Sattel. Wir liefen ein paar Runden im Schritt, immer an dem Ding vorbei. Wenigstens bewegte es sich jetzt nicht mehr. Danach trabten wir ein bisschen und stellten uns dann zu den anderen Pferden. Wir warten. Worauf? Keine Ahnung. Als vor uns keiner mehr von den anderen war, trieb sie mich zum Trab an. Ich trabte um die Kurve und wir nahmen Fahrt auf. Genau auf das Ding zu. Äh, ne! Das ist jetzt nicht ihr Ernst. Ich wollte nach links, ging nicht. Dann versuchte ich es mit rechts, ging auch nicht. Sie berührte mich mit der Gerte an meinen Po. Es war wirklich nur ein berühren, aber ich weiß, dass es keine Diskussionen gibt, wenn sie das macht. Das Ding kam näher. Ich hatte keine Chance mehr. Anhalten? Ja, ich versuche es mit anhalten. Sie berührte mich nochmal mit dem Ding. Ich bin verloren! Augen zu und drüber! Aus dem Stand. Augen vorsichtig wieder aufmachen. Wo bin ich? Auf der anderen Seite von dem Ding. Sie flippt gerade aus vor Freude.

Sie ist manchmal echt anstrengend und will da noch ein paar Mal drüber. Ich gebe zu, es ist nicht gar nicht so schlimm. Eigentlich ist es sogar voll einfach. Es sieht nur furchtbar aus. Sie freut sich nach jedem Sprung und ich freue mich am Ende über ganz viele Streicheleinheiten und Möhren! Naja, und das ich noch am Leben bin.

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