Distanzen. Beim Springen redet jeder von ihnen. Bei dem einen hat es gepasst, der andere hat sich vermetert und der nächste behauptet: „Die Distanz war passend. Der Sprung stand falsch.“ Doch worum geht es dabei eigentlich? Und wie lerne ich, Distanzen zu sehen? Auch wenn ihr mir jetzt nicht glaubt, aber letzteres, ist eine reine Übungssache. Ich war früher komplett blind für Distanzen, heute behaupte ich, ein bisschen mehr den Blick für sie zu haben. Natürlich gibt es auch bei mir Situationen, in denen ich rein gar nichts sehe und mich mehr oder weniger auf mein Pferd verlasse. Aber das, was früher nie klappte, wird durch regelmäßigen Unterricht, verschiedene Übungen und letzten Endes durch die Erfahrung, immer besser.

Was sind Distanzen?

Als Distanz bezeichnet man den Abstand zwischen zwei Hindernissen, wenn es drei, vier, fünf oder sechs Galoppsprünge sind. Bei allen Abständen, für die man mehr als sechs Galoppsprünge braucht, spricht man von Einzelsprüngen. Hindernisse, zwischen denen man nur ein oder zwei Galoppsprünge reitet, heißen Kombinationen und sind auf dem Turnier mit „A“ und „B“ oder sogar „C“ gekennzeichnet. Kurz, sagt man auch die Zwei- oder Dreifache.

Merke: Distanzen sind die Abstände zwischen den Sprüngen mit drei bis sechs Galoppsprüngen.

Für Distanzen gibt es festgelegte Abstände, wobei diese durchaus variieren können. Insbesondere in Springprüfungen ab der Klasse L, werden die Distanzen nicht mehr, wie in einem Lehrbuch, passend aufgebaut. Als Reiter muss ich dann wissen, ob mein Pferd eher eine große oder kleine Galoppade hat und demnach entscheiden, auf wie viele Galoppsprünge und in welchem Tempo, mehr vorwärts oder eher etwas verhaltener, ich reite. Außerdem spielt natürlich die Größe des Pferdes eine wesentliche Rolle. Ein Pony hat beispielsweise eine ganz andere Galoppade wie ein Großpferd. Dies ist auch der Grund, weshalb es den sogenannten „Ponyausgleich“ auf dem Turnier gibt. Aber auch zwischen Großpferden gibt es beträchtliche Unterschiede. Als Reiter kennt man sein Pferd am besten und kann in der Regel ganz gut einschätzen, wie man die Distanz reiten muss, um passend hinzukommen.

Die groben Maße für Distanzen in einem E/A Springen (laut FN Richtlinien Band 1*):

  • drei Galoppsprünge: ca. 14,00 m
  • vier Galoppsprünge: ca. 17,50 – 18,50 m
  • fünf Galoppsprünge: ca. 21,00 – 22,00 m
  • sechs Galoppsprünge: ca. 24,50 – 25,50 m

Nachmessen, statt schätzen

Am Anfang ist es sehr sinnvoll die Distanzen mit einem Maßband abzumessen. Häufig sieht man die Profis durch den Parcour laufen und Schritte zählen, aber das lässt sich nicht so einfach übertragen. Nur die wenigsten von uns wissen, wie groß ihr Schritt sein muss, um einen Meter zu erhalten. Deswegen sollten die Abstände immer nachgemessen und im Anschluss die Distanzen auch abgegangen werden, um ein Gefühl für die eigenen Schritte zu bekommen.

Im folgenden zeige ich euch einen Aufbau mit vier Sprüngen und verschiedenen Variationen aus meinem eigenen Training. Wir haben nur Steilsprünge und Kreuze aufgebaut, aber natürlich kann man auch Oxer oder Cavalettis aufbauen. Uns ging es hier weder um die Höhe, noch die Weite, sondern um die Rittigkeit, den Rhytmus und die passende Anzahl an Galoppsprüngen. Alle Sprünge waren mit einer schräg unter dem Sprung liegenden Bodenstange versehen, so dass man die Sprünge von beiden Seiten anreiten konnte.

Distanzen auf gerader Linie

Distanzen auf geraden Linien sind meist einfacher zu reiten als solche auf gebogenen Linien. Der erste Sprung wird gerade angeritten, so dass der Blick bereits auf Sprung 2 geht und man diese Richtung auch beibehält.

Tipp: Die Galoppsprünge laut mitzählen um das Rhythmusgefühl zu stärken und das eigene Auge zu schulen.

Distanz_1

Distanzen auf gebogener Linie

Im Vergleich zu Distanzen auf gerader Linie, wird der erste Sprung hier schon anders angeritten. Man kommt etwas früher rein und bekommt so eine leichte Rechtsbiegung, die den Blick des Pferdes bereits auf Sprung 2 richtet. Distanzen auf gebogenen Linien können immer unterschiedlich geritten werden. Reitet man in einem größeren Bogen, dann ist die reine Meterzahl natürlich größer, als wenn man mehr innen, auf kleinerem Bogen reitet.

Tipp: Probiert ruhig mal eine unterschiedliche Linienführung aus, bedenkt dabei aber, dass sich die reine Wegstrecke verlängert bzw. verringert, ihr also auch den Galopp bzw. die Anzahl der Galoppsprünge anpassen müsst.

Distanz_2

Distanz_3

Variationen innerhalb von Distanzen

Zu den klassischen Übungen innerhalb von Distanzen, gehört die Veränderung der Zahl der Galoppsprünge. Das klingt immer sehr einfach, aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass es gar nicht so einfach ist. Die Voraussetzung für derartige Übungen ist ein an den Hilfen stehendes, durchlässiges Pferd. Spätestens hier macht sich dann auch die dressurmäßige Ausbildung des Springpferdes bemerkbar und zu Recht heißt es, dass zwischen den Sprüngen Dressur geritten wird.

Nehmen wir mal die gerade Distanz als Beispiel. Durch ein vermehrtes Treiben und dem daraus resultierendem, größeren Galoppsprung, kann die Distanz statt auf vier auch auf drei Galoppsprünge geritten werden. Umgekehrt, kann man natürlich auch auf fünf Galoppsprünge reiten, in dem das Pferd nach dem Landen vermehrt aufgenommen und dadurch der Galoppsprung versammelter wird.

Auf gebogenen Linien kann die Anzahl der Galoppsprünge bereits durch den Weg, den man reitet verändert werden. Wird die Linie enger gewählt, kann ein Galoppsprung weniger geritten werden und wird sie größer gewählt, ist es ein Galoppsprung mehr.

Merke: Ein Springpferd ist nur so gut wie seine dressurmäßige Ausbildung.


Ich hoffe ich konnte euch mit diesem Beitrag das Reiten von Distanzen etwas näher bringen. Ich möchte euch aber trotzdem darauf hinweisen, dass dieser Beitrag natürlich nicht den Reitunterricht ersetzt.

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