Das Turnier in Giesenbach fand bereits Anfang September statt und war gleichzeitig mein Saisonabschluss. Ich blicke auf eine herausragende Turniersaison zurück, freue mich über jedes einzelne Ergebnis und hätte nie damit gerechnet, so erfolgreich zu sein. Nun freue ich mich umso mehr auf die Winterarbeit, denn durch meine ersten L Starts, habe ich nun wieder genügend Aufgaben und Ziele an denen wir arbeiten werden.

Verfolgt von einem Dressurkracher

In Giesenbach hatte ich mit einer A** und einer L Dressur zwei Prüfungen gemeldet. Es war mein erster Start in einer A** Dressur und angesichts der Tatsache, dass es eine offene Prüfung war, machte ich mir keine Hoffnungen auf eine Platzierung. Im direkten Vorbereitungsviereck, sah ich dann auch wer mit uns zusammen in einer Abteilung reiten würde. Was für ein Kracher von Pferd! Dieses Pferd hatte einen unglaublichen Trab und mir war sofort klar, dass wir mit diesem nicht mithalten konnten.

Im Viereck selbst oder besser gesagt in der Halle, war bei B eine Tür, an der mehrere Pferde scheuten. Ich ritt an dieser Tür direkt einmal vorbei und alles war gut. Die andere Reiterin fragte mich, ob ich nochmal an der Tür vorreiten könnte, da ihr Pferd recht jung war und dort scheute. Na klar! Blöderweise tat ich mir selber damit keinen Gefallen. Je öfter es an der Tür vorbei ging, umso mehr war Keks der festen Überzeugung, dass die Stelle gefährlich sein muss. In der Prüfung bekam ich dann die Quittung und Keks sprang an der Tür weg. Nichtsdestotrotz würde ich es genauso wieder machen. Ich finde es einfach nur fair anderen Reitern mit jungen Pferden in derartigen Situationen zu helfen.

In der Prüfung ritt ich vorne, was nicht ganz so ideal war, da das andere Pferd definitiv die schwungvolleren und raumgreifenderen Gänge hatte. Teilweise ritt die Reiterin mir sehr dicht auf, was dazu führte, dass Keks unsicher und klemmig wurde. Im Großen und Ganzen war unsere Vorstellung zwar in Ordnung, aber ich selber hatte wieder einmal das Gefühl, nicht unser volles Können gezeigt zu haben. Die Richter gaben Keks und mir eine 6,3 und das reichte am Ende für den 5.Platz!

Wir landen tatsächlich in der Reserve

In der L Dressur war ich fünfte Starterin und hatte nach der Siegerehrung von der A Dressur nicht viel Vorbereitungszeit, zumal die Abreitehalle auch nicht gleich neben der Prüfungshalle war. Als ich in die Prüfung einritt hatte ich ein gutes Gefühl. Keks war wesentlich lockerer als in der A und somit konnten wir die verlangten Lektionen, insbesondere die Tempiwechsel, deutlich besser zeigen.

Am Ende war ich zufrieden. Natürlich ist mir durchaus bewusst, dass uns noch jede Menge Arbeit bevor steht um die Lektionen wirklich perfekt zu zeigen – und am Ende wird es nie perfekt sein. Teilweise mache ich zu viel mit der Hand, teilweise fehlt mein Schenkel. All das sind die Dinge, die nun über den Winter in Angriff genommen werden sollen. Ich bekam eine 5,6 und musste kurz schlucken, da ich mich eher im unteren 6er Bereich gesehen hätte. Wir brachten Keks zum Hänger, wo er Heu fressen konnte und wir selber gingen Frühstück essen. Oder besser gesagt Mittag.

Kurz bevor wir nach Hause fahren wollten, warf ich noch einen Blick auf die derzeitige Ergebnisliste der L Dressur und war fast schockiert. Die Richter bewerteten unglaublich weit unten und es gab zahlreiche 4er und sogar 3er Noten. Ich zählte kurz durch und war zu dem Zeitpunkt auf dem 7.Platz. Damit hätte ich nie im Leben gerechnet und so gingen wir zurück zur Prüfungshalle, ohne Pferd. Wir schauten uns die letzten drei Reiter an, die wirklich eine tolle Prüfung ritten und auch entsprechend bewertet wurden.

Am Ende waren es tatsächlich die letzten Reiter, die mich aus der Platzierung geworfen haben. Dennoch empfinde ich diesen Reserveplatz keineswegs als undankbar. Ich bin nach wie vor unheimlich stolz darauf den Schritt von A nach L nahezu problemlos geschafft zu haben und es spielt keine Rolle ob ich platziert bin oder nicht. Meine Angst war es immer, nicht mit den anderen mithalten zu können. In der L unterzugehen. Dies ist definitiv nicht der Fall und das macht mich einfach nur stolz und glücklich!


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