…oder auch Turnierbericht Giesenbach. Ich hatte ein E-Stilspringen und einen Jump & Run gemeldet. Neben den normalen Turnieren und Prüfungen, liebe ich bekanntermaßen alles was Spaß macht und es war klar, dass ich früher oder später einen Jump & Run melden würde. Am Ende kam es, wie so oft in meinem Leben, anders als geplant.

Dann starten wir eben beide mit Keks

Es war das erste Turnier zu dem nicht nur ich aufbrechen wollte, sondern noch zwei andere Reiterinnen aus unserem Stall. Für mich war das etwas ganz besonderes! Meistens fahre ich alleine und ich freute mich total sozusagen als Team an den Start zu gehen. Natürlich reitet jeder für sich, aber zusammen auf einem Turnier zu sein und Spaß zu haben, finde ich einfach toll. Für mich ist der Spaß ohnehin das wichtigste und von daher habe ich auch reichlich wenig Konkurrenzdenken, wenn Leute aus dem Stall mit an den Start gehen. Im Gegenteil, es erhöht immerhin die Chance das wenigstens einer von uns ein Schleifchen mit nach Hause bringt.

Am Wochenende vor dem Turnier fiel Bettinas Pferd aus. Ich war enttäuscht, schließlich freute ich mich seit Wochen auf unseren Start zu Dritt. Kurzerhand bot ich ihr an Keks zu reiten. Geritten war sie ihn schon mal, Springen konnte sie auch und wenn jemand angstfrei ist, dann Bettina. Also, warum nicht?

Wie ein aufgescheuchtes Huhn

Bettina ritt das E-Springen als zweite Starterin und ich lief vor lauter Nervosität wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend. Ich war nicht vor meinem eigenen Ritt nervös, sondern vor Bettinas. Nichts wäre schlimmer, als wenn ihr etwas passiert, weil mein Pferd Blödsinn macht! Die beiden ritten eine fehlerfreie Runde und alles ging gut – das war das wichtigste!

Ich atmete kurz durch um anschließend wieder in meinen „Ich-bin-nervös-aufgeregt-alles-zugleich“-Zustand zu verfallen. Noch 8 Starter und dann war ich an der Reihe. Für mich war es absolutes Neuland nicht selbst abgeritten zu sein, mich auf mein Pferd zu setzen, in den Parcour zu reiten und ins Ziel zu kommen. Vor noch nicht allzu langer Zeit, hätte ich das nicht über mich gebracht. Aber ich muss auch gestehen, dass ich das so wahrscheinlich nicht nochmal machen würde, da ich das „ins-Pferd-einfühlen“ vorher brauche.

Mit meinem eigenen Ritt war ich am Ende nicht zufrieden. Das Grundtempo war wieder viel zu niedrig und ich habe die Sprünge angestarrt, als ob ich daran zweifel, dass diese dort wirklich stehen. Keks hat seine Sache super gemacht, die Fehler, wie ungleiches Tempo, hinter der Bewegung, Kreuzgalopp und so weiter, gehen alle auf meine Kappe. Wir bekamen eine 6,4 und rutschten am Ende noch gerade so in die Platzierung mit rein. So richtig freuen konnte ich mich über die Schleife aber ehrlich gesagt nicht, da ich für mich persönlich einfach weiß, dass wir es besser können.

Und er wurde zur Rennsemmel

Fur den Jump & Run war eigentlich geplant, dass ich reite und Björn läuft. Er war von Anfang an sehr skeptisch und tat es eher mir zur Liebe. Da aber Bettinas Pferd ohnehin ausgefallen war, strukturierten wir hier auch um. Sie sollte reiten und ich wollte laufen. So schnürte ich mir nach dem E-Springen die Turnschuhe und beäugte die anderen Läufer. Alle waren in Sportklamotten! Und daneben stand nun ich in meiner Reithose, verschwitzt und nun ja, die beste Läuferin war ich auch nicht. Ich überlegte mir, wo ich abkürzen könnte, merkte aber bei den ersten Startern, dass alle den gleichen Plan gehegt hatten. Wir waren als letztes dran und ich sagte zu Bettina, dass sie Gas geben muss, weil ich nicht so schnell laufen kann.

Bettina legte auf Sprung eins den großen Gang ein. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf! Ist das wirklich mein Pferd, welches da gerade mit Vollgas durch den Parcour läuft? Ich wusste gar nicht, dass er so schnell sein kann! Unglaublich! Die Stimmung in der Halle schien ihn permanent zu motivieren, jeder Sprung passte und jede Landung war richtig. Vor der Kombi spritzte Keks mir eine Ladung Sand ins Gesicht, die Zwei kamen um die Ecke geprescht, ich griff die Gerte und los gings. Rennen. So schnell wie möglich. Das Publikum tobte und ich rannte, nahm noch eine Nummer mit, rannte weiter und da war endlich das Ziel.

Die Zeit stoppte! Wir waren die Schnellsten! Gold für Bettina, Keks und mich!

Natürlich kann man jetzt darüber streiten, ob man mit Vollgas durch den Parcour preschen sollte, aber ganz ehrlich, man muss nicht immer alles brav und ernst reiten. Ganz abgesehen davon, dass jedes Stechen genauso geritten wird, denn vorne sind die Preise fett. Hier stand eindeutig der Spaß im Vordergrund und den hatten wir und Keks allemal! Ich würde es genauso wieder machen. Den nächsten Jump & Run wird es definitiv geben – es war ein unglaubliches Gefühl, welches ich bisher bei keiner anderen Prüfung hatte und nicht zu Letzt dem großartigen Giesenbacher Publikum geschuldet war.

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