Lange Zeit habe ich mich dagegen gewehrt Instagram als soziales Netzwerk zu benutzen. Ich hatte meinen Blog, YouTube und Facebook. Für noch mehr hatte ich eigentlich gar keine Zeit und trotzdem war es irgendwann soweit: ich installierte Instagram. Die Frage nach öffentlichem oder privatem Profil, stellte sich für mich damals gar nicht, denn mein Blog ist als Gewerbe angemeldet und mein Instagram Konto damit verknüpft. Also öffentlich.

Von Folgen und Entfolgen

Anfangs war es sehr ruhig. Dann kamen die ersten Follower, dann wurden es mehr. Ich folgte anderen Accounts, die ich interessant fand. Einigen entfolgte ich aus verschiedenen Gründen wieder, anderen bin ich bis heute treu. Irgendwann folgten mir Accounts, die bei keinem Bild das Herz betätigten. Warum folgen die mir? Ich schaute mir den Account an, sah eine Followerzahl, die unfassbar groß war und fühlte mich geehrt. Dieser große Account folgte mir! Er interessierte sich für mich und meine Arbeit mit Keks. Fröhlich folgte ich zurück! Es dauerte ein Weilchen bis ich die Strategie dahinter begriff. Ich folge zurück, der große Account entfolgte mir wieder, in der Hoffnung, dass ich es nicht merke und er so mehr Follower bekommt. Merkte ich aber.

Dieses Spielchen und der Einsatz von sogenannten Bots ist mittlerweile auf Instagram zur Selbstverständlichkeit geworden. Genauso wie theatralische Post über die Ach-so-große-Liebe-zum-Pferd und wenn das Leben sonst nichts mehr her gibt, dann wird eben zur Blut- und Organspende aufgerufen. Dazu den passenden Hashtag, damit man gefunden wird und alle finden es toll. Versteht mich nicht falsch! Beides sind durchaus wichtige Themen, aber manchmal wirken die Sachen schon sehr an den Haaren herbeigezogen.

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(c) Lara K.

Hauptsache die Zahl der Follower ist groß

Wie dem auch sei, das Ziel des Ganzen ist es, eine große Zahl neben dem Profilbild zu haben. Das kommt bei Firmen gut an, denn dort wird als erstes hingeschaut und nur darum geht es. Den Firmen ist es in der Regel völlig egal, ob das Pferd artgerecht gehalten und ausgebildet wird. Hauptsache der Account hat viele Follower und macht Werbung für das Produkt. Dabei wird mittlerweile alles beworben. Und mit alles, meine ich auch alles. Beautyartikel, Fitnessdrinks, Uhren, Handyzubehör und selbstverständlich auch Reitsportartikel. Über den Sinn oder Unsinn von einigen Produkten möchte ich mich jetzt gar nicht detailliert äußern, aber das Bild, welches vermittelt wird, finde ich schlimm. Sehr schlimm sogar.

Die gerade einmal 10-jährige Tochter eines Bekannten wünscht sich ein zweites (!) Pferd. Warum? Alle auf YouTube haben zwei Pferde. Ah ja. Jeder von uns weiß, wie viel bereits ein Pferd kostet. Das kleine Mädchen im Reitsportgeschäft soll eine erste Ausrüstung bekommen. Die Kleine steuert im Laden zielgerichtet die Glitzerreithelme an, die Handschuhe mit den Swarowski Steinen und die Stiefel mit Lack. Eltern und Verkäuferin sind ernsthaft bemüht dem Kind zu erklären, dass es noch wächst und dass für die ersten Reitstunden ein normaler Helm, einfache Handschuhe und Stiefel reichen. Das Kind bricht in Tränen aus. Aber die anderen Kinder haben auch Glitzerhelme. Auf Instagram. Weil die Eltern die Sachen von den Firmen geschenkt bekommen haben. Und sie diese bewerben sollen. In keinem Reitstall findet man Kinder, die so gestylet sind wie die auf Instagram.

Instagram als Werbeplattform

Fakt ist: Instagram ist Werbeplattform Nummer 1. Das ist ok, wenn die Leute, die sogenannten Influencer, was im Übrigen nichts mit Influenza zu tun hat (der ist nicht von mir, sondern von Instagram), authentisch Sachen vorstellen und bewerben würden. Aber da geht es schon los. Die meisten nehmen alles, da es ja umsonst ist. Wenn das Zeug erfolgreich beworben wurde, dann wird es eben bei Ebay vertickt und man hat sogar noch ein Plus gemacht. Es gibt einige wenige Accounts auf Instagram, die Produkte wirklich ehrlich und authentisch vorstellen.

Die Fragen, die ich mir stelle, wenn mich eine Firma anschreibt und mich nach einer Zusammenarbeit fragt, sind die folgenden: Macht das Produkt Sinn? Passt es zu mir? Und vor allem, würde ich es mir auch selber kaufen? Wenn ich auch nur eine dieser Fragen mit nein beantworte, dann bedanke ich mich recht herzlich für die Anfrage und lehne ab. Ich muss mich in keinster Weise mit Sponsoren, Partnern und Kooperationen schmücken. Es ist toll, wenn Unternehmen meine Arbeit, und das ist es zweifelsohne, wenn man einen Blog betreibt, anerkennen, wertschätzen und unterstützen. Jedoch nicht um jeden Preis und schon gar nicht, damit auch ich in der Instagramstory betonen kann, dass mich heute schon wieder ein Paket erreicht hat.

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(c) Lara K.

Ich ziehe Konsequenzen

Instagram ist eine blumige Welt, wo sich alle liebhaben. So wirkt es nach außen. Kaum die falsche Frage gestellt, landet man mit Sicherheit in einer Whatsapp Gruppe und die Lästerei bis hin zum Mobbing beginnt. Traurig. Ich habe meine Freunde früher draußen beim Spielen getroffen. Kleine Sidestory: wir haben Baumhäuser gebaut und die großen Jungs aus dem Dorf haben sie immer wieder kaputt gemacht, nur um uns zu ärgern. Heutzutage findet man seine Freunde im Social Media und das reale Leben rückt immer mehr in den Hintergrund. Auch dies trifft natürlich bei weitem nicht auf alle zu! Auch ich habe tolle Menschen über Instagram kennen- und wertschätzen gelernt. Menschen, die ich echt ins Herz geschlossen habe. Menschen, wo ich mich wirklich freuen würde, wenn wir uns einmal persönlich kennenlernen.

Mit dem Onlinegehen von diesem Post werde ich meinen jetzigen Instagramaccount bereits gelöscht haben und auf ein privates Profil wechseln. Alles auf Null setzten und vor allem habe ich nun die Möglichkeit, meine zukünftigen Follower auszuwählen. Leute, die meine Texte interessieren. Leute, die sich für meine Arbeit interessieren. Leute, die meinen Sarkasmus verstehen. Leute, die nicht immer nur „Oh tolles Bild“ in die Kommentare tippen und das mittels Copy/Paste bei allen möglichen Accounts.

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Die Sache mit den Kooperationen

Natürlich habe auch ich mir darüber Gedanken gemacht, wie ich weiterhin mit Firmenkooperationen umgehen möchte, wenn ich kein öffentliches Instagramprofil mehr habe. Die Antwort ist recht simpel. Im Zweifel gibt es keine Kooperationen mehr. Da ich ein Stück weit sämtliche Nebenkosten des Blogs über Kooperationen finanziert habe, ist das ein herber Rückschlag und wird zukünftig anderweitig finanziert werden müssen. Das ist der Preis, den ich aber bereit bin zu zahlen, denn für mich ist nichts schlimmer, als nicht mehr authentisch zu sein oder mich zu verstellen. Ich habe eine Persönlichkeit, die ich niemals aufgeben werde.

Selbstverständlich habe ich im Vorfeld meine beiden langfristigen Partner RidersDeal und Kavaju Sports darüber informiert, dass ich auf ein privates Instagramprofil wechseln werde. Ich habe recht ausführlich meine Beweggründe für diesen Schritt erläutert und am Ende die Entscheidung bei dem jeweiligen Unternehmen gelassen, ob wir weiterhin zusammenarbeiten wollen oder nicht. RidersDeal hat sich für eine weitere Zusammenarbeit mit mir ausgesprochen und ich habe innerlich Luftsprünge gemacht. Nicht weil bald das nächste Sponsoringpaket vor der Tür steht, sondern weil es noch Firmen gibt, die nicht nur auf die kleine schwarze Zahl neben dem Profilbild schauen und anhand dieser entscheiden, wem sie was schenken. Die Anotwort von Kavaju Sports steht noch aus, aber ich bin hier zuversichtlich, da ich mit Kavaju Sports schon zusammengearbeitet habe, lange bevor ich überhaupt ein Instagramprofil hatte.

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Bandagen & Reithose von RidersDeal // Schabracke & Fliegenohren von Kavaju Sports – (c) Lara K.


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