Nun steht sie kurz bevor, meine erste L Dressur und eines ist mir in den letzten Wochen bewusst geworden: Der Weg von A nach L ist ein großer Sprung. Ein sehr großer.

Viele Reiter wollen sehr schnell von A nach L wechseln, hauptsächlich weil in der L Dressur alleine geritten wird. Die einen schaffen den Sprung ohne größere Probleme, während andere jahrelang unplatziert mit 5er Wertnoten kämpfen. Ein Pferd wie Keks, welches sich als Schleifensammler in den A Dressuren entpuppte, muss noch lange nicht zum Schleifensammler in L werden. Im Gegenteil! Ein Pferd, welches die Anforderungen einer A Dressur beherrscht, kann in L unter Umständen aus dem Rampenlicht verschwinden.

Der große Sprung in die Königsklasse

Der größte Unterschied zur A Dressur ist die verlangte Versammlung, im Trab und Galopp. Die Versammlung ist der letzte Punkt der Skala der Ausbildung und somit der Einzug in die Königsklasse. In A reicht es, wenn man sein Pferd losgelassen in Takt und Anlehnung, mit etwas Schwung in den Verstärkungen, vorstellen kann. Bei L hingegen muss das Pferd für die Versammlung zwangsläufig den nötigen Schwung mitbringen und geradegerichtet sein. Man könnte also auch sagen, dass man von A nach L an die Spitze der Ausbildungsskala springt und das sind immerhin 3 Stufen!

Um uns Reitern den Weg in die L Dressur zu vereinfachen, gibt es die A** Dressurprüfungen. Hier wird bereits der Mitteltrab und –galopp verlangt. Außerdem sollen versammelnde Lektionen wie Rückwärtsrichten und einfache Galoppwechsel gezeigt werden und die Linienführung im Viereck ist deutlich anspruchsvoller.IMG_6087

Versammlung heißt nicht langsamer

Die meisten Reiter fürchten die Versammlung und empfinden diese als kompliziert, was hauptsächlich daran liegen dürfte, dass viele einfach nicht verstehen, was sie genau ausmacht. Häufig wird die Versammlung mit „langsamer“ beschrieben, was so nicht korrekt ist, denn der Takt und Rhythmus bleibt erhalten.

Die Hinterbeine des Pferdes nehmen in der Versammlung mehr Last auf. Dadurch werden die sogenannten Hanken, die Gelenke der Hinterhand, vermehrt gebeugt und das Pferd tritt unter den Schwerpunkt. Dies führt außerdem dazu, dass das Pferd seine Kruppe absenkt, den Rücken aufwölbt und die Vorhand aufrichtet. Dadurch dauert die Schwebephase etwas länger an und die Schritte, Tritte oder auch Sprünge des Pferdes werden erhabener.

Versammlung ist nicht alles

Es gibt Pferderassen, die aufgrund ihres Körperbaus nur über einen geringen Versammlungsgrad verfügen. Dazu gehören beispielsweise Haflinger, die ursprünglich nicht für eine Karriere im Viereck gezüchtet wurden. Dass der Körperbau aber nicht unbedingt hinderlich sein muss, beweisen einige Haflinger, die in den Klassen M und S erfolgreich sind, obwohl sie rein von der Versammlung her nur selten mit den Dressurkrachern mithalten können.

Natürlich ist die Versammlung ein wichtiges Element der L Dressur, aber es gibt noch sehr viel mehr, worauf die Richter achten. Beispielsweise, ein an den Hilfen stehendes Pferd, klar erkennbare Übergänge innerhalb einer Gangart, punktgenaues reiten, ein guter Reitersitz und nicht zu Letzt der Schritt. Insbesondere dem Schritt wird viel zu häufig kaum Beachtung geschenkt und dabei kann man hier so viele Punkte sammeln.

Und dann ist da auch noch der Außengalopp und all die anderen Lektionen

Neben Versammlung, Mitteltrab und –galopp, ist der Außengalopp eine weitere Hürde, die man überwinden muss um nach L zu kommen. Für den Außengalopp benötigt das Pferd bereits einen gewissen Versammlungsgrad. Der Reiter muss ausbalanciert sitzen, korrekte Hilfen geben und den Außengalopp jederzeit sicher abrufen können.

Außerdem kommen zu den bereits bekannten A Lektionen nun noch Kurzkehrt, Rückwärtsrichten, Hinterhandwendung und einfache Galoppwechsel hinzu. Dies sind alles Lektionen, die sich ohne einen gewissen Versammlungsgrad nicht reiten lassen. Defizite, die man in einer A Dressur vielleicht noch ganz gut kaschieren kann, werden spätestens jetzt sichtbar.

Ab der L8 wird im großen Viereck, also auf 20 x 60 m geritten und die Lektion Schulterherein sowie Traversalen kommen hinzu. Diese Aufgaben sollen den Reiter schlussendlich auf die Klasse M vorbereiten.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Leider musste ich feststellen, dass es in meinem „Turnierradius“ kaum Turniere mit A** Dressurprüfungen gibt. Somit konnte ich bisher leider keinen Start in einer A** verzeichnen, werde aber dennoch den Sprung nach L wagen. Insgesamt bin ich mit der stetigen Entwicklung von Keks sehr zufrieden. Der Außengalopp sitzt, die Kurzkehrt habe ich mittlerweile auch begriffen und die Versammlung ist deutlich besser geworden. Natürlich gibt es noch so einige Defizite, an denen wir arbeiten, aber nichtsdestotrotz freue ich mich auf den Sprung in die Königsklasse.


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