Eine Woche nach dem Saisonauftakt in Geisenhausen ging es für uns nach Landshut. Ich hatte eine Dressurprüfung der Klasse L genannt, Aufgabe L2. Die L2 ist nicht gerade meine Lieblingsaufgabe, da gleich zweimal der Mitteltrab verlangt wird, was bekanntlich nicht unsere Paradedisziplin ist. Auf dem riesigen Abreiteplatz hatte ich das Gefühl komplett alleine unterwegs zu sein. Der Platz war so groß, dass sich alle verteilten und man streckenweise richtig gut Lektionen reiten konnte. Anfangs war Keks etwas spannig, aber dann hatte ich ihn gut an den Hilfen und ein durchweg positives Gefühl. Ich ritt noch ein paar einfache Galoppwechsel und eine Kurzkehrt, bevor es in die Prüfungshalle ging.

Während die Prüfung vor mir lief, war ich im kleinen Vorbereitungsviereck. Ich fragte ein paar Schritt-Trab Übergänge ab und merkte bereits hier, dass Keks alles andere spannender fand, sich aber rein gar nicht auf mich konzentrierte. Ich versuchte ihn irgendwie an meine Hilfen zu bekommen, aber die Zeit war zu knapp. Die Prüfung vor mir war beendet und ich ritt ins Viereck. Einmal an den Richtern vorbei, einmal auf den Zirkel und dann klingelte auch schon die Glocke. Eigentlich war mir bereits hier klar, dass ich in den versammelnden Lektionen große Probleme bekommen würde. Während man bei A noch ganz gut schummeln kann, wenn das Pferd spannig ist, so ist bei L alles verloren. Es ist nahezu unmöglich, mit einem Pferd, welches sich im Rücken fest macht, Übergänge vom versammelten zum Mitteltrab, Außengalopp, einfach Galoppwechsel oder eine Kurzkehrt zu reiten.

IMG_5574

Das Einreiten war gerade, aber bereits beim Grüßen, zappelte Keks. Bis zum ersten Mitteltrab war dann noch alles im Rahmen und dann ging es bergab. Den Mitteltrab konnten wir nicht zeigen, weil ich ihn einfach nicht an den Hilfen hatte, die Kurzkehrt war ein reines Umdrehen, die einfachen Galoppwechsel gingen gegen die Hand und zur Krönung galoppierte er mir beim zweiten Mitteltrab an. Der Außengalopp und das Rückwärtsrichten waren in Ordnung, aber damit gewinnt man keinen Blumentopf.

Als ich zur finalen Grußaufstellung ritt, überlegte ich das erste Mal auf die Bewertung zu verzichten, da ich mit einer 4er Note rechnete. Ein Pferd ist keine Maschine. Ein Pferd hat auch schlechte Tage, genau wie wir Menschen. Für mich persönlich ist es nicht schlimm, eine nicht so gute Bewertung zu bekommen. Diese Note allerdings ist öffentlich einsehbar und es steht nicht dahinter, wie es dem Pferd an dem Tag ging. Sondern nur die reine Note. Kommentarlos. Am Ende entschied ich mich nicht zu verzichten und zu unserer doch eher durchwachsenen Leistung zu stehen. Wir bekamen eine 5,3 und den finalen Kommentar: „Das Pferd war heute leider nicht losgelassen.“

IMG_5563


Merken

Sharing is caring...
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+