Nie brauchte ich ein Reitabzeichen und nie hatte ich den Ehrgeiz es „für mich selbst“ zu machen. Ich hatte nie ein eigenes Pferd und war nie Mitglied in einem Reitverein. Mit meiner Reitbeteiligung Bujan startete ich vor langer Zeit zweimal in einer E-Dressur. Da es sich bei diesen Turnieren aber um inoffizielle Hausturniere handelte, durfte ich als Gastreiter ohne eine Mitgliedschaft in einem Reitverein starten. In der Zeit danach, hatte ich Reitbeteiligungen auf verschiedenen Pferden, wobei dies aber alles reine Freizeitpferde waren und auch die Pferdebesitzer keinerlei Turnierambitionen hatten. In den verschiedenen Ställen, wo ich Pflegepferde hatte, waren Abzeichen nie ein Thema und demzufolge gab es auch keine Kurse oder ähnliches. Klar hatte ich hin und wieder den Gedanken, dass es schön wäre ein Reitabzeichen zu haben, einfach für mich selbst, aber da war noch ein anderes Problem. Ich bin ein absoluter Angsthase beim Springen. Ich bin nicht der Typ Reiter, der in einen Stall geht, sich ein fertiges Springpferd nimmt und die Prüfung reitet. Ich brauche Vertrauen zu dem Pferd, welches ich springen soll und dieses baut sich nicht in einem einwöchigen Lehrgang auf.

Ohne Reitabzeichen – Endstation WBO

Dann kam Keks in mein Leben und ich entdeckte den Spaß an Turnieren. Es geht mir nicht darum Schleifen zu sammeln, aber ich mag die Atmosphäre und das gesamte „Drum-herum“. Nachdem wir nun fast 2 Jahre lang WBO Turniere geritten sind, endet unser Weg dort auf A Niveau. Außerdem stellt sich mir die Frage, ob ich bei einer LPO A-Dressur auch noch im vorderen Feld mitmischen darf und wie eigentlich eine Bewertung in einer Dressurreiter A Prüfung für mich ausfallen würde. Das sind zwei Fragen, die sich auf WBO Ebene nicht beantworten lassen und ohne Reitabzeichen ist ein Start auf LPO Turnieren nicht möglich – zumindest auf A Niveau.

Also musste ein Reitabzeichen her. Da war allerdings die Sache mit dem Springen. Ich las mich durch diverse Bestimmungen der FN, überlegte zwischenzeitlich bereits das RA5 disziplinspezifisch zu machen und warf diese Idee kurz darauf wieder über Bord. Schließlich sage ich selbst immer, das jeder Reiter und jedes Pferd in der Lage sein sollten einen E-Parcour zu bewältigen – natürlich vorausgesetzt, dass beide vollkommen gesund sind. Keks war kein sicherer Springer und ich ein fast blutiger Anfänger, was das Springen betraf, und obendrein noch ein Angsthase. Ich war immer wieder zu zögerlich, Keks parkte vor den Hindernissen, rannte vorbei oder stieg im schlimmsten Fall. Vor so ziemlich genau einem Jahr hatten wir unseren absoluten Tiefpunkt im Springen. Es klappte rein gar nichts, er stieg in fast jeder Springstunde und ich kam an meine Grenzen. Mehr als einmal war ich kurz davor das Springen an den Nagel zu hängen und im Zweifel auf das Reitabzeichen zu verzichten. Vertrauen zu diesem Pferd im Springen? Fehlanzeige! (Meine Springstunden Januar/Februar 2015)

Im Frühjahr letzten Jahres kam dann endlich der Durchbruch! Wie so oft, von heute auf morgen. Es „wuppte“ einfach! Ich testete die Turniersitaution und am Ende legten wir im vergangen Jahr eine für mich traumhafte Turniersaison hin mit einem E-Springen als krönenden Abschluss. Ich habe gelernt wie ich mein Pferd reiten muss, was ich tun muss um ihn korrekt an die Sprünge heranzureiten und ihm das Vertrauen zu geben, es zusammen zu schaffen. Ich weiß was wir können und ich weiß, an welchen Stellen es bei uns noch Schwierigkeiten gibt. Seit November haben wir einen neuen Trainer, der uns ganz toll unterstützt und einfach super zu uns passt. Sowohl mir als auch Keks macht das Springen mittlerweile großen Spaß und die Angst sitzt schon lange nicht mehr mit im Sattel.

RA5 – Da is‘ es!

Kurz vor Weihnachten nahmen Keks und ich an einem Lehrgang bei Philipp Dehning teil. Dieser Lehrgang war der Auslöser, denn für mich stand endgültig fest: Wir sind bereit für das Reitabzeichen! Nach einem 4-tägigen Vorbereitungskurs bestanden wir das RA5 mit wahren Traumnoten (Dressur 8,0 / Springen 7,8 / Theorie 7,3). Ich bin unglaublich stolz auf uns und das wir beides zusammen geschafft haben. Bei der Ehrung und der Überreichung der Urkunden musste ich die Tränen herunterschlucken – natürlich Freudentränen. Unser gemeinsamer Weg im Springen lief auf einmal wie ein Film vor meinem inneren Auge ab – ich habe geweint, gekämpft, war kurz davor aufzugeben und am Ende haben wir als Team gewonnen.

Unser RA5 in Bild & Film

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(c) Aktiv Reitschule Mainburg

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(c) Aktiv Reitschule Mainburg

 

 

 


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