Mia ist 21 Jahre alt und kommt ebenfalls aus dem schönen Bayern. Die quirlige Studentin ist begeisterte Reiterin, hat aber noch zahlreiche andere Interessen wie Fotografieren, Querflöte spielen, Fitness und Lifestyle. Mit 17 Jahren war das Sparschwein endlich voll genug und Mia erfüllte sich den Wunsch vom eigenen Pferd. Die laufenden Kosten trug sie von Anfang an selbst und lernte so sehr schnell, was es bedeutet, die Verantwortung für ein Pferd zu übernehmen.

Mia ist außerdem Mitglied der Studentenreitgruppe Erlangen-Nürnberg. Auf vielen Studentenreitturnieren hilft sie tatkräftig mit, nur reiten darf sie leider nicht, da man auch hier ein Reitabzeichen benötigt. Im Gegensatz zu ihr, darf Pferd Aarlon starten und so war er auf dem letzten Vereinsturnier in der L-Dressur unterwegs.

Update: Seit diesem Wochenende hat Mia das RA5 in der Tasche! Herzlichen Glücwunsch!

Der Pferdevirus: ansteckend und unheilbar!

Ich weiß nicht, wann es genau anfing, aber eigentlich gehörte ich schon immer zu der Sorte Mädchen, die ihren Eltern an Weihnachten und Geburtstagen einen Wunschzettel mit genau einem Wunsch präsentierten: ein Pferd. Doch dieser Wunsch blieb Klein-Mia lange Zeit unerfüllt.

Ganz ohne Reitsport musste ich allerdings nicht leben. Nach einer kurzen, aber intensiven Voltigierlaufbahn, bekam ich Reitunterricht auf einem Ponyhof. Ich ritt Max, der gerne vor sich hinbuckelte, und lernte vor allem, was es heißt Angst zu haben. Nach drei Jahren reichte es mir, ich packte meine sieben Sachen und begab mich auf die Suche nach einem neuen Stall.

In einem anderen kleinen Freizeitstall traf ich auf den großen Westfalen Davidoff. Schon beim Probereiten hätte ich eigentlich merken müssen, dass die Plüschnase nicht unbedingt der richtige Weg zum Reiten lernen ist, denn ich bekam sehr viel Lob dafür, wie gut ich die Buckler aussitzen konnte. Aber ich war unsterblich verliebt, also begann ich das Davidoff-Schiff zwei Mal pro Woche durch die Halle zu schaukeln. Ausreiten durfte ich nicht, Springen nicht wegen den Gelenken und nach einem heftigen Reitunfall beim ersten Mal Reitplatz ausprobieren (6 Wochen Krankenhaus, juchee!), durfte ich den Platz auch nicht mehr benutzen. Trotzdem machte ich den Spaß 5 Jahre lang mit und blödelte mit Davidoff in der Halle mit Bodenarbeit und Dressurreiterei rum.

Nach 5 Jahren, ich war mittlerweile 17, wollte ich dann aber mehr. Ausreiten, auf dem Platz reiten, die kleine dunkle Halle verlassen. Ich hatte genug Geld zusammen gespart um mir meinen Klein-Mia Traum zu erfüllen, suchte mir einen Nebenjob um die laufenden Kosten tragen zu können und durchstöberte das World Wide Web nach passenden Kandidaten.

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Aarlon – einmal Lehrpferd zum Mitnehmen bitte

Seit vielen Jahren verbrachte ich jeden Sommer auf einem Ferienhof in der Nähe von Brandenburg. Tanja und Steffen kannten mich mittlerweile gut und uns verband eine Freundschaft. Im Sommer 2011 hatte der dortige Trainer und auch Bereiter der Privatpferde, sich bei einem schweren Sturz das Becken gebrochen. Für die Privatpferde natürlich blöd, denn diese wurden weniger geritten. Da die beiden mich und mein Können aber relativ gut kannten, durfte ich eines der Privatpferde dressurmäßig bewegen.

Optisch sprach mich der Wallach an, ich stand schon immer auf rotbraune Pferde mit schwarzer Mähne und Beinen. Von der Größe her, mit 175 cm, etwas zu klein für mich, aber wir fanden die Woche über zusammen. Aarlons Besitzer kamen recht selten. Am Ende der Woche saß ich mit Steffen und Tanja zusammen und erzählte, dass dies wohl das letzte Jahr bei ihnen gewesen sei, da ich mir ein eigenes Pferd kaufen möchte.

Mein Pferdekaufplan war mittlerweile kurz vor der Umsetzung und ich wollte im Herbst konkret auf Pferdesuche gehen. „Du weißt schon, dass Aarlon zum Verkauf steht, oder?“ war der Satz, der mein Leben komplett auf den Kopf stellte. Aarlon wurde „Platz vor Preis“ verkauft, ich kratzte mein Erspartes zusammen und zwei Monate nach den Sommerreitferien in Brandenburg fuhren meine damalige Stallbesitzerin und ich hoch um ihn abzuholen.

Da war er nun: Mein wahrgewordener Traum vom eigenen Pferd.

In der ersten Zeit lernte ich erst einmal richtig reiten. Über den Rücken laufen, den Rücken aufwölben, Anlehnung, Versammlung, das waren alles Begriffe, die ich zu meinem eigenen Entsetzen in 10 Jahren Reitsport nicht gelernt hatte. Mit Aarlon hatte ich mir einen richtigen Professor ins Haus geholt. Er war M-Dressur angeritten, L-Springen gestartet und ich hatte meine persönlichen Erfolge bis dato im „Pferdeweitfliegen“ erreicht.

Auch das Ausreiten war für mich komplett neu. Natürlich war ich in Brandenburg in den Ferien fast täglich im Gelände unterwegs gewesen, aber jetzt einfach raus zu können, wann immer ich wollte – das kannte ich nicht. Natürlich war nicht alles perfekt und einfach. Aarlon war sehr fein zu reiten, aber sobald man einen Ticken falsch saß, machte er nicht was man wollte. Noch dazu kam, dass Aarlon in der ersten Zeit sehr geübt in der Selbstzerstörung war und wir teilweise monatelang pausieren mussten.

Dieses Jahr im Oktober ist Aarlon dann 5 Jahre an meiner Seite und wir sind zu einem richtigen Team zusammengewachsen. Aarlon ist mittlerweile 18 Jahre alt, hat aber die Energie eines 8-Jährigen Pferdes. Wir haben einen neuen Trainer bei dem wir insbesondere in der Dressur unheimliche Fortschritte machen. Die Bremse im Gelände funktioniert leider ab und an nicht richtig, aber es wäre ja auch langweilig, wenn alles klappen würde. Beim Springen hakt es leider extrem. Im alten Stall hatte ich nicht so Interesse daran, jetzt in der kleinen Halle ist es kaum möglich und da fehlt dem Professor ausnahmsweise mal die Routine.

Der größte Lehrer ist und bleibt mein Aarlon

Aber vor allem habe ich in unserer gemeinsamen Zeit viel gelernt. Nach meinem Abitur begann ich einen Nebenjob im Pferdesporthaus Loesdau und hatte das Glück sowohl lehrreiche Kollegen zu haben, als auch viele Schulungen miterleben zu dürfen. Mein bester Lehrer ist und bleibt aber Aarlon, nicht nur reiterlich gesehen. Durch ihn habe ich schon mit 17 gelernt Verantwortung zu übernehmen. Klar, es war mit Sicherheit nicht immer leicht und ich bin ehrlich: Oft habe ich mich gefragt ob es die richtige Entscheidung war mit so einem geringen Budget, ohne Unterstützung der Eltern das alles durchzuziehen. Wenn ich dann aber auf meinem Pony durch die Wälder streife, kommen mir manchmal die Tränen vor Stolz auf mich selbst. Selbstlob ist nicht die feine Art – aber zu wissen dass man das alles selbst erreicht hat ist schon ein tolles Gefühl. Große Sprünge, viele Turniere oder immense Erfolge, sind mit meinem begrenzten Budget im Reitsport leider nicht möglich. Trotzdem freue ich mich unglaublich auf unsere gemeinsame Zukunft.

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