Der Mitteltrab wird in Dressurprüfungen ab der Klasse A** verlangt und ist für viele Reiter die größte Hürde für den Sprung in die Klasse L. Mitteltrab zu reiten, wird ganz gerne mit „schneller“ reiten verwechselt, aber darum geht es überhaupt nicht.

Mitteltrab heißt nicht schneller, sondern raumgreifender

Der Trab eines Pferdes ist eine schwunghafte Bewegung in vier Phasen, im Zweitakt, mit einer Schwebephase, so heißt es in den Richtlinien der FN. Aber was bedeutet das? Ruft man sich den Trab eines Pferdes ins Gedächtnis, dann wird schnell klar, dass es in einem „Tick-Tack“, „Tick-Tack“ Rhythmus, also in einem Zweitakt läuft. Schaut man genauer auf die Beine des Pferdes, wird klar warum man von vier Phasen spricht. Ein trabendes Pferd tritt vorne links und hinten rechts auf, gefolgt von der Schwebephase, danach vorne rechts und hinten links, wieder gefolgt von einer Schwebephase. Insgesamt also vier Phasen. Schaut mal anderen beim Reiten zu und achtet auf die Pferdebeine, dann werdet ihr ganz schnell merken, in welcher Reihenfolge sich die Pferdebeine bewegen. Außerdem werdet ihr Unterschiede in der Schwebephase verschiedener Pferde feststellen. Einige Pferde haben von Natur aus einen sehr schwungvollen Trab und damit eine deutlich sichtbare Schwebephase, andere wiederum nicht.

Innerhalb des Trabs gibt es außerdem verschiedene Stufen und eine davon ist der Mitteltrab. Im Vergleich zum Arbeitstrab, wo die Hinterhufe des Pferdes in die Spur der Vorderhufe fußen, kommt es im Mitteltrab zu einer Rahmenerweiterung. Das bedeutet, die Bewegungen des Pferdes werden größer und erhabener, ohne dass das Pferd eiliger wird. Der Hals des Pferdes wird mehr gedehnt und der Kopf kommt deutlich vor die Senkrechte. Daran sieht man, alles wird etwas größer und dies ist auch der Grund, weshalb man von einer Rahmenerweiterung spricht. Die Hinterhufe treten deutlich über die Spur der Vorderhufe hinaus. Das Pferd drückt sich insgesamt schwungvoll mit den Hinterbeinen vom Boden ab, wodurch die Schwebephase etwas länger wird und die Vorderbeine anfangen nach vorne zu schwingen.

Merke: Beim Mitteltrab wird das Pferd nicht schneller, sondern die Bewegungen werden raumgreifender, schwungvoller und erhabener.

IMG_9514

Nicht schneller, sondern raumgreifender!

Ohne Schwung und aktive Hinterhand kein Mitteltrab

Die Ausbildung eines Pferdes richtet sich nach der Skala der Ausbildung, was den meisten wahrscheinlich bekannt ist. An erster Stelle steht der Takt, gefolgt von der Losgelassenheit und der Anlehnung. Erst dann kommt der Schwung, den das Pferd für den korrekten Mitteltrab braucht. Damit wird klar, dass das Pferd einen gewissen Ausbildungsstand haben muss, um überhaupt in der Lage zu sein, den Mitteltrab zeigen zu können.

Das Pferd muss an den Hilfen des Reiters stehen und sich an das Gebiss heran dehnen. Die Hinterhufe werden energisch vom Boden abgedrückt. Dadurch entsteht ein Impuls, der über den Rücken verläuft und in eine Vorwärtsbewegung umgewandelt wird. Man kann sich das in etwa so vorstellen, als würde man aus dem Stand nach oben springen. Geht man im Vergleich dazu, etwas in die Hocke, holt Schwung und drückt sich dann vom Boden ab, dann wird die Bewegung nach oben größer sein. So ist beim Pferd auch. Je mehr Schwung aus der Hinterhand kommt, umso größer und raumgreifender wird die Bewegung.

Nicht nur das Pferd muss einen gewissen Ausbildungsstand erreicht haben, sondern auch der Reiter. Er muss, neben einem sicheren und unabhängigen Sitz, in der Lage sein, sein Pferd an die Hilfen zu stellen und diese präzise zu geben. Nicht umsonst wird der Mitteltrab erst ab Klasse A** verlangt.

Über das Tritte verlängern zum Mitteltrab

Es ist ein Trugschluss zu denken, den Mitteltrab einfach so reiten zu können, denn das wird nicht funktionieren. Wie bei den meisten Lektionen, muss sich der Schwung und damit der Mitteltrab, erst einmal entwickeln.

Doch wie fängt man am besten an?

Zuerst einmal müssen viele Übergänge zwischen den einzelnen Gangarten, aber auch innerhalb einer Gangart geritten werden. Das bedeutet, Schritt-Trab, Trab-Galopp und Schritt-Galopp Übergänge und Zulegen sowie Einfangen innerhalb der einzelnen Gangarten. Durch die Übergänge wird nicht nur das kraftvolle Abfußen aus der Hinterhand gefördert, sondern auch die Versammlung. Das Pferd lernt somit sich selbst zu tragen, Schub aus der Hinterhand zu entwickeln und auf die Hilfengebung des Reiters zu warten.

IMG_9520

Keks & ich auf dem Weg zum Mitteltrab

Tempowechsel im Trab können beispielsweise folgendermaßen geübt werden: An der langen Seite wird für 4-5 Trabtritte zugelegt und das Tempo dann wieder zurückgeführt. Diese Übung fördert zum einen das Zusammenspiel zwischen den halben Paraden und Schenkel- sowie Gewichtshilfen und aktiviert die Hinterhand des Pferdes. Beim Zulegen wird das Pferd durch halbe Paraden zunächst aufmerksam gemacht und dann durch treibende Schenkelhilfen vorwärts geschickt, wobei die Hand leicht vorgeschoben wird, damit sich das Pferd im Hals dehnen kann. Das Zurückführen des Tempos wird wieder mit halben Paraden eingeleitet, man setzt sich schwer hin und die Reiterhand wird langsam zurückgeführt. Die treibenden Schenkelhilfen bleiben natürlich erhalten.

Wichtig ist, immer darauf zu achten, dass das Pferd nicht ins „rennen“ kommt. Es soll eine Rahmenerweiterung bei gleichbleibendem Takt zeigen, aber nicht davon laufen. Genau dies ist der Grund weshalb man immer mit dem Tritte verlängern über kleine Strecken startet, bevor man durch die Diagonale im Mitteltrab reitet. Außerdem sollten diese Übungen nicht zu häufig innerhalb einer Reitstunde geübt werden, da es sehr anstrengend für Pferd und Reiter ist.

Merke: Die Vorstufe des Mitteltrabs ist das Tritte verlängern über kurze Strecken.

Durch die Diagonale im Mitteltrab

Wenn das Zulegen und Einfangen des Pferdes gut klappt, es an den reiterlichen Hilfen steht und punktgenau reagiert, kann man sich an den Mitteltrab wagen. In den meisten Dressuraufgaben der Klasse A** und L* wird der Mitteltrab durch die Diagonale verlangt. Deswegen nehme ich diese Übung jetzt mal als Beispiel.

Wie reitet man die Lektion?

In der Ecke wird das Pferd mit halben Paraden aufmerksam gemacht. Wichtig ist zu wissen, dass eine halbe Parade eben nicht nur das Eindrehen der Reiterhand ist, sondern ein vermehrtes Einschließen des Pferdes zwischen allen Hilfen, also Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen. Aufgrund der Vorübungen weiß das Pferd, dass jetzt gleich etwas kommt. Es nimmt sich mehr auf und schiebt aus der Hinterhand. In dem Moment, wenn man auf die Diagonale abwendet, wird die Reiterhand bei gleichzeitig treibenden Schenkelhilfen, vorsichtig vorgeschoben, aber nur soweit, dass die Verbindung zum Pferdemaul erhalten bleibt. So geht automatisch die Nase des Pferdes etwas vor, das Pferd dehnt sich im Hals und es kommt zu einer Rahmenerweiterung. Der Reiter muss während des Mitteltrabs ruhig sitzen, mit der Bewegung des Pferdes mitschwingen und in der Hand ruhig bleiben. Die meisten Taktfehler im Mitteltrab, sind auf Reiterfehler, wie beispielsweise ein unruhiger Sitz oder eine störende Hand, zurückzuführen.

Auch hier gilt, dass man das Pferd nicht überfordern sollte. Lieber am Anfang nur eine halbe Diagonale oder eine halbe lange Seite im Mitteltrab reiten und das Pferd dann wieder abfangen, bevor es ins Laufen kommt. Weniger ist oft mehr!

Merke: Im Mitteltrab muss der Reiter die Hand leicht vorschieben sowie ruhig und ausbalanciert sitzen.

Hilfreich sind auch Stangen

Ich persönlich arbeite auch sehr gerne mit Stangen um die Schubkraft aus der Hinterhand und somit den Mitteltrab zu fördern. Das wichtigste bei der Stangenarbeit ist, dass die Abstände stimmen, denn sonst kann mehr Schaden als Nutzen angerichtet werden. Normale Trabstangen haben einen Abstand von 1,20 bis 1,40 m. Um den Mitteltrab zu üben, können normale Trabstangen mit der Zeit etwas auseinandergeschoben werden. Aber auch hier gilt, das Pferd soll nicht ins rennen kommen, sondern die größeren Abstände, über größere Tritte, also eine Rahmenerweiterung, ausgleichen. Anfangs sind zwei Trabstangen völlig ausreichend, später können es auch mehr sein.

Auf der Abbildung seht ihr eine Übung, die ich mit Keks vor ein paar Wochen geritten bin, wobei ich aber ganz klar dazu sagen muss, dass dies keine Anfängerübung ist, denn hier erfolgt ein sehr schneller Wechsel zwischen Mitteltrab und Versammlung.

Stangenarbeit_01

Ich hoffe ich konnte euch mit diesem Beitrag den Mitteltrab und die entsprechenden Übungen etwas näher bringen, möchte euch aber trotzdem darauf hinweisen, dass dieser Beitrag natürlich nicht den Reitunterricht ersetzt.


Merken

Merken

Sharing is caring...
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+