Als ich sie kennenlernte, erklärte sie mir stolz, dass sie reitet, momentan eine Reitbeteiligung hat, aber sich irgendwann ein eigenes Pferd kaufen möchte. Die Sache mit dem eigenem Pferd nahm ich erst einmal nicht weiter wahr, sondern hinterfragte mit großen Augen, was eine Reitbeteiligung ist. Nach einer halbstündigen Erklärung ihrerseits wusste ich nicht nur was eine Reitbeteiligung genau ist, sondern auch Name, Rasse und sämtliche Eigenheiten des Vierbeiners. Bereits in diesem Moment hatte ich den leisen Verdacht, dass Pferde eine etwas größere Rolle in auch meinem Leben einnehmen könnten, aber was tut man nicht alles für die Liebe? Im Endeffekt finde ich es ja auch klasse, wenn sich jemand so sehr für etwas begeistern kann, sie ein festes Hobby hat und ich zukünftig noch genug Zeit für meine eigenen Hobbys habe.

Sie kümmerte sich also an 2 bis 3 Tagen in der Woche um ein Pferd, welches ihr nicht gehörte und berichtete mir von ihren Erfolgen und Misserfolgen. Mit großer Euphorie und das schlimmste: Tageszeitunabhängig. Wenn ihr die Lösung für das Problem „der mangelnden Durchlässigkeit“, was auch immer das ist, nachts kam, dann war ich mit Sicherheit der Erste, der davon wusste. Nein, nicht am nächsten Morgen. Sofort.

Irgendwann stand die Frage nach einem eigenen Pferd für sie im Raum. Um genau zu sein, war es keine Frage an mich oder eine Entscheidung, die ich treffen sollte. Die Entscheidung war natürlich bereits gefallen. Ich sollte nur kurz zustimmen. Wahrscheinlich damit sie die Gewissheit hatte, auch zukünftig mein Gehirn mit noch mehr Pferdezeug füttern zu können. Ich murmelte ein „Ja, das war ja zu erwarten“ um kurz darauf ein wütenden Blick zu ernten. Aus ihrer Sicht, freute ich mich nicht genug. Also freute ich mich.

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Kurz darauf zog ihr eigenes Pferd bei uns ein und während ich anfangs noch glaubte, es sei ja auch nur eine Pferd wie ihre Reitbeteiligung, begriff ich in den nächsten Wochen, dass sich zweifelsohne alles änderte. Und zwar wirklich alles. Sie war jetzt Pferdebesitzerin. Von heute auf morgen war sie jeden Tag im Stall und ich bekam noch mehr Pferdegeschichten zu hören. Anfangs dachte ich noch, dass es in ihrer Natur liegt aus jedem Zucken des Pferdes einen Elefanten zu machen, später stellte ich fest, dass es sich hierbei um ein Reiterinnen Problem handeln musste. Die sind alle so!

Wöchentlich landen Schabracken und Bandagen in unserer Waschmaschine und nicht selten klebten auch im Folgewaschgang noch Pferdehaare an meinen eigenen Kleidungsstücken. Mittlerweile habe ich ihr beigebracht danach einen Leerlauf zu machen. In unsere Küche kann man die Entstehung eines Pferdefutters nachvollziehen und in der Speisekammer liegen neben den Konserven, Säcke mit Pferdefutter. Unser Flur ist geziert von Streu- und Heuresten, die außerordentlich gut an den Socken haften. Im Schrank musste eine Ecke für „Pferdesachen“ geschaffen werden. Dass diese Ecke mittlerweile meinen eigenen Platz im Kleiderschrank sehr nahe kommt, traue ich mich schon gar nicht mehr zu erwähnen. Ganz abgesehen davon, dass es mir bis heute schleierhaft ist, warum das Pferd mehr Schabracken braucht, als ich Hosen habe. Dann ist da noch unser Kontostand. Er sinkt. Stetig. Mehr ist dazu nicht zusagen. Bleibt noch das Auto. Nachdem das Pferd eingezogen war, musste ein neues Auto her. Eines mit Hängerkupplung. Im Übrigen sieht unser Auto mit Hängerkupplung so aus, als würde das Pferd dort und nicht im Stall wohnen. Auch hier dachte ich anfangs sie sei besonders unordentlich. Fehlanzeige. Reiterautos sehen so aus.

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Seit dem das Pferd bei uns eingezogen ist, habe auch ich eine neue Aufgabe bekommen. Ich bin Turniertrottel, kurz TT. Das ist etwas ganz tolles, hieß es anfangs. Um genau zu sein, bedeutet es am Wochenende zu unmenschlichen Zeiten auf einem Turnierplatz zu stehen. Wetterunabhängig. Aber was sollte ich schließlich an einem Sonntagmorgen um 7 Uhr auch alternativ machen? Ganz nebenbei bin ich neben dem TT noch Filmemacher und Fotograph. Immerhin muss jeder Ritt für die Nachwelt festgehalten werden.

Außerdem bin ich noch Tierarzt und Mistboy geworden. Ich habe die große Ehre mir jede Schramme des Pferdes anzuschauen und ein Urteil abzugeben. Anschauen muss ich. Meine Meinung sagen auch, aber meist ruft sie dann doch den Tierarzt. Und unser Kontostand sinkt weiter. Ach ja, und wenn wir schon mal im Stall sind um etwaige Schrammen zu betrachten, dann können wir doch gleich mal misten? Was so viel bedeutet wie, ich miste und sie putzt das geliebte Pferdchen.

Beschweren darf ich mich nicht.

Dann heißt es: „Du wusstest doch was auf dich zu kommt.“

„Nein, ich wusste es nicht!“

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Titelbild von: Fotomanin


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