Je nach Beliebtheitsgrad wird der Haflinger auch “Edelweißreiner”, “Alpenpanzer” oder “Weißwurstreserve” genannt…

…der weibliche Haflinger wird in Bayern ausschließlich für den Eigenbedarf produziert. Dabei fällt sozusagen als “Abfallprodukt” eine etwa gleich große Menge an männlichen Haflingern an. Diese ungeliebten “Gelben Säcke” werden alljährlich zum 10 fachen Schlachtpreis + Versandkosten + Bearbeitungsgebühr + Mitleidszuschlag (also echte “Schnäppchen”!!!) an ahnungslose Freizeitreiter verschachert. Zur Grundausstattung des bayrischen “Exportschlagers” gehört ein Halfter aus Strohbändern und ein Kälberstrick. Im Preis enthalten sind auch etwa 297 Würmer (kommt ja auch auf die inneren Werte an!!!)

Der Haflinger hat eine schwere Kindheit (Herdenhaltung/ Berge). Er ist es gewohnt immer hinter anderen herzulatschen. Aufgrund dessen ist er nicht in der Lage Vorne zu laufen und kann auf gar keinen Fall alleine bleiben. Es wird dringend davon abgeraten, ihn bei Ausritten alleine im Stall zurück zu lassen, besonders nicht in Holzställen. Aufgrund seines hohen ”Kampfgewichts” ist der Haflinger in der Lage sogar massive Bongossiställe innerhalb kürzester Zeit zu zerlegen. Um die üblichen (z.T. mit Strohbändern zusammengetüdelten) Bretterbuden von Freizeitreitern in ein Trümmerfeld zu verwandeln, benötigt er gerade mal 10 Sekunden!!! Auch beim Anbinden und Hängerfahren kommt zeitweilig seine zerstörerische Ader durch. Ein doppelt gepanzerter Hänger und ein 3 m tief eingelassener Anbinder machen da durchaus Sinn. Aufgrund eines Gen-Defekts ist er außerdem in der Lage ohne jegliche Anzeichen von Schmerzen und ohne das kleinste Zucken durch 5-reihige Stromzäune zu marschieren. Beim Fressen ist er sehr besitzergreifend und sollte nicht gestört werden. Hierbei ist ein ausreichender Sicherheitsabstand einzuhalten. Die Essenszufuhr sollte möglichst nicht länger als 3 Minuten unterbrochen werden. Der Haflinger ist außerdem in der Lage jeden noch so kleinen Kraftfuttervorrat zu orten und in Rekordzeit zu “inhalieren”. Auf Turnieren sind seine “nicht vorhandenen“ Tischmanieren besonders ärgerlich, wenn er versucht mit seinem grün-triefenden Sabbermaul imaginäre Leckerlies aus deiner weißen Bluse zu fummeln.

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Auch den Haflinger gibt es in 2 Ausführungen:

1. Der “Haflinger vom alten Schlag”

Er hat an jeder Ecke ein Bein, ist extrem adipös und mit riesigen flachen Tretern ausgestattet, die auch in der norddeutschen Moorlandschaft nach wochenlangen Dauerregen nicht einsinken. Aufgrund einer rassebedingten Koordinationsschwäche platziert er diese auch gerne auf den Füßen seiner Besitzer. Passend (zum norddeutschen Wetter) befindet sich auf seinem Rücken eine Art Regenrinne. Er ist schwerfällig, Begriffsstutzig und extrem leichtfuttrig. Er wiegt bei Rehe im Endstadium bis zu 800 Kilo. Er wird quasi schon fett, wenn man ihn längere Zeit vor einer grünen Wand parkt. Gekauft wird er vornehmlich von älteren Hobbybauern mit Hut und Handstock , bei denen er 7 Tage / 24 Stunden auf einer fetten Wiese zwischen den Ackergeräten rumsteht/liegt (Rehe), anstatt sie zu ziehen.

Manchmal landet dieses Ur-Modell an Haflinger auch in einer Reitschule. Dort sieht man ihn oft in folgender Kombi: Noble Eskadron Schabracke + 25 jährigem ausgelutschtem Rippsattel , der auf seinem Rücken anmutet wie ein einzelnes Tischset auf einer Rittertafel. Aufgrund der ausgeprägten Fettleibigkeit kann dieses Set nur mit Hilfe von Vorderzeug und Schweifriemen mittig fixiert werden. Der lange , etwas schmuddelige Kötenbehang schaut unten aus den rosa Bandagen raus und die Mähne , die bei diesem Typ Haflinger so fluffig aussieht wie weichgespült ist meistens zu einem (misslungenem) Mozartzopf geflochten. Man sieht kleine Mädels mit Storchenbeinchen in der neusten HV-Polo Kollektion, die sich (im Spagat) auf diesem gelben Koloss abmühen. Ihre (karierten) dünnen Beinchen rotieren dabei wie Windmühlenflügel, was aber genauso sinnlos ist, wie irgendwelche Lenkversuche zu starten, da Richtung und Geschwindigkeit bei diesem Modell ausschließlich vom Vorpferd bestimmt werden (siehe Kindheit/Herdenhaltung). Aufgrund der enormen Futtermenge muss er während einer einzigen Reitstunde bis zu 5 mal äppeln. Dabei kommt es vermehrt zu “Auffahrunfällen”, da er in Ausübung seiner Tätigkeit ein “Stand-WC” bevorzugt. Bei den kleinen Mädels ist er trotzdem recht beliebt, da er einfach zu faul ist zum Bocken und all die albernen Spielchen wie anmalen, flechten und “Einhorn spielen” (natürlich nur im Tausch gegen Unmengen Leckelies….) gerne mitspielt. Seine älteren Reitschüler dagegen, hört man fast die gesamte Unterrichtsstunde leise vor sich hin fluchen.

2. Der Edelbluthaflinger

Er ist das genaue Gegenteil. Durch das Einkreuzen von Arabern wurde hier der ehemalige “Ackergaul”(zumindest optisch) aufgewertet. Allerdings ist hierbei die Eleganz und das Temperament des Arabers gepaart mit dem IQ des Ursprungsmodels Haflinger einfach nicht kompatibel. Käuferzielgruppe sind hier ca. 15 jährige Mädels, die sich erst kürzlich von ihren Barbiepferden getrennt haben, die sogenannte “Wendyfraktion”. Die Erziehung dieses Edel- Models mit weißer Walle-Mähne und Komplett-Ausstattung in Glitter/Pink gestaltet sich recht schwierig, da mit den rosa Flausche-Halftern von „Hello Kitty“ keinerlei Einwirkung möglich ist. Erschwerend kommt hinzu, das dazu auch nur eine Hand frei ist. In der anderen Hand der Mädels befindet sich nahezu dauerhaft das aktuellste iPhone! …oder ne Kippe… Spätestens als Jährling , kurz bevor er zur ”Gelben Gefahr” mutiert, wird der beratungsresistente Jüngling kastriert. Dabei ist er sogar in der Lage (einmalig) zu jodeln. Zusammen mit anderen “Tussenpferden” wie Friesen, Barockpintos und Tinkern bewohnt er einen “Offen”-Stall (“zu” geht ja nicht) mit anschließendem Paddock. Der Zaun ist eine gelungene Kombination aus Strom, Stacheldraht, Baustahlmatten und Strohbändern. Geritten wird er ausschließlich gebisslos mit baumlosen Pappsätteln, natürlich pferdeschonend ohne Sporen und Gerte. Aufgrund dessen reiten die Mädels auch quasi immer einhändig. Mal mit Handy. Mal mit Kippe. Mal mit “Gips”.

Manchmal landet dieses elegante Model auch versehentlich (die “Gelben Säcke” sehen ja anfangs alle gleich aus) bei besagtem Hobbybauern mit Hut und Handstock. Diese “Irrläufer” schaffen es innerhalb kürzester Zeit sogar bis in die Bildzeitung oder ins Internet . Auf den Fotos der Presse sieht man dann oft eine bis zur Unkenntlichkeit zerstörte Kutsche im Straßengraben liegen, mehrere Rettungswagen mit Blaulicht, viele Schaulustige und einen stark lädierten Hobbybauern (diesmal ohne Hut und Handstock) durchs Bild kriechen. Und wenn man dann noch mal ganz genau mit der Lupe hinschaut , sieht man auf diesen Fotos, ziemlich weit entfernt am Horizont, den quietschfidelen Edelblut-Hafi in den restlichen Bestandteilen seines Kutschgeschirrs ,friedlich grasend mit unschuldigem Blick in die Kamera grinsen.

Noch ein kleiner Tip: Wenn euer “Anton aus Tirol” mal wieder zu viel Eigendynamik entwickelt, droht ihm einfach mit der Müllabfuhr. Die holt “Gelbe Säcke” kostenlos ab…


Vielen Dank an Birgit Groenewold für diesen Beitrag!


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