Um 6:15 betrat ich die Stallgasse. Man hätte fast meinen können, es geht auf ein Turnier, aber nein, wir fuhren zum Springlehrgang bei Philipp Dehning. Für mich sind diese Lehrgänge eine gute Möglichkeit mal über den Tellerrand zu schauen und gleichzeitig das Feeling eines Auswärtstraining zu genießen. Noch dazu kommen die Unterbauten, Planken und die mächtigen Fänge, was Keks von zu Hause so gar nicht kennt, uns auf dem Turnier aber jederzeit begegnen könnte.

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Tag 1 – Lage abchecken

Wenn ich Tag 1 in einem Satz zusammenfassen müsste, dann würde ich sagen: Ich checkte die Lage ab. Ich saß um kurz nach 8 Uhr, bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein, auf dem Pferd und ritt ab. Zum Warmspringen ging es über ein Kreuz und einen Sprung mit wellenförmiger Planke. In strahlendem Weiß, und durch die Sonne, strahlte uns der Sprung gleich noch mehr an. Ich ritt an und Keks entschied kurz vorher abzubiegen. Zweiter Versuch. Er sprang, alles gut. Es war wieder voll und ganz mein Fehler. Wie die meisten von euch mittlerweile wissen, ist Keks kein Selbstläufer im Parcour, sondern braucht klare Ansagen. Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich den strahlenden Sprung zögernd angeritten und schwupps war es passiert.

Danach erarbeiteten wir uns Stück für Stück den Parcour. Mein Highlight war die Mauer. Noch nie zuvor bin ich eine Mauer gesprungen. Und Keks? Der sprang als wäre er nie etwas anderes gesprungen. Zum Abschluss sprangen wie den kompletten Parcour. Ich bekam die Distanz und die Kombi passend hin, flog über die Mauer und freute mich am Ende auf den nächsten Tag.

Tag 2 – Durchstarten

Eines kann ich direkt sagen: der zweite Tag war definitiv der Bessere. Der Parcour war heute etwas anspruchsvoller, denn es gab eine Kombi mit zwei Galoppsprüngen, eine Distanz mit 3 Galoppsprüngen, eine weitere mit 5 Galoppsprüngen und einen Wassergraben, wobei ich diesen aber nicht als Problem sah. Außerdem waren die Einsprünge und der allererste Sprung, Oxer, was auch etwas ungewohnt war.

Wie gestern sprangen wir uns erst ein bisschen ein und erarbeiteten uns dann Stück für Stück den Parcour. Die 3er Distanz bekam ich von Anfang an hin, bei der 5er, ritt ich beim ersten Versuch einen Galoppsprung zu viel. Der letzte Sprung war der Wassergraben. Da es ja doch etwas anderes war, durfte Keks sich diesen erst einmal anschauen. Als ich anritt, war er schon etwas zögerlich, ich zur Abwechslung aber mal nicht, und so kamen wir auf der anderen Seite an. Yes!

Danach sprangen wir den kompletten Parcour: 12 Sprünge am Stück! Es ging los mit einem Oxer, den ich als ersten Sprung gar nicht so einfach fand und unpassend hinkam. Danach, leider im flüssigen Außengalopp, weiter auf einen Steilsprung und anschließend über die Mauer. Die Mauer hatte mittlerweile noch zwei Stangen obendrauf und Keks wurde zu Keksi Airlines. Weiter ging es auf der rechten Hand in die Kombi, erst ein Oxer, dann ein Steil und in einem Bogen auf den „Japaner“. Ein weiß-roter Sprung mit einem Gatter drunter, der an sich kein Problem war, aber ich fand ihn gar nicht so einfach anzureiten. Als nächstes folgten die erste Distanz mit 3 Galoppsprüngen und dann die zweite mit 5 Galoppsprüngen. Während ich bei der ersten Distanz, Keks eher etwas aufnehmen musste, so musste ich bei der zweiten vorwärts reiten, damit es wirklich 5, und nicht 6, Galoppsprünge wurden. Auf der rechten Hand ging es zu dem weißen Wellensprung, der uns heute keine Angst mehr einjagte und dann waren wir auf der Ziellinie Richtung Wassergraben. Keks war bis hierhin so unfassbar gut gesprungen, galoppierte frisch vorwärts und stellte nichts in Frage. Deswegen hatte ich damit auch nicht gerechnet! Da legte er doch tatsächlich vor dem Wassergraben einen Stopp ein, stand und guckte, als wolle er sagen, was ist das denn? Wie ärgerlich! Ich wendete ab, ritt erneut an und erst dann kamen wir auf der anderen Seite an.

Trotz, dem einen Steher, bin ich stolz. Unfassbar stolz! Gestern Abend habe ich mir ein altes Video von meinem allerersten Springlehrgang bei Philipp angeschaut und musste schmunzeln. Das was wir damals gesprungen sind, wo ich so stolz drauf war, waren im Grunde genommen nur Cavalettihöhen. Jeder hat mal klein angefangen, auch ich. Und nun stellt sich die sarkastische Frage: Wenn uns das Dressurreiten zu kompliziert ist, sollten wir dann auf die Springplätze wechseln!?


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