Immer wieder lese ich von Sportpferden, die in ihrem Leben hauptsächlich in der Halle oder auf dem Reitplatz geritten bzw. trainiert werden. Das ist unglaublich schade, denn gerade das Gelände bietet optimale Trainingsmöglichkeiten für alle Disziplinen. Dabei ist es manchmal sogar egal ob ich auf dem Pferd sitze oder nebenher laufe, es gibt immer einen gewissen Trainingseffekt. Natürlich gibt es auch Reiter, die „einfach nur“ ausreiten gehen und im Schritt durch die Gegend gondeln.

Mit einem kleinen Trainingsgedanken dahinter, kann aber die pure Entspannung auch zu einer effektiven Trainingseinheit werden. Natürlich ist es eine Grundvoraussetzung, dass das Gelände auch die verschiedenen Möglichkeiten bietet. Da dies nicht immer und überall der Fall ist, achte ich bei der Stallwahl nicht nur auf eine tolle Halle, sondern ebenfalls auf die Ausreitmöglichkeiten. Nichtsdestotrotz, kann man auch in einem nicht so optimalen Gelände einiges anstellen.

Klettern

Klettern kann man einerseits bergauf und andererseits bergab. Steile, kurze Hänge werden dabei am besten im Schritt genommen. Langgezogene, nicht gar so steile Hügel eignen sich sehr gut für schnellere Gangarten.

Für ein derartiges Training, sollte der Boden gut und griffig sein. Ein Pferd wiegt nun mal einiges und mit einem Reiter auf dem Rücken wird es nicht weniger. Wenn der Boden unter den Hufen wegrutscht, kann aus dem gut gemeinten Trainingsziel schnell eine Gefahr werden. Deshalb konzentriere ich mich beispielsweise nach verregneten Tagen lieber auf andere Aspekte des Ausreitens. Ist der Boden trocken genug, wage ich mich gerne auch an einen steilen Berg. Wichtig ist hierbei, die Pferde nicht eilig werden zu lassen. Sie bilden sich nämlich gerne ein, dass der anstrengende Teil ja schneller vorbei ist, wenn sie schneller nach oben kommen. Bei solchen Kandidaten bietet es sich an, die Berge zunächst vom Boden aus zu erklimmen. Dieses langsame Grundtempo zählt für alle drei Gangarten, da nur so die verschiedenen Muskelpartien trainiert werden.

Womit wir schon zum eigentlichen „Warum überhaupt?“ kommen. Ganz abgesehen davon, dass es wirklich großen Spaß macht einen Hügel hochzugaloppieren, stärkt es die Sehnen und Gelenke des Pferdes und trainiert vor allem viele Teile der Muskulatur. Insbesondere beim Bergaufreiten hat die Hinterhand einiges an Gewicht zu schieben, was zu einem tollen „Knackpopo“ und einer aktiven Hinterhand führt. Aber auch die Trittsicherheit und die Balance der Pferde werden geschult und verbessert.

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Konditionstraining

Viele Reiter, die sich oft im Gelände aufhalten, lieben lange Galoppstrecke. Steht bei einigen vielleicht der Spaßfaktor im Vordergrund, so sehe ich das als effektives Konditionstraining an. Auch Pferde die nicht in der Vielseitigkeit starten brauchen eine gute Kondition, denn auch ein Dressurpferd macht sonst am Turniertag schlapp. Eine tolle Möglichkeit ist es natürlich, wenn man für ein derartiges Training auf die Rennbahn gehen kann, allerdings haben die wenigsten Reiter das Glück eine am Stall zu haben.

Langgezogene, ebene Galoppstrecken sind nahezu perfekt für ein gutes Konditionstraining. Wichtig ist dabei, dass man sein Pferd immer unter Kontrolle hat, bevor man das Tempo vielleicht einmal erhöht. Die ist tatsächlich ein wichtiger Punkt an dem Aarlon und ich immer noch arbeiten müssen. Kondition bedeutet auch, die Energie nicht gleich am Anfang komplett zu verbraten, sondern sie einzuteilen. Da wir nur eine, aber dafür sehr lange, Galoppstrecke am Stall haben, galoppieren wir oft auch mehrere Strecken nacheinander. Bei so einem Ausritt mit viel Galopp wird nicht nur Aarlons Kondition gestärkt. Meine auch!

Eindrücke sammeln

Der größte Pluspunkt am Ausreiten ist, dass die Pferde viele neue Eindrücke sammeln. Dazu reite oder führe ich gerne auch mal durch ein Dorf, damit mein Pferd möglichst viel zu sehen bekommt. Häufig ist man bei so einer Runde viel im Schritt unterwegs, aber es kann gut sein, dass das Pferd danach total müde ist. Je mehr neue Eindrücke es gesammelt hat, desto mehr muss es geistig verarbeiten, was mindestens genauso anstrengend ist wie ein langer Galopp. Vor allem bei unsicheren Pferden bietet es sich anfangs an spazieren zu gehen, statt zu reiten. Vielen Pferden fällt es leichter dem Menschen Vertrauen zu schenken, wenn er vor ihnen läuft, statt auf ihnen sitzt. Die vielen neuen Eindrücke helfen dem Pferd auch in anderen Situationen mit neuen Dingen besser umzugehen. Dies ist insbesondere für Turnierreiter sehr hilfreich, denn Pferde die im Alltag viel erleben, sind in einer fremden Umgebung häufig entspannter.

Für mich ist ausreiten nicht einfach nur „ausreiten“ und für Aarlon ist ein Ausritt häufig kein Erholungstag. Ich kann nur jedem Reiter nur empfehlen regelmäßig ins Gelände zu gehen, da es die Pferde zum einen fitter macht und zum anderen Abwechslung bringt. Und ganz nebenbei haben Reiter und Pferd jede Menge Spaß.


Gastbeitrag von Mia

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