Was Springturniere in diesem Jahr betrifft, so war es mein ursprünglicher Plan, zunächst langsam anzufangen. Erst einmal Keks, und vor allem mich selbst wieder, an die Turniersituation zu gewöhnen, am besten mit einem Springreiterwettbewerb oder einem E-Springen. Auf gar keinen Fall höher! Immerhin sind wir erst zwei E-Springen geritten! Eines im letzten Jahr in Moosburg und das Zweite, Anfang des Jahres im Rahmen des Reitabzeichens.

Das die Turniersaison im Springen in Au starten sollte, war recht schnell klar. Als die Ausschreibung raus kam, ließ ich mich von einer Freundin überzeugen das E und A Springen zu melden. Zugegebenermaßen, so viel Überzeugungsarbeit war gar nicht notwendig. Im A Springen erwarteten mich 95 cm, eine Höhe, die wir zwar schon gesprungen sind, aber Routine haben wir in dem Höhenbereich noch lange nicht und erste Zweifel kamen bei mir auf. Ich hatte unendlich viel Angst mit nur einem Turnier das gesamte bisherige Training kaputt zu machen, indem ich Keks mit Dingen überforderte, denen wir vielleicht noch nicht gewachsen waren. Auf der anderen Seite wusste ich ganz genau, was wir können und das die Zweifel nur in meinem Kopf waren. Den Kopf einfach ausschalten, reiten, von Hindernis zu Hindernis, bis ins Ziel.

Weiß wie meine Reithose

Am Turniermorgen ging es mir unglaublich schlecht. Ich konnte nichts essen, ich musste ständig die Örtlichkeiten aufsuchen. Wie sagte meine Stallkollegin? „Claudia, du siehst aus wie deine Reithose.“ Weiß. Mit zittrigen Fingern flechtete ich Keks die Mähne ein.

Mehr als einmal sagte ich mir selber, dass ich mich beruhigen muss und alles gut werden wird. Keiner würde mich zwingen den Parcour zu Ende zu reiten, wenn ich das nicht will, weil ich beispielsweise bereits am ersten Sprung merke, dass es nicht geht. Aus welchen Gründen auch immer. Keiner würde mich zwingen in das A-Springen einzureiten, wenn ich im E schon ein ungutes Gefühl hatte.

Björn, der mich zweifelsohne am besten kennt, lachte mich nur fröhlich an: „Du wirst schon beides reiten und ganz sicher nicht frühzeitig den Parcour verlassen.“

E-Springen

Das E-Springen war wirklich freundlich gebaut, ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Da es ein WBO Turnier war, wo in der Regel alles etwas entspannter gesehen wird, durfte man sogar mit Pferd im Schritt den Parcour besichtigen. Das tat ich natürlich auch und Keks machte einen gelassenen Eindruck.

Auf dem Abreiteplatz änderte sich die Situation allerdings. Er verkrampfte jeden Muskel, ließ im Rücken nicht los, zuckte bei jedem „Steil frei!“ zusammen und ich hatte streckenweise Probleme ihn vorwärts zu reiten. Ich sprang lediglich 2-3 mal den Oxer und Steilsprung von jeder Hand, danach hatte sich Keks innerlich von mir verabschiedet. Ich war nur noch als Beifahrer dabei und all meine Bemühungen seine Aufmerksamkeit zurückzubekommen, waren vergeblich.

Ich ritt in den Parcour ein, mehr oder weniger gefühllos. Was hätte ich jetzt noch ändern können? Nichts. Ich grüßte, ritt an und konzentrierte mich auf das, was nun vor uns lag. Keks sprang eine ordentliche Runde, ohne irgendwo zu zögern, aber er war nicht komplett bei mir. Er sprang im Galopp nicht richtig durch und war leider nach dem Sprung mehrfach im Kreuzgalopp, nach Sprung 2 unglücklicherweise über eine recht lange Strecke. Das altbekannte Problem, nicht gerade positiv in einem Stilspringen.

Am Ende gab es eine 6,9 für uns, womit wir noch gerade so platziert waren. Ich war natürlich froh, dass Keks alles ganz brav gesprungen ist, dennoch hätte ich mir gewünscht ihn besser bei mir zu haben, um schlussendlich einen sauberen Ritt zu zeigen.

 

A-Springen

Nach dem E-Springen, auch wenn es nicht ganz so gut war wie ich mir erhofft hätte, war dennoch auch für mich klar, dass ich das A reiten werde. Der Parcour war ebenfalls sehr freundlich gebaut, es waren lange Wege zu reiten und es gab zu meiner Freude keine Unterbauten. An den Oxern ging ich sehr schnell vorbei, nur um nicht wieder direkt in Panik zu verfallen. Ein Seitenblick meinerseits hatte ausgereicht um zu registrieren, dass ich noch nie derartige Oxer gesprungen bin. Die Höhe ja, die Weite nein. Meine Devise: nicht hinschauen, nicht drüber nachdenken, wir können das.

Ich war als 3. Starter gleich am Anfang dran, dennoch wollte ich auf dem Abreiteplatz noch 1-2 Sprünge nehmen. Was sich beim Abreiten für das E Springen schon angedeutet hatte, bestätigte sich jetzt. Keks war auf dem Abreiteplatz nervös, ich kam nicht zum reiten und an Springen war überhaupt nicht zu denken. Als der erste Reiter im Parcour war, stand Keks am Ausgang vom Abreiteplatz und ließ sich nicht mehr abwenden, stattdessen ging er in die Luft. Er deutete sein Steigen erst ein paar Mal an, als ich dann energischer wurde, steig er deutlich höher. Ich konterte, in dem ich noch energischer wurde und er ging endlich vorwärts. Ich ritt noch einmal im Schritt über den Abreiteplatz, mittlerweile war der 2. Starter im Parcour, und haderte mit mir selbst. Sollte ich wirklich einreiten? Ich hatte das Gefühl, dass Keks Nerven bis zum Zerreißen angespannt waren. Überforderte ich ihn gerade? Oder waren es wieder nur meine Gedanken, die mir im Wege standen?

Ich klopfte Keks am Hals, flüsterte ihm zu, dass wir das jetzt durchziehen und ritt in den Parcour ein. Auf dem Weg zum ersten Sprung, merkte ich, dass Keks tausendprozentig bei mir ist. Ich hatte ihn am Sitz, er sprang jeden Galoppsprung durch und ich schmiss meine letzten Zweifel über Bord. Das wird unsere Runde! Es war soweit, ich ritt, von Hindernis zu Hindernis, bis ins Ziel und es hat sich unglaublich gut angefühlt. Wir haben unser erstes A-Springe gemeistert, fassungslos schüttelte ich beim Verlassen des Parcours den Kopf. Wir haben es geschafft. Zusammen!

In der Ehrenrunde…

Im A sind wir mit einer Wertnote von 7,5 auf dem 3. Platz gelandet. Bei der Siegerehrung war Keks erneut sehr angespannt. Er wollte nicht still stehen, setzte sich immer wieder auf die Hinterhand und hebte vorne leicht ab. Nicht hoch, aber mittlerweile kenne ich seine Andeutungen. Dann galoppierten die zwei Reiterinnen vor mir los. Keks ging verhältnismäßig brav hinterher, bis wir in die obere Ecke kamen. Die Musik war laut, die Zuschauer applaudierten, dann überholte uns ein Pferd von hinten, Keks rannte mit und steuerte direkt dem Ausgang entgegen. Ich konnte weder lenken noch bremsen, Einwirkung gleich null. Anders gesagt, er ist mir durchgegangen.

Fazit

Ich bin natürlich überglücklich! Das steht völlig außer Frage, aber dieses Turnier hat mir deutlich gezeigt, wo die Schwächen liegen und woran wie weiter arbeiten müssen. Das Springen an sich ist nicht mehr das Problem. Hier sind wir mittlerweile an dem Punkt, dass wir uns irgendwo gegenseitig vertrauen und die Hürden, im wahrsten Sinne des Wortes, meistern. Anders sieht es auf dem Abreiteplatz aus, wo ich nicht zum reiten gekommen bin und vor dem A nicht einmal abspringen konnte. Das geht natürlich nicht und daran müssen wir arbeiten, was logischerweise nicht ganz einfach ist, da sich eine Turniersituation nicht nachstellen lässt. Aber bei meinem nächsten Springturnier, liegt der Schwerpunkt auf dem Abreiteplatz und nicht in der Prüfung.

Au_6

Fotos: Foto Tusche


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