Nach fast zwei Jahren Turnierluft Geschnupper auf WBO Ebene, war eines meiner Ziele für dieses Jahr auf LPO Turnieren zu starten. Das entscheidende dafür war der Erwerb des Reitabzeichens Klasse 5 (RA5) in beiden Disziplinen, Springen und Dressur, mit Keks. Anfang Januar war es dann soweit und ich hatte mein RA5 in der Tasche (hier geht es zum Bericht). Danach beantragte ich die Jahresturnierlizenz, lies Keks fortschreiben und bekam meine persönlichen FN Neon Daten zum Nennen von Prüfungen. Kurz darauf nannte ich mein erstes LPO Turnier: eine Dressurreiter A und eine A-Dressur Prüfung. Ich war unglaublich gespannt! Bei LPO Turnieren sind in der Regel deutlich mehr Reiter am Start als auf WBO Ebene, sowie mehr Profis. Wie würden wir wohl abschneiden? Zugegebenermaßen bin ich auf WBO Ebene etwas verwöhnt, was die Platzierungen betrifft, um genau zu sein, gab es bisher keine Dressurprüfung in der ich nicht platziert war. Mit dem Schritt in die LPO Ära war ich überzeugt davon, dass sich dies nun ändern würde und ich rechnete damit mich im unteren Drittel wiederzufinden – Keks war diesbezüglich komplett anderer Meinung und katapultierte uns auf den 1. und 5. Platz, was gleichzeitig unseren ersten Sieg überhaupt bedeutete.

Dressurreiter A: Aufgabe RA1

Die Prüfung fing um 7:30 Uhr an, sonntags. Das war er nun also, der Schritt in die LPO Ebene – ich begebe mich zu unmenschlichen Zeiten zum Pferd. Um genau zu sein, klingelte um 3:45 Uhr mein Wecker und um 4:20 Uhr stand ich bei Keks in der Box. Besser gesagt, ich hockte neben ihm, da auch er noch im Land der Pferdeträume war. Einflechten, Hänger einladen und mehrmals voller Nervosität die Örtlichkeit aufsuchen. Fast pünktlich rollten wir vom Hof Richtung Geisenhausen. Na wenigstens war es nun schon hell.

Deutlich später als geplant, saß ich auf dem Pferd und so blieben nur knapp 25 Minuten zum Abreiten. Mir persönlich deutlich zu kurz, aber in dem Moment sah ich die erste Prüfung eher als Erwärmung. Auf dem Abreiteplatz merkte ich auch recht schnell, dass ich kaum eine Chance hatte, Keks locker zu bekommen. Er war, wie eigentlich immer, von den anderen Pferden beeindruckt und machte sich dadurch fest.

Als wir in die Halle einritten, passierte es wieder. Mein lockeres, motiviertes Pferdchen war zurück. Er war komplett und konzentriert dabei, ich hatte ihn an den Hilfen, er schwang im Rücken mit und lies mich dadurch sitzen. Dieses Pferd ist wirklich eine kleine Rampensau. So oft habe ich mir auf dem Abreiteplatz schon gedacht, wir sind hier völlig fehl am Platze und dann in der Prüfung ist Verlass auf ihn.

Die RA1 beinhaltet Lektionen, wie das „Überstreichen im Galopp“ oder „Zügel aus der Hand kauen lassen“. Mit beidem war ich persönlich nicht so zufrieden, wobei letzteres insbesondere beim Zügel wieder aufnehmen nicht ganz so schön war. Das sind die Stellen, an denen es noch an der Durchlässigkeit fehlt und woran ich weiter arbeiten muss. In Dressurreiterprüfungen geht es in erster Linie um den Reiter, also mich. Ich bin so eine Prüfung bisher noch nie geritten, deswegen war ich unheimlich gespannt auf das Protokoll. Meine Gesamtbeurteilung: „Eine Reiterin mit ansprechender Sitzgrundlage, die ihr Pferd wirkungsvoll unterstützen konnte. Unschön ist der unruhige Unterschenkel.“ Bei den allgemeinen Bemerkungen zum Sitz stand noch, dass ich in der Mittelpositur noch nicht ganz geschmeidig bin, während hingegegen meine Hand- und Arm- sowie Kopfhaltung als korrekt eingestuft wurden. Ich persönlich bin mit dieser Beurteilung sehr zufrieden, denn sie gibt mir schlussendlich Hinweise zu Dingen, an denen ich weiter arbeiten muss, worauf ich mich jetzt schon freue.

Am Ende belegten wir in dieser Prüfung mit einer Wertnote von 6,9 den 5. Platz. Ich war an dieser Stelle schon sprachlos, da ich eine Platzierung eigentlich nicht für möglich gehalten hätte.

A-Dressur: Aufgabe A5

Nach der Dressurreiter Prüfung mussten wir eine ganze Weile warten bis wir wieder dran waren. Bei ein paar Grad über dem Gefrierpunkt, war das echt unschön. Für die Dressurprüfung ritt ich deutlich länger ab, insbesondere auch, weil es so kalt war. Ich ging lange Schritt, trabte am hingegeben Zügel. Anfangs war das auch ganz gut und Keks wurde locker, allerdings musste ich ihm dann zweimal im Maul rupfen, da wir sonst von anderen Reitern umgeritten worden wären. Beim zweiten Mal, nahm er es mir dann übel und machte sich wieder fest. Das ist eben der Nachteil, wenn man ein kleines Sensibelchen unter sich hat und A-Dressuren reitet, wo die Abreiteplätze zweifelsohne überfüllt sind und ganz eigene Bahnregeln gelten.

Am Ende war es das gleiche Spiel wie in der Dressurreiterprüfung. Auf dem Abreiteplatz hatte ich keine Chance ein lockeres, über den Rücken gehendes Pferd zu bekommen. In der Halle legte Keks den Schalter wieder um. Das andere Pferd in meiner Abteilung war erst vier, fand die Halle gruselig und wieherte anfangs. Davon lies Keks sich leider etwas beeindrucken und verlor ein bisschen von seiner Leichtigkeit. Zum Glück machte er sich nicht so fest im Rücken, dass ich ihn nicht mehr Sitzen konnte. Im Großen und Ganzen bin ich mit der Prüfung zufrieden, aber es war schon die ein oder andere Stelle, wo ich weiß, dass er es besser kann. Beispielsweise beim „Wechseln durch die Länge der Bahn“ stockte er am Ende ganz kurz oder beim „Viereck verkleinern“ hätte er mehr seitwärts treten können. Den Schritt hätten wir mehr herausarbeiten können und die Anlehnung ist auch noch nicht immer konstant.

Ich bekam eine Wertnote von 7,0 und wusste, dass mir eine erneute Platzierung sicher war. Dass mir diese Note am Ende zum Sieg reichte, damit hätte ich nie im Leben gerechnet. Es war nicht nur mein erstes LPO Turnier, sondern auch mein erster Sieg und ein unglaublicher Start in die Turniersaison 2016. Ich denke jeder kann sich sehr gut vorstellen, wie überglücklich ich war.

Was ich auch total schön fand, war die Tatsache, dass mir nach der Siegerrunde auch von den anderen Teilnehmern gratuliert wurde, was ich auf einem WBO ehrlich gesagt noch nicht erlebt habe. Ich finde es einfach schön, wenn man sich auch für andere freuen kann ohne immer gleich ein Konkurenzdenken oder gar Rivalität aufkommen zu lassen.

A-Dressur


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