Eines meiner Ziele für das Jahr 2017 ist der Trainer C Schein. Warum, wieso und weshalb ich diesen machen möchte, werde ich nochmal in einem gesonderten Beitrag berichten. Für den Trainer C Basis, benötige ich neben den Reitabzeichen der Klasse 4 und 5 (RA4, RA5 – hier gehts zu meinem Bericht vom RA4 und RA5), das Longierabzeichen der Klasse 5 (LA5) und den deutschen Reitpass mit Springen. Das RA4 und 5 besitze ich bereits und den Lehrgang für das LA5 und den Reitpass mache ich gerade auf dem Huberhof in Giesenbach.

Die letzten Lehrgänge habe ich immer alleine gemacht, aber diesmal ist eine liebe Freundin mit ihrem Pferd dabei, und dieses ist Keks Koppelkollege. So macht das ganze gleich doppelt Spaß, auch wenn die Jungs am Samstagmorgen wohl noch geglaubt haben wir machen einen tollen Ausflug zum Grasen, Ausreiten oder so ähnlich. Auf jeden Fall einen Urlaub und nichts anstrengendes.

Nix „Baumstämmchen“

Am Samstagnachmittag hatten wir unser erstes Training für den Reitpass, welches auf der Vielseitigkeitsstrecke stattfand. Da Keks, seit unserer Ankunft in Giesenbach ziemlich aus dem Häuschen war, um nicht zu sagen, er hatte wahrlich „einen an der Klatsche“, sattelte ich ihn schon etwas früher und drehte ein paar Runden auf der Geländestrecke. Spätestens jetzt realisierte er wohl, dass wir keinen Urlaub machen, und zu diesem Zeitpunkt, wusste er noch nicht, dass neben dem Springen im Gelände auch noch richtige Springstunden auf ihn zukommen werden.

Meine Vorstellung der Geländehindernisse waren „Baumstämmchen“, so kannte ich es aus Mainburg und aus den Berichten anderer Reitpass Teilnehmer. Die Geländehindernisse beim Reitpass dürfen zwar bis zu 80 cm hoch sein, sind aber häufig deutlich niedriger. Im Training realisierte ich sehr schnell, dass wir keine „Baumstämmchen“ springen würden, sondern richtige Baumstämme. Richtig fette Stämme. Riesige Stämme. Meine Nerven waren am Boden.

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Ich galoppierte Keks erst einmal durch das Wasser. Das kannte er und ich weiß, dass es ihm Spaß macht. Aber tief im Inneren versuchte ich nur mich selbst zu beruhigen, mir Mut zu zusprechen. Kurz darauf ging es ans Springen. Erst einmal aus dem Trab. Ich gab mir die größte Mühe alle Zweifel über Bord zu werfen, dennoch blieb ein Funken Unsicherheit, wovon Keks sich allerdings nicht beeindrucken ließ. Er sah den Sprung, zog an und trug mich sicher auf die andere Seite. Wow! Das war er nun also gewesen, unser erster Geländesprung. War es schlimm? Nein!

Als ich die letzten Zweifel über Bord schmiss

Es folgten zwei weitere Baumstämme und eine sehr winzige Hecke, durch die Keks mittlerweile ganz gerne einfach mal durchrennt. Damit standen die vier Sprünge für den Reitpass fest. Direkt hinter der Wasserstelle, stand ein typischer Gelände-Steilsprung, der nicht zu den Reitpass Hindernissen gehört. Aber genau dieser Sprung war es, an dem ich immer wieder vorbei ritt und der es mir schlussendlich angetan hatte.

Keks sprang die Baumstämme unheimlich sicher und souverän. Er zögerte kein einziges Mal und all meine Gedanken im Vorfeld waren wieder einmal völlig unbegründet. Manchmal wünschte ich, ich wäre der Schlag von Reiter, der den Kopf ausschaltet und einfach macht. Das bin ich aber nicht und werde ich vermutlich auch nie sein. Aber ich gehöre immerhin zu den Reitern, die sich zwar im Vorfeld den Kopf zerbrechen, was alles passieren könnte, aber es am Ende doch machen und dann den Spaß finden.

Als wir am zweiten Tag mit dem Reitpass Training fertig waren, fragte ich, ob ich diesen einen Sprung hinter der Wasserstelle springen darf. Na klar! Ich ritt aus dem Trab an, versuchte keine Zweifel aufkommen zu lassen und landete auf der anderen Seite. Danach nahm ich den Sprung noch zweimal aus dem Galopp. Es war ein unglaubliches Gefühl! Keks und ich, wir hatten wieder eine neue Aufgabe gemeistert. Nach diesem Sprung hatte ich meine letzten Zweifel komplett über Bord geworfen. Keks macht das, ich kann mich auf ihn verlassen und ihm vertrauen.

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Springtraining Deluxe

Im Vergleich zu meiner heimischen Reitanlage, wird in Giesenbach einiges geboten, unter anderem ein wunderschöner Sandspringplatz. Da das Reitpass Training eher den Charakter eines Ausrittes hat, ging es für uns gestern und heute, in eine zusätzliche Springstunde bei dem Trainer, der uns sonst auch trainiert. Zu Hause haben wir zwar mittlerweile ziemlich viele Stangen und sogar einen Wassergraben, aber richtige Unterbauten fehlen uns. Deswegen war eines der Ziele, Unterbauten zu üben.

Die gestrige Springstunde fing ganz locker mit ein paar Trabstangen an. Es folgten zwei Cavalettis und anschließend ein gelbes Gatter, welches mir ein anfängliches „Oje“ entlockte. Ihr könnt euch sicher denken, was jetzt kommt, mein „Oje“ war natürlich unbegründet. Keks sprang ohne Zögern, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Es folgten diverse Steilsprünge mit Unterbauten, zwischendurch eine Reihe aus vier Sprüngen und ein, aus meiner Sicht weiterer gruseliger Sprung, der mir selbstverständlich ein weiteres „Oje“ entlockte. Hier war es kein Unterbau, sondern eine Plane, die über die Stange bis auf den Boden hing – kein Thema für Keks.

Zum Abschluss sollte ich noch einmal die Reihe springen. Gesagt, getan. Ich galoppierte an und Sprung 1 – hopp, Sprung 2 – hopp, Sprung 3 – hoppla, da fiel die Stange und Keks bekam diese zwischen seine Beine, was dazu führte das wir über Sprung 4 nur noch irgendwie rüber plumpsten und ich den Salto vom Pferd geübt habe. Außer vielleicht einem kleinen Schreck, ist uns nichts passiert und wir sind die Reihe danach auch nochmal ohne Stolpern, Plumpsen und Fallen gesprungen! Eines muss man dem Giesenbacher Boden lassen, im Vergleich zur heimischen Springwiese, ist er schön weich. Natürlich kann so etwas auch mal anders ausgehen und ich möchte auf gar keinen Fall Stürze klein und nichtig reden, aber ich sage immer, wer auf ein Pferd steigt, muss damit rechnen auch mal herunterzufallen. Und insbesondere beim Springen ist die Wahrscheinlichkeit höher, mal einen Abgang zu machen, aber das gehört dazu.

Im zweiten Springtraining arbeiteten wir wieder mit den Unterbauten, legten aber einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Wege und die Rittigkeit. Zum Abschluss sprangen wir einen kleinen A Parcour und ich war danach überglücklich. Das Training hat unglaublich viel Spaß gemacht und heute kam keine einziges „Oje“ über meine Lippen. Ich bin wirklich dankbar einen Trainer an meiner Seite zu haben, der mit meiner Sensibilität umgehen kann, uns trotzdem fordert und vor allem sehr genau einschätzen kann, wo unsere Grenzen liegen. Ich kann mich noch sehr gut an die ersten Springstunden erinnern. Er sagte: „Ihr müsst Freunde werden.“ Ich sage jetzt: „Wir sind Freunde.“ Und ich werde immer daran arbeiten, dass unsere Freundschaft noch enger wird, dass wir uns irgendwann in und auswendig kennen.

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