Noch etwas in eigener Sache: Die folgenden Blogbeiträge über das Reiten in der Schwangerschaft und die Zeit danach mit Baby, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen und keine allgemeingültigen Empfehlungen. Ich will mit meinen Beiträgen weder zum Reiten in der Schwangerschaft animieren noch davon abraten. Man muss immer bedenken, dass jede Schwangerschaft anders verläuft, dass jede Frau und auch jedes Pferd anders sind. Schlussendlich muss jede Frau selbst entscheiden, was gut für sie ist und was nicht.

1. Fragt nur einen Menschen um Erlaubnis

Solltet ihr euch für das Reiten während der Schwangerschaft entschieden haben, dann besprecht eure Entscheidung mit nur einem Menschen. Und zwar dem werdenden Papa. Immerhin ist er maßgeblich an allen Entscheidungen, die das gemeinsame Baby betreffen, beteiligt und er sollte auch während der Schwangerschaft einbezogen werden. Letzten Endes ist es nicht nur „dein“ Baby, sondern „euer“ gemeinsames Baby.

Macht aber nicht den Fehler mit weiteren Leuten eure Entscheidung für das Reiten zu diskutieren. Ärzte, Hebammen und vor allem werdende Omas werden in der Regel davon abraten. Reiten – um Himmels willen! Viel zu gefährlich. Wenn ihr euch für das Reiten entschieden habt, dann solltet ihr auch dahinter stehen und nicht zweifeln. Die Zweifel werden nicht über Bord geworfen, wenn ihr alle möglichen Leute fragt. Es wird niemanden geben, der euch ermuntert während der Schwangerschaft zu reiten. Warum auch? Sollte es tatsächlich zu einem Sturz kommen, dann will sich niemand auf die Stirn schreiben, dass er euch noch dazu geraten hat.

2. Es gibt kein richtig oder falsch

Nur Schritt reiten. Normal reiten. Gar nicht reiten. Wie bei allem, so gibt es auch hier kein richtig oder falsch. Es gibt Schwangere, die steigen aus diversen Gründen nicht mehr aufs Pferd und gehen stattdessen mit ihrem Pferd spazieren, longieren oder machen Bodenarbeit. Wieder andere haben nicht mal mehr die Kraft überhaupt etwas mit dem Pferd zu machen, weil die Schwangerschaft anstrengend und vielleicht sogar risikoreich ist. Diese Frauen schicken ihre Pferde dann ein Jahr auf die Weide, stellen es zur Verfügung oder suchen eine Reitbeteiligung. Warum auch nicht?

Und dann gibt es Frauen, die einfach weiterreiten. So wie ich es getan habe. Der eigene Körper sagt einem schon wie viel man machen kann und wann es genug ist. Als Frau spürt man auch, wenn etwas nicht stimmt. Ich habe beispielsweise recht früh das Aussitzen eingestellt, weil ich das Gefühl hatte, dass es nicht gut ist. Andere Schwangere hingegen können recht lange aussitzen. Wieder andere reiten nur noch Schritt. Egal wie ihr es macht, es gibt kein richtig oder falsch. Ihr müsst selber entscheiden und auf euer Bauchgefühl hören.

3. Seid nicht paranoid, aber auch nicht leichtsinnig

Je größer der Babybauch wird, je mehr das Baby durch kleine Tritte auf sich aufmerksam macht, umso mehr macht man sich Gedanken. Gedanken darüber, was alles passieren könnte. Selbst wenn ihr jetzt denkt, nein, ich bin nicht so eine Übermutti und werde nicht paranoid werden, ich verspreche euch, ihr kommt irgendwann an den Punkt, an dem ihr auf dem Pferd sitzt und an einen möglichen Sturz denkt. Das ist völlig normal! Immerhin ist es das eigene Kind, welches in eurem Bauch heranwächst. Ich hatte diese Gedanken auch, merkte aber gleichzeitig wie gut mir das Reiten tat. Ich habe daher das Risiko so gering wie möglich gehalten. So habe ich mir, wann immer es möglich war, einen Reitpartner zum Ausreiten gesucht. Zum Ende der Schwangerschaft bin ich viel im Schritt geritten, nicht mehr gesprungen und habe keinerlei Experimente durchgeführt.

Ich finde man darf nicht paranoid werden. Man ist schwanger und nicht krank. Bewegung schadet dem Baby keineswegs. Im Gegenteil: Je mehr Bewegung ihr während der Schwangerschaft habt, umso schneller seid ihr danach auch wieder fit. Außerdem haben sportliche Frauen häufig eine leichtere Geburt als unsportliche.

4. Ihr seid niemandem Rechenschaft schuldig

Egal was ihr macht oder nicht macht, es wird immer Leute geben, die es besser wissen. Es wird immer Menschen geben, die euch erklären, dass Reiten schlecht ist und Stallarbeit das Baby krank macht. Ich kenne diese unqualifizierten Aussagen sehr gut und man fühlt sich immer genötigt, den Leuten zu erklären, dass man aufpasst, das Pferd brav ist und so weiter. Ganz ehrlich? Ihr seid niemandem Rechenschaft schuldig. Es ist euer Kind und eure Schwangerschaft.

5. Übt Absteigen

Beine aus den Steigbügeln, Schwung holen, ein Bein hinten rüber, kurz Bauchlage und zack nach unten. So steigen normale Menschen vom Pferd. Schwangere haben irgendwann ein Problem. Nämlich den Bauch, der im Weg ist. Ich bin immer so abgestiegen, dass ich ein Bein über den Hals geschwungen habe, so dass ich seitlich im Sattel saß. Aus dieser Position konnte ich entspannt nach unten gleiten. Eine schwangere Stallkollegin hat ihr Pferd immer an der Aufstieghilfe geparkt und ist hier abgestiegen. Egal für welche Methode ihr euch entscheidet, ihr solltet es üben. Am besten direkt mit dem Bekanntwerden der Schwangerschaft, immer so absteigen, wie ihr es später auch machen wollt. Wenn der Bauch dann riesig ist, habt ihr das Absteigen voll drauf.

6. Hört auf euer Gefühl

Reiterin hin oder her. Als werdende Mami spürt man sehr wohl, ob alles in Ordnung ist oder nicht. Man merkt, was man sich zu muten kann und was nicht. Als reitende Mamis fühlt ihr genauso wie andere Mamis auch. Ihr freut euch unfassbar auf das Baby und wollt nur das Allerbeste. Da ist allerdings noch etwas anderes, was man liebt und für das man auch die Verantwortung trägt. Das Pferd und das Reiten. Nochmal: Jeder muss selbst entscheiden. Jeder Schwangerschaft ist anderes. Jedes Pferd ist anders. Dennoch denke ich, dass nichts dagegen spricht weiterzureiten, wenn alles passt und man sich gut dabei fühlt. So bleibt man selber fit, ist an der frischen Luft und die Risiken von Komplikationen, während der Schwangerschaft und der Geburt, sinken.

7. Macht das, was euch glücklich macht

Studien gibt es viele. Wer Haustiere hat, lebt gesünder. Wer viel an der frischen Luft ist, hat ein besseres Immunsystem. Wer während seiner Schwangerschaft weiterhin Sport treibt, wenn auch in Maßen und auf den aktuellen Zustand abgestimmt, hat es bei der Geburt leichter. Auch wenn es dazu keine Studien oder gar Beweise gibt, bin ich der festen Überzeugung, dass eine glückliche Schwangere, ein glückliches Baby bekommt. Ich bin auf dem Pferderücken zu Hause und meine kleine Maus ist 36 Wochen mitgeritten. Sie kam kerngesund und glücklich auf die Welt.

Last, but not least: Im Rahmen ihrer Doktorarbeit hat Susanna Kramarz 2011 das Reiten in der Schwangerschaft untersucht. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass durch das Reiten in der Schwangerschaft kein erhöhtes Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt besteht.

Zum Weiterlesen: Doktorarbeit „Reiten in der Schwangerschaft“ von Susanna Kramarz

Zum Weiterlesen:

Wie alles begann: Next Generation im Anmarsch

Ein Erfahrungsbericht: Reiten in der Schwangerschaft – Das erste Trimester (1. bis 13. SSW)

Ein Erfahrungsbericht: Reiten in der Schwangerschaft – Das zweite Trimester (14. bis 27. SSW)

Ein Erfahrungsbericht: Reiten in der Schwangerschaft – Das dritte Trimester (28. bis 40. SSW)

7 Tipps für das Reiten in der Schwangerschaft

Die Umstandsreithose von Happy Riding Mummy im Test (Anzeige) (Beitrag folgt)

Nach der Geburt zurück in den Sattel: Muskelaufbau und Rückbildung (Beitrag folgt)

Glücklich mit Baby und Pferd: So klappt es! (Beitrag folgt)


Titelbild: Melanie Sebastian Photography


Sharing is caring...
Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on Google+
Google+