Die Gründe für eine Pause bei unseren Pferden sind vielfältig. Es kann sich um eine verletzungsbedingte Pause handeln, um eine trächtigkeitsbedingte Pause oder du selbst hast ein Baby bekommen und bist während deiner Schwangerschaft nicht geritten. Auch ein langer, kalter und schneereicher Winter kann dazu führen, dass dein Pferd eine längere Pause hatte. Nun möchtest du dein Pferd wieder fit bekommen. Du möchtest dein Pferd nach der Pause wieder antrainieren.

1. Das Antrainieren nach einer Pause ist individuell für dein Pferd

Für das Antrainieren von deinem Pferd nach einer Pause gibt es keine Pauschallösung oder einen allgemeingültigen Trainingsplan. Das wäre auch zu schön um wahr zu sein. Aber genauso vielfältig wie die Gründe für eine Pause sind, genauso vielfältig ist auch die Ausgangslage deines Pferdes. Es macht einen großen Unterschied, ob dein Pferd wochenlang verletzt war und unter Umständen sogar Boxenruhe hatte oder ob dein Pferd im Winter einfach nur weniger bewegt wurde. Auch Letzteres lässt sich nicht pauschalisieren. Ein Pferd, welches in Boxenhaltung, mit hoffentlich täglichem Auslauf, steht, ist nach einem langen Winter weniger fit als ein Pferd in Offenstall- oder Aktivstallhaltung, denn diese Pferde bewegen sich mehr – auch wenn es nur Schritt ist.

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2. Bei verletzungsbedingten Pausen immer Rücksprache mit dem Tierarzt halten

Wenn dein Pferd aufgrund einer Verletzung ausgefallen ist, dann sprich vor dem Antrainieren mit deinem Tierarzt. Kläre ab, wie der Heilungsprozess verläuft und wie du wieder starten kannst. Es gibt verschiedene Verletzungen, wie beispielsweise ein Sehnenschaden, wo anfängliches Longieren nicht sinnvoll ist. In diesem Fall ist ein Aufbautraining an der Hand auf geraden Strecken besser, da die Kreisbewegung an der Longe den Bewegungsapparat und vor allem die Sehnen zu stark belastet.

3. Das Antrainieren deines Pferdes nach einer Pause ist eine Balanceakt

Wenn du beim Antrainieren nach einer Pause zu schnell zu viel von deinem Pferd verlangst, riskierst du Überforderung, Verspannungen oder sogar ernsthafte Schäden am Bewegungsapparat. Bänder, Sehnen und Muskeln deines Pferdes müssen sich erst wieder auf das Training einstellen. Und sei mal ehrlich, wenn du krankheitsbedingt ausgefallen bist, dann gehst du doch auch nicht gleich 10 km laufen, sondern steigerst die Strecke nach und nach. Genauso ist es bei deinem Pferd. Du fängst langsam an und steigerst nach und nach die Trainingslänge und Intensität.

Auf der anderen Seite ist es natürlich wichtig, dass du gezielte Trainingsreize setzt, damit du einen Trainingseffekt erzielst. Diese Trainingsreize setzt du aber nicht jeden Tag, sondern nur alle 2-3 Tage. Dein Pferd benötigt Pausentage zur Regeneration, wobei Pause allerdings nicht bedeutet, dass du gar nichts mit deinem Pferd machst.

Einen Trainingsreiz setzen bedeutet übrigens auch nicht, dass dein Pferd am Tag danach den Muskelkater seines Lebens hat. Stell dir einmal vor, du hast nach jedem Besuch im Fitnessstudio Muskelkater, wie gerne gehst du dann wieder hin? Genau. Gar nicht gerne. Die Motivation deines Pferdes hält sich ebenfalls in Grenzen, wenn es nach jeder Trainingseinheit Muskelkater hat.

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4. Am Anfang steht viel Schritt und kein Reiter auf dem Trainingsplan

Viele Reiter machen den Fehler und starten zu schnell mit den Gangarten Trab und Galopp, weil sie glauben, dass dies die effektivsten Gangarten sind um Muskulatur aufzubauen. Das stimmt so nicht, denn auch im Schritt hast du tolle Möglichkeiten Muskulatur aufzubauen.

Insbesondere am Anfang ist aber der Aufbau von Kondition viel wichtiger und das geht wunderbar im Schritt. Je nach deiner Ausgangslage startest du mit kurzen Trainingseinheiten im Schritt und steigerst nach und nach die Länge dieser. Dabei ist wichtig, dass dein Pferd im ordentlichen Schritt vorwärtsgeht und nicht hinter dir herschleicht. Du kannst Spaziergänge, idealerweise in hügeligem Gelände, mit deinem Pferd machen oder dir aus Stangen und Pylonen einen Geschicklichkeitsparcours aufbauen. Im Parcours kannst du Anhalten an einem bestimmten Punkt üben, Rückwärtsrichten in einer Stangengasse oder das Halten über einer Stange.

Später nimmst du Seitengänge wie Schulterherein oder Kruppeherein hinzu um die Bauchmuskeln zu aktivieren, denn diese sind die Gegenspieler der Rückenmuskeln. Und die Rückenmuskeln wiederum sind wichtig, damit dein Pferd dich nach der Pause wieder gut tragen kann.

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5. Erst wird die Grundlagenausdauer trainiert, dann die Kraft

Oder in anderen Worten: Erst wird Kondition aufgebaut, dann Muskulatur. Zugegebenermaßen kann man das jetzt nicht ganz voneinander trennen, denn wenn du mit deinem Pferd eine Stunde in einem ordentlichen Schritttempo spazieren gehst, dann werden die Muskeln von deinem Pferd sehr wohl trainiert. Vielmehr geht es darum, dass dein Pferd nach der Pause erst einmal wieder in der Lage ist eine Stunde spazieren zu gehen. Insbesondere nach Verletzungen mit wochenlanger Boxenruhe musst du die Kondition langsam wieder aufbauen. Erst wenn du eine gute Grundlagenausdauer im Schritt aufgebaut hast, kommt der Trab hinzu und nochmals später der Galopp. Es gilt: Erst länger, dann schneller.

6. Bei Pferden mit Boxenruhe muss an der Beweglichkeit gearbeitet werden

Pferde, die aufgrund einer Verletzung längere Zeit Boxenruhe hatten, haben nicht nur an Muskulatur und Kondition abgebaut, sondern auch an Beweglichkeit und Körpergefühl verloren. Diese Pferde haben eine schlechte Koordinationsfähigkeit bis hin zu Gleichgewichtsstörungen. Das zeigt sich vor allem durch Stolpern, Schreckhaftigkeit und Rittigkeitsproblemen.

Wenn dein Pferd längere Zeit in der Box stehen musste, dann musst du neben Kondition und Muskelaufbau auch an der Köperwahrnehmung und der Koordination arbeiten. Dazu eignen sich am besten Stangen, welche du bereits im Schritt an der Hand in dein Training einfließen lassen kannst. Starte unkompliziert mit einer Stange, später dürfen es auch mehrere Stangen hintereinander, ein Stangenmikado oder ein Stangenfächer sein. Steigere die Arbeit mit den Stangen wieder nur langsam, denn es sieht einfacher aus, als es für dein Pferd ist.

7. Erst wird im geradeaus gearbeitet, dann longiert

Das Longieren ist leider nach wie vor die beliebteste Art das Pferd vom Boden aus zu bewegen. Zu oft sieht man Reiter, die ihre Pferde nach einer verletzungsbedingten Pause direkt wieder longieren. Longieren ist nach einer Pause eine sehr hohe Belastung für dein Pferd und steht nicht an erster Stelle, wenn wir über das Antrainieren reden.

Du arbeitest zunächst viel im Schritt im Geradeaus um Sehnen, Bänder und Muskeln wieder an das Training zu gewöhnen. Erst wenn du diesen Grundstein gelegt hast, kannst du dein Pferd longieren. Verzichte an der Longe auf Ausbinder, die dein Pferd in eine gewisse Position pressen. Dein Pferd soll sich an der Longe bewegen und sich selbst tragen können. Longiere dein Pferd nicht nur statisch, das heißt du bleibst die ganze Zeit auf der Zirkelmitte stehen, sondern bewege dich und lass dein Pferd so auch mal ganze Bahn gehen. Schließlich würdest du beim Reiten ja auch nicht die ganze Zeit auf dem Zirkel reiten, sondern auch gerade Linien wie ganze Bahn oder durch die ganze Bahn wechseln.

8. Wer trainiert benötigt gutes Futter

Während einer Pause werden Muskeln und Kondition bei deinem Pferd abgebaut. Die Aufgabe der Muskulatur ist die Bewegung deines Pferdes von einem Ort zum anderen. Wenn sich dein Pferd nun innerhalb einer Pause weniger bewegt, dann werden Muskeln abgebaut, da sie sehr viel Energie benötigen. Das bedeutet auch, dass du in der Pausenzeit die Futterrationen deines Pferdes anpassen musst. Startest du nun nach der Pause mit dem Antrainieren, dann benötigt dein Pferd wertvolles Futter als Eiweißquelle um die verlorengegangene Muskulatur wiederaufzubauen.

Trotzdem muss der Muskelaufbau in Maßen stattfinden. Setze dir nicht zum Ziel in nur wenigen Wochen aus deinem Pferd einen Bodybuilder zu machen. An einem Muskel hängen nämlich Sehnen und Bänder, die deutlich länger brauchen um sich zu entwickeln. Wird der Muskel zu schnell zu stark, kann dies zu Verletzungen führen. Es gilt: langsamer und nachhaltiger Muskelaufbau.

Zum Weiterlesen: Warum Muskelaufbau wichtig und trotzdem nicht alles ist

9. Lass vor dem Antrainieren deinen Sattel überprüfen

Wie bereits geschildert ist es sinnvoll, dass du das Training deines Pferdes zunächst im Schritt am Boden startest. Nach ein paar Wochen, wenn dein Pferd wieder Kondition und Muskulatur aufgebaut hat, kannst du vom Sattel aus mit dem Training fortfahren. Wenn es sich um eine sehr lange Pause gehandelt hat, kann es sein, dass sich dein Pferd muskulär sehr verändert hat. Deswegen solltest du deinen Sattel durch einen Sattler überprüfen und gegebenenfalls anpassen lassen.

10. Trainiere abwechslungsreich

Motivation und Bewegungsfreude kommt nicht, wenn dein Pferd jeden Tag die gleiche Runde spazieren geht, den gleichen Geschicklichkeitsparcours absolvieren oder die gleiche Dressurarbeit machen muss. Stell dir einmal vor, du müsstest jeden Tag die gleiche Strecken laufen oder das gleiche Workout absolvieren. Spaß und Motivation würden sich auch bei dir in Grenzen halten. Deinem Pferd geht es genauso. Damit dein Pferd stets motiviert ist, empfehle ich dir so viel Abwechslung in dein Training zu bringen wie möglich.

11. Mach dir einen Trainingsplan

Ein Trainingsplan ist eigentlich immer sinnvoll, aber in der Phase des Antrainierens ein absolutes „Must-Have“. Ja, auch wenn du nur Freizeitreiter ohne sportliche Ambitionen bist. Mit einem Trainingsplan behältst du den nötigen Überblick über deine Trainingseinheiten. Für die Phase des Antrainierens solltest du eine gewisse Flexibilität haben und nicht zu weit im Voraus planen. Wenn du merkst, dass dein Pferd beispielsweise erschöpft ist, dann gehe lieber nochmal einen Schritt zurück.

Mit einem Trainingsplan hast du die Möglichkeit deine Trainingsreize und Regenerationstage sinnvoll zu planen. Nochmal zur Erinnerung: Trainingseinheiten mit einem Trainingsreiz sind die Einheiten, die dein Pferd an seine Belastungsgrenze bringen um die Leistung zu steigern. Dazwischen benötigt dein Pferd Regenerationstage damit sich die Muskulatur erholen kann. Das sind keine Pausentage, sondern vielmehr ist hier aktive Erholung gefragt.

All das kannst du in deinem Trainingsplan niederschreiben und somit festhalten. Außerdem kannst du dir wochenweise überlegen, was du mit deinem Pferd machen möchtest, damit das Training abwechslungsreich und motivierend ist.

Tipp: Meine Reitschüler nutzen für ihre Trainingsplanung den Ringbuchkalender „2023 für Pferdemenschen“. Neben ausreichend Platz für Notizen in einer wöchentlichen Übersicht, sind auch noch zahlreiche Übungen für ein abwechslungsreiches Training enthalten. Ein paar wenige Restexemplare sind noch zum Sonderpreis erhältlich: Kalender 2023 für Pferdemenschen

Das Wichtigste zum Antrainieren nach einer Pause

Starte im Schritt am Boden und steigere die Dauer und Intensität deiner Trainingseinheiten langsam. Sorge mit einem abwechslungsreichen Training dafür, dass dein Pferd stets motiviert ist und gerne mit dir arbeiten will. Behalte mit einem Trainingsplan Trainingsreize und Regenerationstage im Auge. Achte immer auf dein Pferd. Wirkt es müde und matt, dann solltest du einen Gang zurückschalten um Überforderung oder gar Verletzungen vorzubeugen.

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