Noch etwas in eigener Sache: Die folgenden Blogbeiträge über das Reiten in der Schwangerschaft und die Zeit danach mit Baby, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen und keine allgemeingültigen Empfehlungen. Ich will mit meinen Beiträgen weder zum Reiten in der Schwangerschaft animieren noch davon abraten. Man muss immer bedenken, dass jede Schwangerschaft anders verläuft, dass jede Frau und auch jedes Pferd anders sind. Schlussendlich muss jede Frau selbst entscheiden, was gut für sie ist und was nicht.

Schwangerschaftsupdate einer Reiterin

Das dritte und letzte Trimester war angebrochen. Der Bauch wuchs kontinuierlich, aber sonst war alles nahezu normal. Ich fühlte mich verhältnismäßig fit und es gab nur wenige, wie ich sie nannte, „Jammerlappentage“. Die Jammerlappentage traten spontan und unangekündigt auf. Tage, an denen ich die Schwangerschaft verabscheute und aus allem ein Drama machte. Soll normal sein, sie gingen vorbei und beschränkten sich auf wenige Tage im Monat.

Auch im dritten Trimester dachte ich nicht ernsthaft darüber nach den Sattel gegen die Longe, Spaziergänge oder Bodenarbeit einzutauschen. Zum Leidwesen meiner Mutter, die es bis heute nicht glauben kann, dass ich mich schwanger überhaupt auf dieses große gefährliche Pferd gesetzt habe. Zur Anmerkung: Meine Mutter hat Angst vor Pferden. Natürlich passte ich das Reiten intuitiv meiner körperlichen Situation, und ganz nebenbei auch den Außentemperaturen, an. In der 34. SSW unternahm ich den letzten großen Ausritt. Dieser wurde aufgrund einer Wegsperrung ungeplant viel zu groß und wir waren am Ende fast drei Stunden unterwegs. Danach hatte ich ein schlechtes Gewissen und nicht nur das. Eine Scheuerstelle an meinem Bauch, denn dieser lag mittlerweile auf der Kammer auf.

Bis in die 37. SSW ritt ich mehrmals pro Woche noch im Schritt aus, aber nie länger als eine Stunde. Ich genoss die Zeit mit Keks und nach wie vor hatte ich das Gefühl, er wusste ganz genau, dass er brav sein und auf uns aufpassen musste. Dann kam die tropische Hitzewelle mit Temperaturen weit über 30 Grad und ich verließ freiwillig den Sattel. Mit 20 Kilo mehr auf den Rippen sind derartige Temperaturen kein Spaß. Und ganz ehrlich? Ich konnte fast die komplette Schwangerschaft reiten, was will ich mehr?

(c) Melanie Sebastian Photography

Genieß die Zeit, denn dann ist dein Leben quasi vorbei

Ein Satz, der immer wieder fiel. Ja, ich wurde sogar dazu aufgefordert, mir darüber Gedanken zu machen, wie es mit Keks weitergehen soll und ob ich ihn nicht besser verkaufen will. Ich würde so oder so keine Zeit mehr für ihn haben. Ich zog die Augenbrauen nach oben, wenn ich solche Aussagen an den Kopf geknallt bekam. Immerhin habe ich einst die Verantwortung für Keks übernommen und nur weil ich zukünftig auch noch für ein Baby verantwortlich sein würde, soll ich mein Pferd verkaufen? No way.

Der Reitsport ist für mich mehr als ein Hobby. Ich bin nicht zweimal pro Woche im Stall zum Reiten und verbringe den Rest meiner Zeit mit Freunden beim Shoppen, Kaffeetrinken oder auf Partys. Trotz Reitbeteiligung bin ich oft jeden Tag im Stall. Es gibt schließlich immer etwas zu tun und zu organisieren. Kaffeetrinken kann ich bei uns im Stall und auf Partys lege ich schon lange keinen Wert mehr. Auch den obligatorischen Kinobesuch, den uns jeder empfahl, haben wir nicht in Angriff genommen. Im Sommer läuft nur Schrott im Kino. Und überteuert ist es auch. Ich bin glücklich mit meinem Leben und ich habe keineswegs das Gefühl irgendetwas zu verpassen.

Aber es gibt sie! Die Übermuttis! Ich hatte die Ehre einige von ihnen kennenzulernen – und habe erschrocken das Weite gesucht. Mein Baby muss nicht den ganzen Tag im Arm geschaukelt werden und ich muss nicht bei jedem Geräusch, welches Baby macht, aufspringen. Ich werde zwar Mami, aber ich bin auch immer noch ich selbst, mit meinen eigenen Interessen. Nur weil es diese noch gibt und bei mir nicht alles auf „totally Baby“ gepoolt ist, bin ich keine schlechte Mutter. Mein Baby geht nicht kaputt, wenn ich es mit in den Stall nehme oder für ein paar Stunden beim Papa lasse. Nicht die Quantität an gemeinsamer Zeit mit dem Baby zählt, sondern die Qualität.

Ich kann leider kein Drama bieten

In meinem Bericht über das erste Trimester schrieb ich: “In meinen Blogbeiträgen über die Schwangerschaft, kann ich kein Drama bieten. Sorry. Meine Schwangerschaft verlief völlig komplikationslos.” So war es auch. Bis zur 40. SSW. Bis zum 25. Juli 2018. Den Tag der Geburt.

Und nein! Auch jetzt werde ich, nur um die Leserzahlen zu erhöhen, keine dramatische Story abliefern, keine Details im Netz zertreten und keinen eigenen Blogbeitrag mit Klickbait Titel über die Geburt schreiben. Dennoch habe ich mich entschieden über die Geburt meiner Tochter, in einem mehr oder weniger sachlichen Stil und ohne Details, zu berichten. Sie war abenteuerlich – und zwar abenteurlicher als manch einer Denken mag.

Mit diesem Bericht möchte ich eigentlich nur eines erreichen: Ich will Mut machen!

Nach dieser Geburt kann ich nur sagen: Ich bin stärker als ich dachte. Und das seit ihr auch – egal was andere behaupten!

(c) Melanie Sebastian Photography

Jede Geburt ist abenteuerlich

Wohl wahr. Aber das war mir dann doch etwas zu abenteuerlich. Wochenlang habe ich alle möglichen Sachen über die Geburt gelesen, an einem Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen, das beste Krankenhaus im Umkreis ausgewählt und den Kreißsaal besucht. Ich habe versucht mir auszumalen wie sich Wehen anfühlen. Was blieb, war pure Angst. Angst vor der Geburt. Angst vor dem Unbekannten. Angst vor den Schmerzen. Angst, dass etwas schief gehen könnte.

Und am Ende kam alles anderes. Wirklich alles. Wenn ich heute an die Geburt zurückdenke, dann denke ich immer noch, dass ich Darsteller in einem Film war. Aber es war echt. Der 27. Juli war der errechnete Termin. Das Wochenende davor, war ich noch als BBTT – Babybauch-Turniertrottel – mit meinen Reitschülern unterwegs. Ich selber hielt eine Geburt vor dem errechneten Termin als unmöglich. Immerhin bekam ich mein erstes Kind und man hatte uns immer wieder erzählt, dass die Babys bei Erstgebärenden über Termin gingen.

Am Montag nach dem Turnierwochenende lehnte ich mich auf der Couch zurück und dachte, so Baby jetzt darfst du dich von mir aus auf den Weg machen. Es passierte natürlich nichts. Abends war ich noch im Stall, longierte Keks und mistete seine Box. Am Dienstagmittag plagte mich plötzlich ein Ziehen im unteren Rücken. Es kam und es ging wieder. Über den Nachmittag wurde es regelmäßiger und ich versuchte den Schmerz zu veratmen. Das funktionierte erstaunlich gut. Als Björn von der Arbeit kam, berichtete ich ihm von dem Ziehen und wir entschieden uns den Abend über abzuwarten. Also aßen wir gemeinsam Abendbrot, mit Unterbrechung meinerseits um Schmerzen wegzuatmen, und dann schauten wir uns noch ein Webinar an. Ja wirklich. Ich hatte mich für ein FN Webinar angemeldet und da es schon bezahlt war, guckte ich es. Danach legte ich mich in die Badewanne, denn immer wieder hatte ich gelesen, dass echte Wehen auch bei einem Vollbad blieben. Der Schmerz blieb und Björn und ich waren uns mittlerweile einig: Es ging los.

Es geht los! Doch nicht. Oder doch!?

Ich verschickte noch ein paar Whatsapp Nachrichten und organisierte die Hundebetreuung. Björn schmierte sich ein Brot, packte etwas zum Trinken ein und kontrollierte die Kliniktasche. Um kurz vor Mitternacht machten wir uns auf den Weg ins Krankenhaus. Fest überzeugt, dass wir erst mit unserem Baby im Arm wiederkommen würden.

Im Krankenhaus wurde ein CTG gemacht, auf dem, aus welchem Grund auch immer, keine regelmäßigen Wehen sichtbar waren. Eine Ärztin untersuchte mich und war der Ansicht, dass die Geburt unserer Tochter noch nicht bevorstand. Sie sagte sogar, ich solle mich erneut in zwei Tagen bei meinem planmäßigen Vorsorgetermin untersuchen lassen. Ich erwähnte die Schmerzen im unteren Rücken, sie gab mir Schmerzmittel und wir fuhren wieder nach Hause. Die gesamte Rückfahrt fühlte ich mich schlecht. Ich bin ein Jammerlappen. Ein Weichei. Ich kann Rückschmerzen nicht von Wehen unterscheiden.

Nachts um 2 Uhr lagen wir endlich im Bett. Die Schmerzmittel taten ihren Dienst und ich fiel in einen Zustand zwischen wach und schlafend. Gegen 3 Uhr lies die Wirkung nach und ich griff zu Paracetamol. Was war da bloß los? Hatte ich mich beim Misten verhoben? Einen Nerv eingeklemmt? Gegen 5:30 Uhr hielt ich nichts mehr aus und flehte Björn an, dass wir wieder ins Krankenhaus fahren. Kurz darauf registrierte ich, dass ich ganz sicher nirgendwo mehr hinfahre. „Björn ruf den Notarzt!“ Ich hatte bereits Presswehen. Um 6:30 Uhr standen die Rettungssanitäter, die übrigens auch noch nie bei einer Geburt dabei waren, in unserem Schlafzimmer und um 6:38 Uhr erblickte unsere kleine Janne das Licht der Welt. Sie schrie und mir fiel ein Stein vom Herzen.

Nachdem mein Kreislauf wiederhergestellt war, fuhren wir alle mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus. Dort wurde Janne untersucht und ich bekam die zweite Infusion. So langsam realisierte ich, was in den letzten Stunden passiert war. Wie kann man bitte so krass ins Lebens schlittern? Wie kann so etwas in der heutigen Zeit überhaupt passieren? Wieso haben die mich im Krankenhaus wieder heimgeschickt? Wir haben alles richtig und nach Lehrbuch gemacht. Oder besser gesagt, wir wollten es. Ich bin unendlich froh, dass alles gut gegangen ist, es keine Komplikationen gab und Janne kerngesund ist. An all das, was hätte passieren können, möchte ich gar nicht denken.

Die Geburt in einem Satz: Ohne PDA, ohne Hebamme, ohne Arzt und im heimischen Schlafzimmer.

(c) Melanie Sebastian Photography

Zum Weiterlesen:

Wie alles begann: Next Generation im Anmarsch

Ein Erfahrungsbericht: Reiten in der Schwangerschaft – Das erste Trimester (1. bis 13. SSW)

Ein Erfahrungsbericht: Reiten in der Schwangerschaft – Das zweite Trimester (14. bis 27. SSW)

Ein Erfahrungsbericht: Reiten in der Schwangerschaft – Das dritte Trimester (28. bis 40. SSW) (Beitrag folgt)

Tipps für das Reiten in der Schwangerschaft (Beitrag folgt)

Die Umstandsreithose von Happy Riding Mummy im Test (Anzeige) (Beitrag folgt)

Nach der Geburt zurück in den Sattel: Muskelaufbau und Rückbildung (Beitrag folgt)

Glücklich mit Baby und Pferd: So klappt es! (Beitrag folgt)


Alle Fotos von: Melanie Sebastian Photography


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