Zugegebenermaßen sind die Ausdrücke SSW und Trimester für die meisten Schwangeren sicher ein Begriff, allerdings wohl für die wenigsten Reiterinnen oder Reiterinnen, die gerade erfahren haben, dass sie schwanger sind. Deswegen eine kurze Erklärung: SSW steht für Schwangerschaftswoche. Gezählt wird von der letzten Periode bis hin zum Entbindungstermin, was insgesamt 40 Wochen sind. Das bedeutet es gibt 40 Schwangerschaftswochen (40 SSW). Kurz nachgerechnet wird deutlich, dass man eigentlich nicht 9 Monate schwanger ist, sondern 10. Die Schwangerschaftswochen wiederrum können in Trimester (3 Teile) unterteilt werden. Da sich 40 Wochen aber schlecht durch 3 teilen lassen, schwanken hier die Angaben. Ich habe mich bei meinen benannten Trimestern an den Angaben aus meinem Babybuch orientiert.

Noch etwas in eigener Sache: Die folgenden Blogbeiträge über das Reiten in der Schwangerschaft und die Zeit danach mit Baby, sind meine ganz persönlichen Erfahrungen und keine allgemeingültigen Empfehlungen. Ich will mit meinen Beiträgen weder zum Reiten in der Schwangerschaft animieren noch davon abraten. Man muss immer bedenken, dass jede Schwangerschaft anders verläuft, dass jede Frau und auch jedes Pferd anders sind. Schlussendlich muss jede Frau selbst entscheiden, was gut für sie ist und was nicht.

Schwangerschaftsupdate einer Reiterin

Morgenübelkeit und Müdigkeit sind wohl die klassischsten Wehwehchen im ersten Schwangerschaftsdrittel. Ich kämpfte ebenfalls mit Beidem, wobei die Müdigkeit aber deutlich schlimmer war. Allerdings war damals auch Winter und das ist ohnehin nicht so meine Jahreszeit. Zu dunkel. Zu kalt. Zu feucht. Während sich meine Motivation bis Weihnachten noch ganz gut hielt, fiel ich im Januar mehr oder weniger in den Winterblues, der in Hinsicht auf die Vorjahre, bei mir nicht schwangerschaftsbedingt, sondern völlig normal war. Ich habe jeden Winter eine Phase der Lustlosigkeit. Immer nur im Dunklen im Stall, immer in der Halle reiten, immer ist es kalt. Das macht keinen Spaß. Ich wünschte mir den Frühling.

Das erste Trimester ging bei mir von Anfang November bis Ende Januar, wobei ich allerdings bis kurz vor Weihnachten nicht einmal wusste, dass ich schwanger war. Im ersten Trimester wächst der Wurm von einem Zellhaufen bis auf etwa 5 cm heran und der Fötus wiegt am Ende etwa 20 Gramm – er ist also so schwer wie ein Brief. In dieser Zeit nimmt man eigentlich nicht viel zu. Bei mir war natürlich alles anderes. Der Gedanke für Zwei zu Essen war genial, außerdem stand Weihnachten vor der Tür und ich langte richtig zu. Ich nahm in den ersten 13 SSW knapp 7 kg zu, was dazu führte, dass ich zum Ende des ersten Trimesters den Knopf einer Reithose sprengte und zwei weitere gingen gar nicht mehr zu. Zugleich erinnerte ich mich an die Umstandsreithosen, die ich mal auf der Spoga (Reitsport Fachmesse, auf der Unternehmen ihre neuen Produkte präsentieren) gesehen hatte. So eine brauchte ich. Jetzt. Sofort.

Zum Weiterlesen: Die Umstandsreithose von Happy Riding Mummy im Test (Anzeige) (Beitrag folgt)

Reiten ohne Einschränkungen

Das erste Trimester fühlte sich etwas unwirklich an. Schwanger? Ich? Neeee, kann gar nicht sein. Natürlich wusste ich anhand von Ultraschallbildern, dass da ein kleiner Wurm in mir wuchs, aber trotzdem war das alles zu abstrakt für mich. Im Gegensatz zu vielen anderen Erfahrungsberichten, fühlte ich mich zu diesem Zeitpunkt weder als werdende Mami, noch war der Zellhaufen in meinem Bauch mein Heiligtum. Salopp gesagt: Ich achtete zwar vermehrt darauf was ich aß, lebte mein Leben aber normal weiter und fragte mich immer wieder, ob ich einfach nur die „Kirche im Dorf“ ließ oder ob ich alles zu easy sehe. Ich entschied mich für Ersteres und das war auch gut so.

Bereits lange vor der Schwangerschaft hatte ich mit Björn über das Reiten während einer Schwangerschaft gesprochen und wir waren uns beide einig: Auf dem Pferderücken bin ich zu Hause, auf dem Pferderücken bin ich glücklich und aus unserer Sicht sprach nichts gegen das Reiten, so lange es dem Wurm gut ging und ich keine Beschwerden hatte. Das war, bis auf meinen bereits erwähnten Winterblues, im ersten Trimester nicht der Fall und ich ritt ganz normal. Dressur, Springen und ins Gelände. Ja, Springen. Das mag der ein oder andere als verantwortungslos ansehen, aber schlussendlich ist es meine Entscheidung. Ich bin in der Zeit ausschließlich Standardsituationen gesprungen, keine unbekannten Höhen und auch keine sonstigen Experimente. Mein endgültiger Abschied vom Springen war der „Sprung ins neue Jahr“ am 31.12.2017. Damals war ich in der 11. Woche.

Dressur ritt ich ganz normal weiter. Für die Winterarbeit hatte ich mir drei Dinge vorgenommen: Die Trabarbeit mit Mitteltrab und versammelten Trab verbessern, die einfachen Galoppwechsel perfektionieren und Keks und mich an die Kandare gewöhnen. Das waren dann auch exakt die Sachen, an denen ich weiterarbeitete. Ja, ich ritt auch weiter im Unterricht mit, besprach aber schon frühzeitig einen möglichen Beritt mit meiner Trainerin, wenn ich irgendwann nicht mehr konnte.

Sinnvolle Broschüren, ein gutes Buch und kein Google

Habt ihr Google benutzt und seid auf diesen Blogbeitrag gekommen? Dann geht am besten schnell wieder, denn Google ist wahres Gift während einer Schwangerschaft. Man liest unendlich viele verschiedene Sachen, die Meinungen und Erfahrungsberichte dutzender Mütter und am Ende ist man keineswegs genauso schlau wie vorher, sondern total verunsichert. Außerdem kann es im Internet und gerade bei Bloggern nie genug Drama geben und deswegen liest man leider viel häufiger die schrecklichen Dinge, als von den 95% der Schwangerschaften und Geburten, wo alles problemlos verlief. Logisch – alles andere wäre ja auch langweilig.

Ein Beispiel gefällig? Googelt mal „Schwangerschaftsstreifen“ und geht auf die Bildergebnisse. Bei den dort abgebildeten Bildern würde keine Frau jemals schwanger werden, geschweige denn ihren Bauch nach einer Schwangerschaft noch im Bikini zeigen. Es mag sicher Frauen geben, die schlimme Schwangerschaftsstreifen davontragen, aber das ist nicht die Mehrheit, so wie es in der Google Bildersuche vermittelt wird. In meinen Blogbeiträgen über die Schwangerschaft, kann ich kein Drama bieten. Sorry. Meine Schwangerschaft verlief völlig komplikationslos – der wachsende Bauch, der gegen Ende für schlaflose Nächte sorgte, zu stark erhöhten Toilettenbesuchen führte und aus dem Schuhe zu binden eine Odyssee machte, ist keineswegs ein Drama, sondern völlig normal.

Natürlich habe ich gerade am Anfang der Schwangerschaft diverse Dinge nachlesen müssen, schließlich war ich das erste Mal schwanger. Weiterempfehlen kann ich die kostenfreien Broschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), beispielsweise „Rundum – Schwangerschaft und Geburt“. Die BZgA hat auch einige Broschüren für die werdenden Papis, was ich richtig klasse finde, denn für meinen Geschmack geht es viel zu oft um die werdenden Mamis. Dabei sind die Papis doch mindestens genauso wichtig. Außerdem habe ich ein sehr schönes und gutes Buch geschenkt bekommen, welches ich weiterempfehlen kann: „Das Mami Buch“ (Werbelink/Affiliate Link)*. Zum einen behandelt es die Zeit der Schwangerschaft mit wirklich sinnvollen Tipps und Anregungen und zum anderen wird auch die Zeit nach der Geburt und das Leben mit Baby ausgiebig dargestellt. Und ganz nebenbei wird bei dem Thema Sport unter anderem das Reiten angesprochen: „Wer vorher schon geritten ist, kann dies auch weiterhin tun – bitte aber immer die Verletzungsgefahr durch Stürze bedenken.“

Zum Weiterlesen:

Wie alles begann: Next Generation im Anmarsch

Ein Erfahrungsbericht: Reiten in der Schwangerschaft – Das erste Trimester (1. bis 13. SSW)

Ein Erfahrungsbericht: Reiten in der Schwangerschaft – Das zweite Trimester (14. bis 27. SSW) (Beitrag folgt)

Ein Erfahrungsbericht: Reiten in der Schwangerschaft – Das dritte Trimester (28. bis 40. SSW) (Beitrag folgt)

Tipps für das Reiten in der Schwangerschaft (Beitrag folgt)

Die Umstandsreithose von Happy Riding Mummy im Test (Anzeige) (Beitrag folgt)

Nach der Geburt zurück in den Sattel: Muskelaufbau und Rückbildung (Beitrag folgt)

Glücklich mit Baby und Pferd: So klappt es! (Beitrag folgt)


*Werbelink/Affiliate Link. Das bedeutet ich bekomme eine kleine Provision, wenn ihr über diesen Link einkauft. Ihr habt dadurch keinerlei Nachteile oder Mehrkosten, könnt aber meinen Blog und meine Arbeit damit unterstützen, wofür ich mich ganz herzlich bedanke!


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