Die Losgelassenheit steht nicht grundlos an zweiter Stelle der Ausbildungsskala, und ist somit neben dem Takt, Voraussetzung für alle weiteren Übungen und Lektionen. Ein losgelassenes Pferd läuft mit schwingendem Rücken, taktrein, zwanglos und unverkrampft.

Bei vielen fängt die Losgelassenheit erst unter dem Sattel mit lösenden Übungen an. Dies ist allerdings nicht richtig, denn ein Pferd muss sowohl äußerlich als auch innerlich losgelassen sein. Gerade zur inneren Losgelassenheit zählen zahlreiche äußere Faktoren. Ein Pferd, welches beispielsweise Angst vor der lauten Musik auf dem Turnierplatz hat, wird sich nur schwer unter dem Sattel lösen. Ebenso, wird es kaum möglich sein ein Pferd zu lösen, welches Schmerzen durch einen nicht passenden Sattel, eine zu eng verschnallte Zäumung oder ein falsches Gebiss, hat. Ein Pferd, welches komplett in der Box gehalten wird, fehlt der Kontakt zu den Artgenossen, die Bewegung auf der Weide und nicht selten kommt es dazu, dass Pferde dieser Art am Abend unter dem Sattel wahrlich explodieren. Nicht selten sind Pferde innerlich angespannt und nervös durch eine falsche Fütterung, denn zu lange Pausen zwischen den Mahlzeiten wirken sich negativ auf die Verdauung aus.

Für die innere Losgelassenheit

Leider gibt es immer noch zahlreiche Pferde, die komplett in der Box gehalten werden. Für mich ist das keine artgerechte Haltung. Pferde sind Bewegungs- und Herdentiere, was bedeutet, dass sie idealerweise Tag und Nacht in Gruppen auf die Weide gehören. Diesen Idealfall hat natürlich nun nicht jeder, aber wenigstens ein täglicher Koppelgang sollte möglich sein.

Neben den Haltungsbedingungen spielt auch die Fütterung eine wichtige Rolle. Das Hauptfutter der Pferde ist Heu, wobei keine zu langen Pausen zwischen den Fütterungen entstehen sollten. In vielen Ställen sind aber Pausen von 8 Stunden und länger normal. Dies kann im schlimmsten Fall zu schmerzvollen Magengeschwüren führen.

Auch die Ausrüstung sollte immer wieder kontrolliert werden. Ein Pferd kann uns nicht sagen, wenn der Sattel drückt oder das Gebiss im Maul Schmerzen verursacht. Ein introvertiertes Pferd wird sogar eher stoisch handeln und die Reiterei mehr oder minder über sich ergehen lassen, während hingegen ein extrovertiertes Pferd mit Bocken reagiert. Beide Pferde sind aufgrund unpassender Ausrüstung nicht losgelassen.

Ein ängstliches Pferd wird ebenfalls Schwierigkeiten mit der Losgelassenheit haben. Gerade bei solchen Pferden ist eine klare Führung durch den Reiter extrem wichtig. Bodenarbeit, Scheutraining und Spaziergänge im Gelände fördern das Selbstbewusstsein des Pferdes und das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter.

Losgelassenheit

Für die äußere Losgelassenheit

Es gibt viele Übungen für die lösende Arbeit, und jeder muss für sein Pferd das individuell beste Programm zusammenstellen. Anfangs wird für mindestens 10 min Schritt am hingegebenen Zügel geritten. Während der Schrittphase reite ich überwiegend ganze Bahn oder auf dem Zirkel.

Danach reite ich im Trab, im Leichttraben und weiterhin auf großen gebogenen Linien wie dem Zirkel. Ich versuche viele Handwechsel, wie aus dem Zirkel oder durch die ganze Bahn wechseln, einzubauen. Für die lösende Galopparbeit benutzte ich in der Regel ebenfalls den Zirkel oder die ganze Bahn, wobei ich auch gerne in den leichten Sitz gehe, und auch mal ein paar Sprünge verlängere.

Nach der reinen Trab- und Galopparbeit fange ich an Schritt-Trab, Trab-Galopp Übergänge zu reiten. Dafür gehe ich auch auf den Zirkel, weil ich mich sehr gerne an den Zirkelpunkten orientiere, und beispielsweise einen halben Zirkel im Trab reite und einen weiteren im Galopp. Hier baue ich auch gerne Übungen wie Zügel aus der Hand kauen lassen oder das nach Außen stellen ein.

Das Schenkelweichen ist auch eine hervorragende Übung zum Lösen, und gleichzeitig um die Reaktion des Pferdes auf den Schenkel abzufragen. Das Schenkelweichen kann an vzahlreichen Stellen innerhalb der Bahn durchgeführt werden: beispielsweise von der Mittel- oder Viertellinie aus das Viereck vergrößern oder umgehrt zu Mittellinie hin.

Weitere Übungen sind: Zirkel verkleinern und vergrößeren, Volten, durch den Zirkel wechseln oder Vorhandwendungen. Die Übungen sind natürlich abhängig vom Ausbildungsstand des Pferdes. Wer die Abwechslung mag kann auch ein paar Stangen in die lösende Arbeit einbauen oder diese komplett ins Gelände verlegen.

Die Lösungsphase dauert in der Regel so 20 bis 30 min, wobei dies aber vom Pferd abhängig ist. Ich bin auch schon 60 min Dressur geritten und habe mich die gesamte Zeit in der Lösungsphase befunden, weil ich Keks einfach nicht “rund” bekommen habe. Ich denke das Problem kennt jeder Reiter…

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