Im Grunde genommen wünscht sich wohl jeder Reiter, ein Pferd zu haben, welches mitdenkt und –arbeitet. Ein Pferd, welches mit Freude, Ausdruck und voller Eleganz durch das Dressurviereck schwebt. Ein Pferd, welches sich mit jeder Menge Enthusiasmus, Mut und Ehrgeiz im Springparcour zeigt. Schlicht und einfach ein Pferd, welches Spaß daran hat mit seinem Reiter als Team zusammen zu arbeiten. Derartige Pferde besitzen ein hohes Maß an Motivation für das tägliche Training. Welcher Reiter wünscht es sich nicht ein solches Pferd zu reiten?

Wenn aus Motivation, Übermotivation wird

Motivierte Pferde sind zweifelsohne tolle Pferde! Die meisten Reiter sitzen lieber auf einem aus eigenem Antrieb vorwärts gehendem Pferd, als auf einem, welches mit weggedrücktem Rücken, lustlos auf dem Zirkel läuft. In den meisten Fällen sind motivierte Pferde gleichzeitig sehr sensibel, was dazu führt, dass der Grat zwischen Motivation und Übermotivation sehr schmal ist. Ein motiviertes Pferd nimmt insbesondere im Dressurviereck gerne die Lektionen vorweg. Es kennt die Aufgabe und weiß bereits nach der Ecke beim Abwenden auf die Diagonale, das ein Tritte verlängern folgen wird. Ein derartiges Pferd wartet nicht auf die Hilfengebung des Reiters, sondern erweitert selbstständig den Rahmen, häufig bereits in der Ecke. Ein weiteres Beispiel ist der einfache Galoppwechsel. In den A** Dressuren wird er häufig bei der Lektion „durch die ganze Bahn wechseln“ bei X verlangt. Motivierte Pferde, die wissen was kommt und die Lektion vorweg nehmen, fallen häufig deutlich vor X aus. Wie an diesen beiden Beispielen deutlich gemacht, entstehen letztendlich Fehler, die bei Dressurprüfungen zum Punktabzug führen und durchaus zwischen Platz 1 und 2 entscheidend sein können. Oder in anderen Worten: dem Reiter die goldene Schleife kosten.

Motivierte und gleichzeitig sensible Pferde brauchen in erster Linie einen Reiter mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Außerdem muss er in der Lage sein hochkonzentriert und vorausschauend zu reiten. Ein solcher Reiter erkennt, welche Lektion sein Pferd erwartet und ändert immer mal wieder spontan den Weg. Das Ziel ist es, seinem Pferd immer ein Stück voraus zu sein. Übermotivierte Pferde müssen lernen auf die Hilfengebung des Reiters zu warten und nicht die Lektionen vorweg zu nehmen. Der Reiter muss dafür ein hohes Maß an Geduld, aber auch Konzentration mitbringen, um in jeder Situation zum einen fair und zum anderen anders, als es das Pferd erwartet, zu reagieren.

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Alternativen zu bestimmten Lektionen

Jeder Reiter möchte die Dressuraufgabe vor dem Turnier zu Hause üben – und zwar so häufig wie möglich. Allerdings empfiehlt es sich gerade bei sensiblen und motivierten Pferden, die Aufgabe nicht zu oft zu reiten. Idealerweise nur ein einziges Mal und dies nicht direkt am Tag vor dem Turnier. Sonst kann es unter Umständen passieren, dass die Pferde in der Prüfung die Lektionen, wie anfangs beschrieben, vorweg nehmen und so Fehler entstehen.

Halten bei X

Im Training hat man die Möglichkeit immer mal wieder anderes zu reiten, anders als es das Pferd erwartet. Der Reiter muss dafür nicht nur konzentriert, sondern auch vorausschauend reiten. Fast jede Dressurprüfung beginnt bei X mit dem Halten. Im Training sollte das Halten an jedem Punkt geübt werden und auch die Lektion „durch die Länge der Bahn“ immer wieder geritten werden, natürlich ohne bei X zu halten. Eine Lektion, die oft vernachlässigt wird, da es schlicht und einfach kaum möglich ist, sie zu reiten, wenn man sich die Halle oder den Platz mit anderen Reitern teilen muss. Viele Pferde kennen das Abwenden auf die Mittellinie nur, in Verbindung mit einem Halten bei X.

Tritte verlängern auf der Diagonalen

Das Tritte verlängern ist eine häufig verlangte Lektion und viele Pferde nehmen diese gerne vorweg. Insbesondere wenn die Lektion nur „durch die ganze Bahn wechseln“ heißt, stellt dies ein Problem dar. Gerade deswegen sollte das Tritte verlängern im Training auch immer wieder an der langen Seite ausgeführt werden oder sogar auf der Mittellinie. Ebenfalls eine gute Alternative ist das abwechselnde Zulegen und Zurücknehmen an der langen Seite, immer nur für ein paar Tritte.

Einfacher Galoppwechsel

Für den korrekt gerittenen einfachen Galoppwechsel muss der Reiter sein Pferd bereits versammeln können. In A** Prüfungen wird der einfach Galoppwechsel häufig bei X verlangt, entweder beim „aus dem Zirkel wechseln“ oder „durch die ganze Bahn wechseln“. Im Training sollte man anders reiten, beispielsweise den Galoppwechsel deutlich vor oder nach X durchführen. Ebenso kann man den einfach Galoppwechsel bei „Schlangenlinien durch die ganze Bahn“ einbauen. Hier empfiehlt es sich zunächst mit 3 Bögen zu starten, da diese Übung sehr anspruchsvoll ist. Eine weitere Möglichkeit ist „aus der Ecke kehrt“ oder durch die „Länge der Bahn wechseln“, wobei man eine ganze Bahnlänge hat um den Wechsel durchzuführen.

Volten

In A Dressuren werden Volten häufig bei E oder B verlangt. Grundsätzlich können Volten an jedem Zirkelpunkt geritten werden, was jeder Reiter auch tun sollte. Ebenso können Volten von der Mittellinie oder der Diagonalen aus geritten werden. Nimmt das Pferd die Volte vorweg, empfiehlt es sich auch eine Pferdelänge geradeaus zu richten und aus der geplanten Volte ein „halbe Volte links, halbe Volte rechts“ zu reiten.

Reite anders als das Pferd denkt

Egal um welche Lektion es sich handelt, bei übermotivierten Pferden ist es die Kunst des Reiters, schneller zu sein und vor allem anders, als das Pferd denkt, zu reagieren. Im Training wird keiner gezwungen an einem festgelegten Punkt eine bestimmte Lektion zu zeigen. Wenn das Pferd beim Abwenden auf die Diagonale bereits selbstständig zum Tritte verlängern ansetzt, warum nicht einfach im Arbeitstempo weiterreiten? Wenn es vor X immer langsamer wird und halten will, warum nicht einfach mal angaloppieren? Ein motiviertes Pferd, welches auf die Hilfengebung des Reiters wartet – so klappt es!


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