Wissen weitergeben, Kinder unterrichten, motivieren dem Reitsport treu zu bleiben und nicht zu Letzt Erfahrungen sammeln – das war meine Hauptmotivation für meinen ersten Abzeichenlehrgang. Ich entschied mich für einen Lehrgang, der mit der Prüfung zum Reitabzeichen 10 – 8 endete. Als die Entscheidung gefallen war, ging es an die Planung und Organisation des Lehrgangs.

Bericht über den Lehrgang in der Bayerns Pferde

Planung, Organisation und Vorbereitungen

Der Termin für meinen Reitabzeichenlehrgang richtete sich nach den Schulferien in Hamburg. Warum? Weil meine Prüflinge, die zum Lehrgang anreisten, aus Hamburg kamen. Ich legte einen Prüfungstag fest und organisierte meine Trainerkollegin Barbara Decker (Babsies Webseite: www.pferdvoll-wertvoll.de) als Prüferin. Als die Termine standen, ging es an die weitere Planung.

Als erstes machte ich mich mit den Richtlinien und Anforderungen für die Prüfung vertraut. Was wurde praktisch und theoretisch für die einzelnen Abzeichen verlangt? Im nächsten Schritt erstellte ich einen Plan für die Reit- und Theoriestunden. Hierbei war mir besonders wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis zu schaffen und alle Inhalte auf spielerische Art und Weise zu vermitteln. Ich entschied mich letzten Endes für 4 Lehrgangstage, an denen wir vormittags im Stall waren und ich nachmittags in entspannter Atmosphäre das theoretische Wissen vermittelte.

Im Rahmen der Vorbereitungen packte ich für jedes Kind einen personalisierten Turnbeutel, der freundlicherweise von DeinKindergeschirr zur Verfügung gestellt wurde, mit ein paar Süßigkeiten und den Lehrgangsunterlagen. Ihr glaubt gar nicht, wie die Kinderaugen strahlten, als ich jedem seinen ganz eigenen Turnbeutel überreichte.

Außerdem kaufte ich für die Theoriestunden diverse Sachen zum Basteln und Malen ein. Der Mensch, und Kinder sowieso, lernt am besten visuell und so wollte ich mit den Kindern Plakate zu den einzelnen Themen basteln.

Der Reitabzeichenlehrgang oder auch Ferien auf dem Ponyhof

Am Samstag reisten Anna, Lea, Leni und Joan – mein Quotenjunge – bei bestem Wetter und mit guter Laune aus Hamburg an. Die Vier bezogen ihr Quartier bei uns im Dachgeschoss. Von Anfang an drehte sich alles um Pferde und sie konnten es kaum erwarten, dass wir endlich in den Stall fahren. Das taten wir dann auch recht schnell und ich nutzte den ersten Nachmittag, um einige Basics zu vermitteln. Putzen, Box misten – ja, auch das gehört bei mir dazu – und im Rahmen eines kleinen Spiels „Wovor hat Keks Angst und warum?“ klärten wir noch die Sicherheitsaspekte rund ums Pferd und im Stall.

Dann starteten wir in die Lehrgangswoche. Jeden Tag waren 2 Kinder für Keks Box zuständig und die anderen beiden fürs Putzen und Satteln. Natürlich mit meiner Hilfe. Dann wurde geritten. Zuerst Joan, der das RA 10 machte, dann Lea für das RA 9 und am Ende Leni und Anna für das RA 8, wobei Leni dieses geländespezifisch absolvierte.

Das RA 10 für Joan

Joan ritt im Schritt und Trab an der Longe. Damit er den richtigen Sitz erlernt und sich insbesondere im Trab auf die Bewegung des Pferdes einlässt, bezog ich die Mädels in den Unterricht mit ein. Sie sollten ihm Rechenaufgaben stellen. Und siehe da, während er fleißig rechnete, wurde sein Oberkörper automatisch gerade, der Blick ging geradeaus und er fing an mit der Bewegung des Pferdes mitzugehen. Nach jeder Longeneinheit durfte er noch eine Runde allein im Schritt reiten. Dafür hatten die Mädels an jeden Zirkelpunkt einen Bierglasuntersetzer hingelegt und diese musste Joan nun einsammeln. Dabei konnte er Halten und Anreiten üben. Nun ja, und auch so manche akrobatische Höchstleistung, um den Untersetzer doch noch zu greifen, auch wenn das Pferd mal einen Schritt zu weit gegangen war. Alle hatten auf jeden Fall sehr viel Spaß an dieser Übung.

Am dritten Tag wuchs der Ehrgeiz. Typisch Junge! „Claudi, ich möchte auch mal galoppieren“, sagte er. Gesagt, getan. Und so absolvierte Joan seinen allerersten Galopp auf Keks. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unfassbar stolz er danach war. Ich übrigens auch!

Das RA 9 für Lea

Lea brachte aus früheren Reiterferien schon einiges an Erfahrung mit, dennoch ließ ich auch sie zunächst an der Longe reiten. Die Longe ist und bleibt einfach der beste Weg für die Sitzschulung, denn hier konnte sie sich voll und ganz auf sich konzentrieren. Im Vergleich zu Joan waren Rechenaufgaben allerdings nicht so ihr Fall, deswegen entschied ich mich hier für das Buchstabieren einfacher Worte.

Nach der Longeneinheit durfte auch Lea frei reiten und wir übten einzelne Elemente ihrer Prüfungsaufgabe. Schritt, Trab und Galopp, Aussitzen und Leichttraben und einfach Hufschlagfiguren, wie ganze Bahn, Zirkel und durch die ganze Bahn wechseln.

So wie bereits bei Joan, wurde auch Lea in der Woche viel mutiger und fragte mich, ob sie über einen kleinen Sprung reiten dürfte. Das taten wir und Lea war überglücklich.

Das RA 8 für Anna und Leni

Für beide hatte ich eine einfache Dressuraufgabe zusammengestellt. Die Aufgabe wurde zwar vorgelesen, aber dennoch lernten beide die Aufgabe auswendig. Das führte dazu, dass wir bereits am ersten Tag ein Dressurviereck in unserem Garten hatten und die Mädels nun über die Wiese trabten und galoppierten. Und dabei außerordentlich viel Spaß hatten.

Anna musste außerdem eine Teilprüfung im leichten Sitz reiten. Ich hatte einen kleinen Geschicklichkeitsparcours mit Trabstangen, Slalom, einem Stangen-L und einem kleinen Sprung zusammengestellt. Springen – ja, das fand nicht nur Anna ziemlich cool, sondern auch Leni.

Leni war diejenige, die am meisten Erfahrung mitbrachte, wenn auch nicht mit einem Großpferd. Sie wollte unbedingt springen. Kurzerhand bauten wir den Geschicklichkeitsparcours von Anna etwas um und Leni konnte ihre Springkünste unter Beweis stellen. Trotz allem Mut, den sie hatte, war es für sie gar nicht so einfach den großen Keks richtig an die Sprünge heranzureiten. Ich gab ihr jede Menge Tipps und am Ende funktionierte es super. Für Leni war das zwar eher der Fun-Part im Lehrgang, denn in der Prüfung ritt sie einen Geländeteil, aber wie heißt es so schön? Spaß muss sein! Und Reiten macht bekanntlich Spaß!

Für Lenis Geländeteil hatte ich eine kleine Strecke durchs Dorf, um die Galopprennbahn und über die Wiese ausgewählt. Und was machte natürlich am meisten Spaß? Der Galopp im leichten Sitz über die Wiese. Logisch, oder? Übrigens nicht nur Leni, sondern auch Keks.

Theorieunterricht gehört dazu

Zu jeder Prüfung gehört Theorie dazu. Oder wie ich zu sagen pflege, Wissen ist Macht. Kinder lernen natürlich nicht in dem man ihnen etwas in die Hand drückt und „auswendig lernen“ sagt. Was nützt das schon? Sie sollen nicht auswendig lernen, sondern verstehen. Verstehen, warum sie ein Pferd vor dem Reiten putzen und das dies weitaus mehr ist als nur den Dreck aus dem Fell zu bürsten. Verstehen, warum sie in der Stallgasse nicht rennen dürfen. Verstehen, wie sie ein Pferd nach rechts und links lenken können, antraben oder angaloppieren. Sie sollen erkennen, wenn sich ein Pferd nicht wohl fühlt und sie sollen lernen, was ein Pferd frisst und wie es wohnt.

Um alles möglichst anschaulich zu machen und nicht einfach eine trockene Theorie zu erzählen, haben wir in der Woche Plakate gebastelt. Das kam richtig gut an und die Mädels konnten gar nicht genug bekommen vom Ausmalen, Aufkleben und Beschriften. Jungs brauchen bekanntlich etwas mehr Bewegung. Kein Problem. „Joan, lauf doch mal zum Spielplatz und bringe etwas mit, was ein Pferd frisst.“

Der große Tag der Prüfung

Am Tag vor der Prüfung, fragte ich mich, wo meine Mädels und Joan hin sind? Eine Horde Ameisen hatte ich nun zu Hause. An jeder Ecke wurde gewuselt. Hier der Sattel geputzt, dort die Trense. Nochmal schnell ein Blick auf die Plakate geworfen. Ui, waren alle aufgeregt!

Im Stall angekommen, wurde Keks auf Hochglanz poliert und sogar eingeflochten. Wie bei den Großen, so sollte es sein. Kurze Zeit später traf Babsie ein, um die Mädels und Joan auf Herz und Nieren zu prüfen. Allen stand die Aufregung ins Gesicht geschrieben, aber Babsie schaffte ganz schnell eine entspannte Atmosphäre. Es ging los mit Joan, gefolgt von Lea und zum Abschluss Anna und Leni. Alle zeigten stolz, was sie gelernt hatten und absolvierten ihre Reitaufgaben. Danach ging es für alle zusammen in die Theorieprüfung. Was frisst denn der Keks? Und wie kratzt man einen Huf aus? Welche Sachen sind in dem Putzkasten? Und wo hat das Pferd eigentlich sein Knie?

Nach der Theorie zogen Babsie und ich uns kurz zurück. Durchgefallen war natürlich keiner! Im Gegenteil, Babsie lobte das gute reiterliche Niveau und das große theoretische Wissen der Mädels. Und Joan. Über das Lob freute ich mich natürlich sehr!

Dann war es endlich soweit und wir verliehen die Urkunden. Der Moment war fast magisch, denn ich habe selten so glückliche und stolze Augen gesehen. Jeder hatte einen kleinen Erfolg in der Woche. Joan ist galoppiert und Lea, Anna und Leni sind gesprungen. Bis auf Leni, war es für alle das erste Reitabzeichen und somit das erste große Erfolgserlebnis im Reitsport.

Und ich?

Ich bin unfassbar stolz darauf, dass mein erster Abzeichenlehrgang ein voller Erfolg war. Diese Ponyhofwoche werde ich so schnell sicher nicht vergessen.


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