Ich kann dir gleich vorweg sagen, dass ich jahrelang überhaupt kein Freund von Springreihen war. Ich weiß wie es sich anfühlt, wenn das Pferd in der Reihe doch mal ungefragt den Stopp reinhaut. Ich weiß wie es ist, wenn man in der Reihe das Gleichgewicht verliert und leider weiß ich auch, wie blöd es endet, wenn das Pferd in der Reihe eine Stange zwischen die Beine bekommt. Wenn du dich jetzt in einem dieser Sätze wiedererkennst, dann wird dir dieser Beitrag hoffentlich weiterhelfen.

Was sind eigentlich die Ziele von Springreihen?

Das Springen von Reihen hat für das Pferd im Prinzip die gleichen Ziele wie das Freispringen: Koordination, Muskelaufbau, Reaktionsschnelligkeit, Geschicklichkeit und Schulung der Sprungtechnik.

Wenn wir nun die Ziele für den Reiter betrachten, dann sind diese wesentlich vielfältiger. Aufgrund der vorgegebenen Distanzen und der schnellen Sprungabfolge sind Springreihen für den Reiter eine hervorragende Möglichkeit den eigenen Sitz zu schulen. Du lernst deinen Sitz an den Bewegungsablauf des Pferdes anzupassen. Da dein Sitz vor und nach dem Sprung anders aussieht als über dem Sprung, musst du in deinem Sitz flexibel sein und dich immer wieder neu ausbalancieren. Du entwickelst ein Gefühl dafür dich von deinem Pferd in der Bewegung mitnehmen zu lassen. Dadurch lernst du zwischen den Sprüngen und in der Flugphase über dem Sprung in der Bewegung mitzugehen. Springreihen sind für dich demnach eine sehr gute Möglichkeit an deinem Bewegungsgefühl zu arbeiten und dein Gleichgewicht zu schulen.

Durch die vorgegebenen Abstände in den Springreihen, bekommst du ein Gefühl für das richtige Tempo und für den Absprungpunkt. Das hilft die später enorm beim Springen von Einzelhindernissen. Die schnelle Abfolge der Sprünge in den Reihen schult außerdem dein Reaktionsvermögen und gewissermaßen auch deine Geschicklichkeit.

Springreihen sind außerdem eine gute Möglichkeit sich an höhere Sprünge oder den Oxer heranzutasten. Natürlich musst du dafür selbstbewusst in die Reihe hineinreiten, aber dann sind Tempo und Weg vorgegeben und du kannst dich vermehrt auf deinen Sitz konzentrieren.

Springen im Allgemeinen stärkt dein Selbstvertrauen in das eigene Können. Und sei doch mal ehrlich, wenn du weißt, dass du beim Springen „sattelfest“ bist, dann macht dich das stark für zahlreiche andere Situationen.

Kurz & Knapp: Dein Sitz beim Springreiten

Mittlerweile sprechen wir nicht mehr von einem „Springsitz“ sondern vom Sitz des Reiters beim Springreiten. Das hängt damit zusammen, dass es nicht den einen „Springsitz“ gibt, sondern der Reiter vor, über und nach dem Sprung unterschiedliche Sitzpositionen einnehmen muss. Eine hohe Flexibilität ist hierbei gefragt.

Vor und nach dem Sprung befindest du dich in einer Art Grundposition. Das bedeutet dein Gesäß hat Kontakt zum Sattel, im Vergleich zum Dressurreiten belastest du diesen aber nicht voll. Dein Unterschenkel liegt am Pferdebauch und dein Oberkörper ist leicht nach vorne geneigt. Über dem Sprung kommst du mehr in die Entlastung. Das geschieht nahezu automatisch, wenn du mit der Bewegung des Pferdes mitgehst. Dein Oberkörper geht dabei noch weiter nach vorne und dein Gesäß kommt folglich aus dem Sattel. Nach dem Sprung richtest du dich auf und dein Gesäß kommt wieder an den Sattel.

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Über dem Sprung: Die Reiterin entlastet den Pferderücken. Das Gesäß verlässt den Sattel und der Oberkörper ist nach vorne geneigt.

Welche Voraussetzungen müssen Pferd und Reiter für das Springen von Reihen mitbringen?

Wie oben bereits beschrieben sind Springreihen durch den vorgegebenen Weg, das Tempo und den Rhythmus sehr gut für deine Sitzschulung geeignet. Dennoch ist es natürlich völlig sinnfrei einem Springanfänger eine Reihe aus mehreren Sprüngen hinzustellen. Damit das Springen von Reihen zum Erfolg wird, müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein.

Du wirst sicher schon oft gehört haben, dass du ein geeignetes Pferd benötigst. Konkret bedeutet das, dein Pferd muss zu deinen Ansprüchen passen. Wenn du zu den fortgeschrittenen Springreitern gehörst und deinen Sitz verbessern möchtest, dann brauchst du ein springerfahrenes Pferd, welches auch gewisse Höhen absolviert. Ein Anfänger hingegen braucht ebenfalls ein erfahrenes Pferd, welches sicher springt, aber die Höhe finde ich persönlich hier eher zweitrangig.

Meiner Erfahrung nach hat man das ideale Pferd aber nicht unbedingt im Stall. Das macht nichts, denn natürlich ist es möglich zusammen mit dem Pferd zu lernen. Bevor du dich an erste kurze Reihen wagst, übst du das Überwinden von Einzelsprüngen und mehreren Cavalettis in Folge.

Als Reiter musst du die Hilfengebung verstanden haben, sicher auf dein Pferd einwirken und ausbalanciert im leichten Sitz reiten können. Bevor du dich an Springreihen wagst, solltest du in der Lage sein in den einzelnen Gangarten mehrere Cavalettis am Stück zu überwinden, zum Beispiel im Galopp drei Cavalettis auf dem Zirkel. Des Weiteren hast du auch schon einzelne kleinere Sprünge absolviert. Sei hier wirklich ehrlich zu dir selbst, denn das sind die absoluten Grundlagen für das Springen von Reihen. Wenn du am Einzelsprung oder über den Cavalettis noch große Defizite hast, dann bist du noch nicht bereit für Springreihen.

Lass dich am besten von einem Trainer unterstützen, der weiß wie man Springreihen aufbaut. Und zwar ohne irgendjemanden zu überfordern. Weder dich, noch dein Pferd.

Wie sind Springreihen aufgebaut?

Springreihen sind für den Reiter und das Pferd einladend, freundlich und mit korrekten Abständen aufgebaut. Insbesondere die Abstände führen immer wieder zur Verwirrung. Als Reiter wünscht man sich am liebsten Skizzen in denen konkrete Abstände eingetragen sind und man nur noch nachbauen muss. Es gibt Richtwerte. Das sind in der Regel die „ca. Angaben“, die auf den Skizzen angegeben sind. Die Abstände sind schlussendlich aber abhängig von deinem Pferd, von dessen Größe und Raumgriff der Trabtritte und Galoppsprünge. Das bedeutet, ein 1,45 m kleiner Haflinger hat andere Abstände als ein 1,75 m großes Warmblut.

Die folgenden Abbildungen sind ein paar Beispiele wie du mit einfachen Aufbauten in dein Training mit Springreihen starten kannst. Später kannst du die Reihen jederzeit erweitern. Beachte bei deinem Training, dass Springreihen aufgrund der schnellen Abfolge der Sprünge sehr anstrengend sind. Überfordere weder dich, noch dein Pferd.

(A) Aus dem Galopp: Stange, Cavaletti, ein Galoppsprung, Kreuz (B) Aus dem Galopp: Stange, Cavaletti, ein Galoppsprung, Steilsprung (C) Aus dem Galopp: Stange, Cavaletti, ein Galoppsprung, Kreuz, ein Galoppsprung, Steilsprung

(D) Aus dem Trab: 3 Trabstangen, Kreuz aus dem Trab, danach weitergaloppieren (E) Aus dem Trab: 3 Trabstangen, Kreuz aus dem Trab, ein Galoppsprung, Steilsprung

(F) Aus dem Galopp: Stange, 3 Cavalettis, Steilsprung

Ein letzter Tipp

Heute kann ich dir sagen, korrekt aufgebaut und an den Reiter angepasst, sind Springreihen sehr wertvoll für deinen Reitersitz. All meine negativen Erfahrungen mit Springreihen lassen sich leider darauf zurückführen, dass die Voraussetzungen nicht stimmten und häufig für mich und mein Pferd zu viel aufgebaut war. Eine Reihe muss nicht immer aus Kreuz, Steilsprung und hintenraus einem Oxer bestehen. Eine Stange, ein Cavaletti und ein Kreuz können völlig ausreichend sein. Oder eine Stange gefolgt von einem In-and-Out (zwei Sprünge in Abfolge ohne Galoppsprung dazwischen). Starte mit Cavalettis, nimm dann ein Kreuz hinzu und später einen niedrigen Steilsprung. Ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Du möchtest lieber bei der Stangenarbeit bleiben? Dann guck doch mal in diese Beiträge rein:

Stangenarbeit mit dem Stangenquadrat: 12 Übungen mit nur einem Aufbau

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Stangenarbeit mit dem Stern: 9 Übungen zum Nachreiten


Zum Abschluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass dieser Beitrag natürlich nicht den Reitunterricht bei einem qualifizierten Trainer ersetzt.


 

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Ja, das will ich machen