Nein, ich habe kein Burnout, aber wie viele Menschen in der heutigen Zeit, leiden auch viele Pferde unter Burnout. Sie fühlen sich ausgebrannt, lustlos und unwillig – und es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Burnout bei uns Menschen und den Pferden.

Burnout bei Pferden

Wie bei uns Menschen auch, ist der Hauptauslöser für ein Burnout bei Pferden Stress, der sich allerdings auch nicht immer vermeiden lässt. Das ist aber auch völlig in Ordnung, da Pferde durchaus in der Lage sind, ein gewisses Maß an Stress wahrzunehmen und entsprechend zu verarbeiten. Jedoch hat jedes Pferd seinen eigenen Charakter. Der eine ist sehr standhaft und hält viel aus, während der andere sehr sensibel reagiert – wie bei den Menschen, der eine arbeitet locker mehr als 12 Stunden am Tag, während der andere schon nach 6 Stunden aus den Latschen kippt. Wenn ich mich zurück erinnere an meine ehemalige Reitbeteiligung, Bujan, der war extrem gechillt und es hat ziemlich lange gedauert bis den mal irgendetwas aufgeregt hat. Keks hingegen ist definitiv Typ 2, ein Sensibelchen, der super brav sein kann und im nächsten Atemzug stresst ihn irgendwas und er ist auf 180, oder gleich auf 210.

Stress kann zu Burnout führen

Das Burnout Syndrom bei Pferden sollte nicht unterschätzt oder gar belächelt werden, denn Stress kann auf Dauer wirklich krank machen. Als Folge von dauerhaftem Stress können Verhaltensstörungen, wie Koppen oder Weben, Depressionen, Magengeschwüre oder Allergien auftreten. Da wir als Pferdebesitzer und Reiter Stress nicht gänzlich vermeiden können, und auch gar nicht müssen, ist es aber wichtig, dass wir dem Pferd das Leben so angenehm wie möglich gestalten, damit es keinen chronischen Stress hat. Es sollte keine ständigen Stall- oder Herdenwechsel geben. Keks hat im Sommer das volle Programm abbekommen. Er ist in eine neue Box und Herde umgezogen und der Stress war ihm noch Wochen später anzumerken. Aber es war einfach notwendig und die positiven Vorteile überwiegen. Positive Vorteile für ihn, nicht für uns! Auch die gern gelobte und hoch angepriesene Offenstallhaltung ist nicht jederpferds Sache. Gerade in Offenställen herrscht häufig das Problem des Futterneids, was sensible Pferde auf Dauer stresst.

Ein weiterer, ganz wichtiger Punkt der zu Stress führen kann, ist das tägliche Training, was in erster Linie abwechslungsreich und positiv gestaltet werden sollte. Keks hat ein sehr abwechslungsreiches Training bestehend aus Dressur, Stangen- und Bodenarbeit, Ausreiten, Spazieren gehen oder einfach mal frei haben. Außerdem ist er jeden Tag auf der Koppel und bekommt Wellness in Form von Massagen. Wenn ich Dressur reite und neue Lektionen ausprobiere, ist es wichtig ihn, und auch mich, nicht zu überfordern. Er muss es erstmal lernen und ich auch. Genau das ist auch der Grund, warum ich ihn momentan nicht mehr springe. Springen ist bei uns beiden zum Stressfaktor geworden und ich muss erstmal wieder die Grundlagen in der Stangenarbeit schaffen. Aber, ich habe ein ziemlich gutes Gefühl, dass es nicht mehr so lange dauern wird, bis zum ersten kleinen Kreuz.

Neben Stall- und Herdenwechsel oder Überforderung beim Reiten, können auch Schmerzen oder bestimmte Ausrüstungsgegenstände Stress auslösend sein.

Stress ist übrigens, wie oft geglaubt, kein Phänomen unter Turnierpferden, sondern sehr häufig sind die Pferde der Freizeitreiter betroffen. Die Turnierreiter sind meist jedes Wochenende unterwegs, und die Pferde kennen das. Die Freizeitreiterszene hat aber in den letzten Jahren sehr stark zugenommen und auch die Ambitionen sind gestiegen. Viele Freizeitreiter möchten an Turnieren teilnehmen, was auch überhaupt nicht verwerflich ist, schließlich machen wir nichts anderes. Das Problem liegt eher darin, dass die Pferde oft überfordert werden, indem sie eine Leistung erbringen müssen, der sie rein vom Trainingszustand noch gar nicht gewachsen sind. Ein Turnier ist sehr viel anstrengender als eine Reitstunde auf dem heimischen Platz. Wer sein Pferd demnach auf dem Turnier vorstellen möchte, muss zu Hause ein gewisses Maß an Training absolvieren, damit das Pferd die nötige Kondition hat. Keks steht, ich sag mal, für den normalen Gebrauch, gut im Training. Nach den Prüfungen auf den Turnieren hat man ihm aber deutlich angemerkt, dass er erschöpft war, heißt, dass er momentan vom Trainingszustand her z.B. nicht in der Lage wäre, am Vormittag eine Dressur und nachmittags ein Springen zu gehen. Das packt er einfach nicht und das würde ihn auch unheimlich stressen.

Anzeichen für Stress

Für viele Pferdebesitzer ist es auch ein Problem, zu erkennen, ob ihr Pferd unter Stress leidet. Ein kurzer Stress, wie ein Flatterband im Gelände oder ähnliches, stellt kein Problem dar. Problematisch wird es bei dauerhaftem Stress, aus den oben beschriebenen Ursachen. Ein extrovertiertes Pferd wird deutlich zeigen, wenn es Stress hat, unterm Sattel z.B. durch Buckeln oder Rennen. Das eher introvertierte Pferd macht es seinem Besitzer schon deutlich schwieriger und gerade bei diesen Pferden werden die Signale oft missverstanden. Das Gähnen wird als Stresssignal häufig nicht erkannt. Natürlich kann es auch sein, dass das Pferd gähnt, weil es müde ist. Gähnt es aber immer vor dem Auftrensen ist das eher als Stresssignal zu deuten. Ein anderes Beispiel sind Pferde, die immer den Kopf senken, dahin trotten und lustlos wirken. Auch dies kann eine Form von Stress sein, wird aber häufig als faul angesehen. Dabei haben diese Pferde so großen Stress, dass sie ihren Kummer in sich hinein fressen und mehr oder minder alles über sich ergehen lassen. Eben so, wie auch Menschen mit Burnout reagieren. Ihnen ist alles egal.


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