Nachdem ich Anfang Oktober, den, ich nenne ihn mal „kleinen“ Lehrgang, organisiert und geleitet habe, ging es Mitte Oktober so richtig ans Eingemachte. Der große Reitabzeichen-Lehrgang mit Teilnehmern für die Motivationsabzeichen RA 9 und 7, für die Leistungsabzeichen RA 5 und 4 sowie für den Basispass Pferdekunde und den Reitpass startete.

Zum Weiterlesen: Ein Erfahrungsbericht: Mein erster Reitabzeichenlehrgang RA 10 – 8

Von der ersten Idee bis hin zur angemeldeten Reitabzeichen Prüfung

Vorweg möchte ich erst einmal erzählen, wie es dazu kam, dass ich diesen Lehrgang organisiert habe. Organisation. Das ist nämlich das Stichwort. Ich liebe es Dinge zu organisieren, Projekte zu planen und durchzuführen. Und wenn diese Projekte im Reitsport liegen, umso besser. Bereits nach meiner Trainerprüfung war mir klar, dass ich so einen Lehrgang auch einmal organisieren möchte, weil es einfach voll „mein Ding“ ist. Ich liebe Lehrgänge, Projekte, Pferde, Reiten, die Arbeit mit Menschen, das Unterrichten und mein Wissen weiterzugeben. Wo konnte ich all das verbinden? Genau. In einem Reitabzeichen-Lehrgang.

Der „kleine“ Lehrgang Anfang Oktober war eine optimale Vorbereitung auf das, was mich nun erwartete. Bevor alles begann, wälzte ich diverse Infoblätter, holte mir Rat bei meinen Trainerkollegen und stellte grob zusammen, welche Voraussetzungen, insbesondere für die Leistungsabzeichen, notwendig sind. Damit meine ich tatsächlich so lapidare Dinge wie die Anzahl der Stangen fürs Springen, Durchmesser und Länge dieser, Beschaffenheit der Prüfungs- und Vorbereitungsplätze, in Frage kommende Richter und die Vereinszugehörigkeit.

In einer Broschüre stellte ich die praktischen und theoretischen Anforderungen der verschiedenen Reitabzeichen zusammen und führte eine Infoveranstaltung mit allen interessierten Reitern durch. Danach folgten noch diverse Einzelgespräche, um für jeden Reiter, das passende Abzeichen zu finden. Kurz darauf trudelten die Anmeldungen bei mir ein, ich bestellte die Richter und meldete die Prüfung beim Verband offiziell an.

In diesem Moment wurde mir erstmals so richtig bewusst, dass es jetzt kein Zurück mehr gab. Aber wer wollte das schon? Ich nicht. Ich hatte Bock. Und zwar so richtig.

Hanna mit Keks bei der Bodenarbeit für das RA 7

Nichts geht über einen guten Plan für den Reitabzeichenlehrgang

Die nächste Herausforderung war der Lehrgangsplan. Ganz bewusst habe ich mich für einen Wochenendlehrgang entschieden, da viele berufstätige Reiter dabei waren und so keiner extra Urlaub nehmen musste. Ich stellte Gruppen fürs Springen und für die Dressur zusammen und machte eine Zeiteinteilung.

Samstags wurde Dressur geritten und sonntags gesprungen. Nun teilte ich noch die Praxis für den Reitpass und die vielen Theoriestunden ein. Eineinhalb Stunden Basispass Theorie gefolgt von nochmal eineinhalb Stunden RA 5 und 4 Theorie? Kann ich so lange quasseln? Ja. Geht schon.

Als der Plan stand und Björn ihn genehmigt hatte, immerhin war er mein Babysitter, führte ich eine Vorbereitungsbesprechung mit allen Teilnehmern durch. Hier bekam jeder seine ganz persönlichen Inhalte, Dressur- und Springaufgabe sowie den Lehrgangsplan. Stille. Denn jetzt wurde uns allen erneut bewusst, es wird ernst. Ich gab ein paar motivierende Worte weiter und freute mich unfassbar auf den Lehrgang und die Zeit, die nun vor mir lag.

Dressur, Springen, Bodenarbeit und Theorie im Reitabzeichenlehrgang

Wie bereits gesagt, veranstaltete ich einen Wochenendlehrgang, wobei samstags Dressur geritten und sonntags gesprungen wurde. Die erste Stunde war sowohl in der Dressur als auch im Springen für jeden eine Einzelstunde. Ich wollte mir genug Zeit nehmen, um mit jedem die Aufgabe bzw. den Parcours zu besprechen. In den folgenden Reitstunden wurde dann in der Gruppe geritten. Wenn doch noch etwas mehr geübt werden musste, dann hatte ich zusätzliche Einzelstunden angeboten. Hauptsache alle waren am Ende bestens vorbereitet!

Das Springen hatte ich so organisiert, dass die Teilnehmer für das RA 4 starteten, dann RA 5 und dann RA 7. So stand morgens der komplette Parcours und nach jeder Gruppe wurde ein bisschen abgebaut. Wir hatten extra für den Lehrgang neue Stangen gestrichen, die dann ab dem ersten Lehrgangstag im Einsatz waren. Das war unglaublich wichtig, da die meisten Pferde an den neuen Stangen erstmal glotzen mussten. Getreu dem Motto: „Wieso ist der Sprung so unverschämt bunt?“

Während der Reitstunden ließ ich die Reiter immer wieder sich selbst oder auch gegenseitig beurteilen. Wie war der Sitz? Der Weg zum Sprung? Die Hufschlagfigur? Dabei ging es darum, dass jeder ein Gefühl für Sitz- und Einwirkungsfehler entwickelte, diese sehen und auch beschreiben konnte.

Für das RA 5 und 4 machte ich eine gemeinsame Theorie. Der mit Abstand größte Brocken war die Reitlehre. Natürlich gab es hier ein paar Dinge, die alle auswendig lernen mussten, aber das Verstehen der einzelnen Aspekte stand im Vordergrund. Genauso wie die interaktive Mitarbeit. Was nutzt es meinen Teilnehmern, wenn ich ihnen die Reitlehre vorlese? Gar nichts. Also gestalteten wir im Theorieunterricht verschiedene Plakate, denn visuell lernt es sich am besten.

Die Generalprobe und weitere Vorbereitungen für den Prüfungstag

Eine Woche vor der Prüfung gab es eine Generalprobe. Das heißt, wir probten den Prüfungstag inklusive Zeitplan. Übrigens wieder ein Zeitplan, der mich fast zur Verzweiflung gebracht hätte. Es war schon eine echte Herausforderung, alle Teilprüfungen so in einander zu verzahnen, dass unseren Richtern nicht langweilig wurde und trotzdem alle Reiter genügend Zeit zum Abreiten hatten.

Eine Woche vor der Prüfung fragte mich unser Stallbesitzer, ob ich schon aufgeregt sei. Ich schüttelte den Kopf. Nö, noch nicht. „Ich schon“, erwiderte er. Ich musste schmunzeln. Ja, so langsam stieg die Anspannung. Ein paar Tage vor der Prüfung fiel noch ein Pferd aus und ein anderes musste, aufgrund von Übermotivation, aus dem Springen genommen werden. Kleinere und größere Probleme, die wir alle irgendwie lösen konnten. Ein Hoch auf unsere funktionierende Stallgemeinschaft!

Am Tag vor der Prüfung betrat ich um kurz nach 17 Uhr die Stallgasse. An jeder Ecke wurden Pferde geputzt und eingeflochten, Sättel und Trensen gefettet, Stiefel poliert. Ich trommelte alle zur Abschlussbesprechung zusammen, ging den finalen Zeitplan durch und klärte alle offenen Fragen. Und dann? Gab es Pizza für alle.

Ein perfekter Prüfungstag

Nach einer nahezu schlaflosen Nacht, an der zur Abwechslung mal nicht mein Baby schuld war, ging es in den Stall. Wochenlang hatte ich nichts anderes als Reitabzeichen, Regularien und Bestimmungen im Kopf gehabt und heute war es soweit. Hoffentlich hatte ich nichts übersehen! Und hoffentlich fühlten sich die Richter bei uns wohl!

Während die Reiter ihre Pferde vorbereiteten, verteilte ich die letzten Aufgaben an die Helfer. Für mich war alles perfekt und bestens organisiert. Bis auf den Regen, der pünktlich zum Prüfungsbeginn einsetzte. Aber was solls! Wir starteten mit der Bodenarbeit, gefolgt vom Springen, Reitpass und der Dressur. Dazwischen fanden die Theorieprüfungen statt. Als ich für die Reitpass Prüfung mit den Richtern zu Fuß ins Gelände ging, wurde die exzellente Organisation des Prüfungstages und die sehr gute Vorbereitung der Reiter gelobt. Das ging runter wie Öl! Der Prüfungstag verlief nahezu bilderbuchmäßig. Wir waren absolut im Zeitplan, alle Reiter überpünktlich, die Richter fühlten sich pudelwohl bei uns und es gab keine unvorhersehbaren Katastrophen. Genauso habe ich mir das gewünscht!

Plötzlich stand ich mit den Urkunden in der Hand vor meinen Reitabzeichen Prüflingen. Bevor es aber an die Verleihung ging, gab es noch jede Menge Dankesworte von meiner Seite. Auch wenn die komplette Organisation bei mir lag, ohne diverse helfende und unterstützende Hände, hätte ich das nicht geschafft – und schon gar nicht am Prüfungstag.

Am Ende hatte ich tatsächlich ein lachendes und ein weinendes Auge. Alle hatten bestanden, wir hatten einem unvergesslichen Lehrgang und es gab unfassbar viel positives Feedback von allen Seiten. Naja, und ein weinendes, weil die Zeit schon wieder vorbei war und nun der Alltag wiederkam. Ich habe jede einzelne Minute des Lehrgangs genossen, war so motiviert bei den Vorbereitungen und habe es geliebt die Wochenenden beim Reitunterricht in unserer Halle zu verbringen. Eines ist klar. Das war ganz sicher nicht der letzte Reitabzeichen-Lehrgang, den ich organisiert habe.

An dieser Stelle nochmal Herzlichen Glückwunsch an alle zu den bestandenen Abzeichen (3x RA 4, 3x RA 5, 3x RA 7, 1x RA 9, 2x Reitpass, 2x Basispass Pferdekunde) und vielen Dank an unsere Richter Frau Klein-Schießl und Frau Eisenmann sowie Richteranwärterin Frau Buchberger. Es war mir eine Freude!

Bericht aus der Bayerns Pferde

Richtertisch

Stationsprüfungen RA 7

Kuscheln nach der ganzen Aufregung

Fotos: Barbara Weißflog, Andrea Peter


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