Im Januar 2022 ist es Springreiterin Janne-Friederike Meyer-Zimmermann die glücklich in die Kamera strahlt. Im August 2022 Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl. Beide sind Mama geworden. Janne zum ersten Mal, bei Jessi ist es bereits das zweite Kind. Wenn man die glücklichen Gesichter beider Reiterinnen sieht, dann fällt es schwer zu glauben, dass es Reiterinnen bei einer Geburt so viel schwerer haben sollen. Stimmt es nun oder nicht? Haben Reiterinnen es bei der Geburt wirklich schwerer als andere Frauen?

Was genau ist der Beckenboden?

Um die gerade gestellten Fragen zu beantworten, müssen wir zunächst über den Beckenboden sprechen. Über diesen ominösen Beckenboden wirst du erst so richtig viel hören und lesen, wenn du ein Baby planst, schwanger bist oder warst. Gefühlt dreht sich auf einmal sehr viel in deinem Leben um die kleine Muskelmatte mit dem Namen Beckenboden.

Wie der Name schon sagt geht es um eine bestimmte Gruppe Muskeln, die sich in deinem Becken befinden. Sie erstrecken sich vom Schambeinknochen, über beide Sitzbeinhöcker bis hin zum Kreuz- und Steißbein. Der Beckenboden ist dafür zuständig den Bauchraum inklusive aller dort liegenden Organe nach unten hin abzuschließen.

Während einer Schwangerschaft wird diese Muskelmatte stark in Anspruch genommen. Stell dir einmal vor Gebärmutter samt Baby und Fruchtwasser drücken über viele Wochen auf den Beckenboden. Da hängt die Matte am Ende ganz schön durch. Drückt sich dann noch bei der Geburt dein Baby durch den Beckenboden, dann ist dieser ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. Nein, der Beckenboden hat dann kein Loch, aber damit er wieder stabil und belastbar wird, brauchst du Geduld und gezieltes Training. Und zwar Beckenbodentraining.

Ist Reiten nun gut oder schlecht für den Beckenboden?

Wenn du im Sattel sitzt, dann kommunizierst du über Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen mit deinem Pferd. Diese Hilfen kannst du nur aus einem korrekten Reitersitz heraus geben. Das Becken und die umgebenden Muskeln sind für deinen Reitersitz so wichtig, dass das Ganze Konstrukt sogar einen eigenen Namen bekommen hat: Die Mittelpositur.

Durch das An- und Abspannen der Muskulatur der Mittelpositur bist du in der Lage den Bewegungen deines Pferdes zu folgen. Mitzuschwingen. Folglich gehört der Beckenboden mit zur Mittelpositur. Beim Reiten ähnelt dein Beckenboden keiner Hängematte. Durch den aufrechten und stabilen Sitz in positiver Körperspannung ist er eher vergleichbar mit einem Trampolin. Dieses Trampolin fängt nun, zusammen mit anderen umgebenden Muskeln, die Schwingungen des Pferderückens und die Impulse der Pferdebewegungen ab.

Durch Reiten wird der Beckenboden also ganz klar trainiert. Ordentliches Schrittreiten ist nach der Geburt ein gutes Training für deinen Beckenboden. In Maßen und langsam gesteigert!

Pilotstudien, die Mediziner von der Fresenius-Hochschule Köln durchführten, zeigen, dass insbesondere Reiten als gesunde Sportart für den Beckenboden empfohlen werden kann. Beim Trab und Galopp erreicht der Reiter eine besondere Aktivität in diesem speziellen Muskelbereich.

Wie viel Reiten ist gut für den Beckenboden?

Wie bereits erklärt, handelt es sich beim Beckenboden um eine Muskelmatte. Diese Muskeln werden beim Reiten trainiert. Folglich ist es dann so, je mehr du reitest umso trainierter wird dein Beckenboden. Wenn du nun täglich mehrere Stunden im Sattel sitzt, dann wird dein Beckenboden sich irgendwann verspannen und du hast Probleme lockerzulassen.

Seien wir aber ehrlich. Einen zu trainierten und verspannten Beckenboden finden wir in der Regel nur bei Berufsreitern. Dennoch gibt es viele Freizeitreiter, die sich im Rahmen einer Schwangerschaft fragen, ob ihr Beckenboden entspannt genug für eine Geburt ist. Die gute Nachricht, auch für Berufsreiter: Du kannst lernen deinen Beckenboden bewusst anzuspannen und dann auch wieder zu entspannen.

Wenn du dich auf die Geburt vorbereiten willst, dann ist ein gezieltes Beckenbodentraining durchaus sinnvoll.

Sorgt ein starker Beckenboden für eine schwierigere Geburt?

An der Sporthochschule in Oslo wurde 2013 untersucht, ob ein zu trainierter Beckenboden die Geburt aufhalte und schlussendlich zu instrumentellen Beendigung, d.h. Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt, führt. Dazu wurden an einer Gruppe von Frauen, die im 5. oder 6. Monat schwanger waren, verschiedene Messungen am Beckenboden vorgenommen. Diese Messungen wurden später mit den Geburtsverläufen gegenübergestellt. Das Ergebnis war eindeutig: „Ein starker Beckenboden stellt kein Geburtshindernis dar.“ (Bø, 2013)

Aus der Türkei gibt es eine kleinere Studie mit Hinweisen darauf, dass ein starker Beckenboden die Wehentätigkeit hemmt und es als Folge zu einem Geburtsstillstand kommen kann. Folglich kommt es häufiger zu einem Kaiserschnitt. Bei den Ergebnissen dieser Studie musst du allerdings im Hinterkopf behalten, dass in der Türkei statistisch gesehen bei jeder zweiten Frau ein Kaiserschnitt durchgeführt wird.

Es gibt demnach keine Studien oder andere Hinweise, die belegen, dass Reiterinnen öfter per Kaiserschnitt gebären oder die Geburten überdurchschnittlich lange dauern.

Fazit: Reiterinnen haben es nicht schwerer

Was auch nicht vergessen werden sollte, ist das persönliche Schmerzempfinden. Es gibt Frauen, die kommen gut und ohne jegliche Hilfsmittel durch die Geburt, andere benötigen eine PDA oder ähnliches.

Ich persönlich bin der Meinung, dass wir Reiterinnen, Berufsreiter mal außen vor gelassen, es bei der Geburt sogar einfacher haben. Warum? Wir haben einen guten, aber nicht übermäßig, trainierten Beckenboden und wir haben eine allgemein gute Fitness. Sportliche Frauen empfinden den Wehenschmerz als weniger stark, erholen sich schneller im Wochenbett und leiden deutlich seltener an Wochenbettdepressionen. Na, das klingt doch gut für uns Reiterinnen!

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